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Auch finanziell wollen die Keinen umsorgt sein.

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Spartipp: Geldanlagen für den Nachwuchs

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Spezielle Minderjährigenkonten bieten zwar häufig höhere Zinsen. Experten raten aber dennoch dazu, Geld für den Nachwuchs anderweitig anzulegen.

Viele Banken und Sparkassen bieten auf Kinderkonten eine bessere Verzinsung an, als es normalerweise üblich ist. Sind es bei regulären Sparkonten 0,01 bis 0,05 Prozent, bieten Kinder-Sparkonten auch schon mal einen Prozent oder etwas mehr. So liegt der Zins beim sogenannten Junior-Sparkonto der Targobank derzeit bei 1,5 Prozent, beim Kinder-Sparplan der Cosmosdirekt immerhin noch bei 1,2 Prozent.

„Kinder sollen fürs Sparen anders belohnt werden“, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur vom Verbraucherratgeber Finanztip. „Das tun die Geldinstitute, indem sie ein bisschen mehr Zinsen zahlen, aber gleichzeitig ist es natürlich auch ein Marketinginstrument, um die ganz jungen Kunden früh an sich zu binden.“

Besser direkt auf Tages- oder Festgeld ausweichen

Und da die Bank nichts verschenkt, sind solche Angebote immer auch eingeschränkt. So werden die 1,5 Prozent bei der Targobank nur für ein Guthaben bis 1000 Euro gezahlt, bei einem höheren Sparbetrag sinkt der Zins. Bei der Cosmosdirekt ist der maximale Zins von 1,2 Prozent auf drei Jahre begrenzt – danach kann der Zinssatz von der Bank jährlich neu festgelegt werden – vermutlich eher niedriger.

Während Tenhagen bei kleineren Sparbeträgen, die sowieso nicht von der Maximalgrenze berührt werden, solche Juniorkonten trotzdem eher in Betracht ziehen würde als das klassische Tagesgeldkonto, rät Stefanie Kühn, Finanzberaterin in Grafing bei München dazu, direkt auf Tages- oder Festgeld auszuweichen: „Wer Festgeld mit einer Laufzeit von fünf Jahren anlegt, bekommt dafür bei einer guten Bank immerhin noch bis zu 1,4 Prozent Zinsen“, so Kühn. Die Maximalgrenzen des Sparbetrags liegen außerdem deutlich höher, wenn es denn eine gibt.

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„Welche Sparform sich am besten eignet, hängt aber davon ab, wie alt das Kind ist“, sagt Kühn. „Wenn das Kind schon 15 Jahre alt ist und in zwei Jahren voraussichtlich Geld für einen Führerschein braucht, eignen sich langfristige Sparverträge sicherlich weniger.“ Auch dann seien Tagesgeld und kurzfristige Festgelder die bessere Alternative. Wenn mit dem Sparen hingegen bereits in der Kleinkindphase begonnen wird und daher noch ein sehr langer Zeithorizont vorhanden ist, würden sich ETF-Sparpläne gut eignen. Von Versicherungen – seien es Kinderschutzbriefe oder Ausbildungsversicherungen – raten beide Experten wegen zu hoher Kosten und unflexiblen Produkten ab.

Vorteile für Hartz-IV-Empfänger

Auch beim Verbraucherratgeber Finanztip empfiehlt man daher für längerfristiges Sparen einen ETF-Fondssparplan. Bei einem solchen Sparplan kauft man regelmäßig Fondsanteile. Ein ETF-Fonds entwickelt sich dabei immer so wie der jeweilige Aktienindex, er wird im Prinzip nachgebildet. Da keine einzelnen Aktien gekauft werden, ist das Risiko geringer. Zwar müssten die Eltern es aushalten können, wenn es an der Börse auch mal auf und ab geht, so Tenhagen. „Aber wenn man früh anfängt und 15 Jahre Zeit hat, bis das Kind erwachsen ist, dann ist das in der Vergangenheit eine sehr renditeträchtige Möglichkeit gewesen.“ Ein Sparplan auf einen börsengehandelten Indexfonds, der den Weltaktienindex MSCI World nachbildet, hätte laut einer Rechnung von Finanztip zwischen 2004 und 2018 bei einer monatlichen Sparrate von 100 Euro eine durchschnittliche Rendite von 7,3 Prozent erzielt, nach Abzug der Kaufkosten.

Auch ETF-Sparpläne werden speziell für Minderjährige angeboten. Die Wertpapierdepots heißen dann Juniordepot oder Startdepot und laufen auf den Namen des Kindes.

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Das kann Vor- und Nachteile haben. Vorteile, wenn Eltern Hartz-IV-Empfänger sind. Denn das Vermögen des Nachwuchses, wenn es auf einem Konto liegt, das auf den Namen des Kindes läuft, wird nicht auf das Vermögen der Eltern angerechnet. Auch steuerlich kann Sparen auf den Namen des Kindes Vorteile haben: Wie für jeden Erwachsenen würde der Sparerpauschbetrag von 801 Euro im Jahr auch für das Kind gelten – die Eltern müssten es nicht auf den eigenen Freibetrag aufrechnen. Allerdings muss dann auch für das Kind ein Freistellungsauftrag bei der Bank eingereicht werden, ansonsten wird die Kapitalertragssteuer vom Finanzamt erst einmal abgezogen.

Kein Anspruch auf Bafög bei hohen Beträgen

Das Kinderkonto nur wegen der etwas höheren Zinsen und der Freibeträge zu nutzen, obwohl das Gesparte letztlich gar nicht für den Nachwuchs vorgesehen ist, ist indessen keine gute Idee. „Geschenkt ist geschenkt“, macht Kühn deutlich – auch im rechtlichen Sinne. „Eltern können das Geld nicht einfach wieder auf das eigene Konto zurücküberweisen. Bei höheren Beträgen würden außerdem Schenkungssteuern fällig.

Nachteilig kann sich ein Konto, das auf den Namen des Kindes geführt wird, auswirken, wenn es um die Krankenversicherung oder die Ausbildungsförderung geht. Denn Kinder dürfen nur so lange kostenlos bei den Eltern in der Krankenversicherung mitversichert sein, solange die Einkünfte aus Kapitalvermögen 5220 Euro jährlich nicht übersteigen. Und wenn das Vermögen des Kindes insgesamt 7500 Euro übersteigt, hat das Kind keinen Anspruch mehr auf Bafög.

„Ich halte es deshalb für durchaus legitim, dass Eltern das Konto auf den eigenen Namen führen, wenn sie für ihr Kind vorsorgen möchten“, sagt Kühn. Ansonsten hätten sie zum Beispiel auch keinen Zugriff, wenn der Sohn oder die Tochter das Geld zum 18. Geburtstag unbedacht für ein Auto ausgibt und nicht etwa weiter für das Studium spart, so die Finanzberaterin.

Junior Girokonto

Kostenlos: Während die Banken und Sparkassen für reguläre Girokonten immer öfter Gebühren erheben, sind diese für Kinder und Jugendliche tatsächlich in aller Regel noch kostenlos. Auch bieten einige Banken und Sparkassen noch Guthabenzinsen von etwa einem halben Prozent an.

Beantragen: Auch wenn das Girokonto auf den Namen des Kindes läuft, müssen Eltern das Konto einrichten. Benötigt wird unter anderem ein unterschriebenes Formular aller Erziehungsberechtigten und eine beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde. Ein Junior-Girokonto kann nicht überzogen werden.

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