Thomas Middelhoff
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Thomas Middelhoff nach der Verbüßung seiner Haftstrafe 2018 in Hamburg. Der frühere Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende war bei einem Termin mit dem Gerichtsvollzieher  durchs Fenster geflüchtet.

Der Fall Ghosn

Die spektakulärsten Manager-Fluchten

  • Steffen Herrmann
    vonSteffen Herrmann
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Carlos Ghosn ist nicht der erste Wirtschaftsboss, der mit einer spektakulären Flucht auffällt. Filmreife Fluchtversuche berühmter Manager gibt es immer wieder.

Thomas Middelhoff  seilte sich einst über eine Regenrinne ab: Der ehemalige Manager hatte 2014 einen Termin bei einem Gerichtsvollzieher. Anschließend flüchtete er durch das Fenster. „Wie eine Katze über das Dach“, berichtete Middelhoff später in Interviews. Der Grund: Die versammelten Fotojournalisten vor dem Gebäude.

Middelhoff war lange eine Lichtgestalt der deutschen Wirtschaft gewesen: Als Vorstandsvorsitzender leitete er den Medienkonzern Bertelsmann, dann managte er den Karstadt-Mutterkonzern Arcandor – bis zur Insolvenz im Jahr 2009. Später wurde Middelhoff wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt. Wegen Fluchtgefahr wurde er noch im Gerichtssaal verhaftet.

Jürgen Schneider  kaufte Gebäude in bester Lage, sanierte sie, um sie dann zu vermieten oder zu verkaufen. Um seine Immobilienprojekte zu finanzieren, nahm der Baulöwe immer neue Kredite auf: insgesamt knapp 5,5 Milliarden DM bei rund 55 verschiedenen Banken. Er täuschte die Banker über den Wert der Immobilien, die Finanzhäuser wiederum prüften die Angaben oft nicht besonders gründlich.

Die Mieteinahmen blieben hinter den Erwartungen zurück, das Unternehmen brach 1994 zusammen – und Schneider tauchte ab. Mit seiner Ehefrau setzte er sich in die USA ab – und überwies sich vor der Flucht noch 245 Millionen Mark auf ein Konto in der Schweiz. 1995 wurde er in Florida festgenommen und zwei Jahre später wegen Betrugs, Kreditbetrugs und Urkundenfälschung zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Florian Homm  ist bislang einer Haftstrafe entkommen. Der Börsenboom Ende der 90er-Jahre hatte den Hedgefondsmanager reich gemacht. Auch beim Fußballverein Borussia Dortmund hatte sich Homm zwischenzeitlich engagiert. 2007 dann der Absturz – Finanzkrise: Homm tauchte ab und mit ihm verschwand ein Millionenvermögen.

Kopfgeldjäger, aber auch mehrere amerikanische Behörden suchten nach Homm: Die US-Börsenaufsicht hatte Klage gegen ihn erhoben. Die US-Drogenpolizei (DEA) fahndete nach dem Deutschen, weil sie ihm vorwarf, Geldwäsche-Geschäfte mit südamerikanischen Drogenkartellen gemacht zu haben.

2013 fassten ihn italienische Ermittler in einem Museum in Florenz. Wegen gesundheitlicher Probleme wurde Homm aber nicht ausgeliefert, sondern kehrte nach Deutschland zurück, wo nicht gegen ihn ermittelt worden war.

Michael Christoforakos  flüchtete nach Bayern. Der ehemalige Siemens-Manager war in Griechenland über einen Korruptions- und Schmiergeldskandal gestolpert. Als die griechischen Behörden im Sommer 2009 gegen ihn und andere Siemens-Mitarbeiter ermittelten, setzte er sich nach Bayern ab.

Dort versteckte Christoforakos sich knapp 40 Tage – unter anderem bei einem Gastwirt. Dann nahm ihn die bayrische Polizei fest. Nach einem juristischen Tauziehen wurde Christoforakos, der die deutsche und die griechische Staatsbürgerschaft hat, nicht ausgeliefert.

Qingyong Wu  türmte mit rund 100 Millionen Dollar. Der Ultrasonic-Manager verschwand 2014 gemeinsam mit seinem Sohn und großen Teilen des Unternehmensvermögens. Nach einigen Tagen erklärte der Chinese, er sei lediglich verreist und habe sein Handy verloren. Das „geliehene“ Geld werde er zurückzahlen. Ein halbes Jahr später war der chinesische Schuhhersteller pleite.

Marc Rich  war Rohstoffhändler und eine schillernde Gestalt. Für die einen der Vater des modernen Rohstoffhandels, hielten andere ihn für einen Verbrecher. Wie Carlos Ghosn entzog er sich der Justiz: Als 1983 die New Yorker Staatsanwaltschaft wegen Steuerbetrug gegen ihn ermittelte, setzte er sich aus den USA in die Schweiz ab.

Rich verzichtete auf seine amerikanische Staatsbürgerschaft und ließ sich in Spanien einbürgern. Jahrelang stand er auf der „Most Wanted“-Liste des FBI. Ein Prozess kam aber nie zustande. 2001 wurde er vom damaligen US-Präsidenten Bill Clinton an seinem letzten Amtstag begnadigt. 2013 starb er.

Carlos Ghosn rechtfertigt seine Flucht aus Japan übrigens mit einem politischen Komplott gegen ihn.

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