Sparkassen

Strafzinsen denkbar

Sparkassen beklagen die Kosten der EZB-Politik.

Vertreter der Sparkassenverbände haben die europäische Zinspolitik scharf kritisiert und vor gravierenden Folgen für Sparer gewarnt. Die Einführung von Negativzinsen durch andere Banken führe automatisch dazu, „dass die Sparkassen denselben Schritt vollziehen, um nicht mit Geld geflutet zu werden“, sagte der niedersächsische Verbandspräsident Thomas Mang. Unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten sei das fast schon eine „Notwehrmaßnahme“, um Kunden nicht abweisen zu müssen. Am Ende entscheide aber die jeweilige Sparkasse vor Ort über Negativzinsen.

Mang griff die Europäische Zentralbank (EZB) scharf an. Die Stoßrichtung gehe immer nur dahin, dass den hoch verschuldeten südeuropäischen Ländern das Leben erleichtert werden solle, „während die Sparer am Ende in die Röhre gucken“. Die EZB müsse eigentlich jetzt der sich eintrübenden Konjunktur durch Zinssenkungen gegensteuern. Doch sie habe ihr Pulver mit der Nullzinspolitik der vergangenen Jahre verschossen. Auch der Dachverband DSGV hatte die EZB kritisiert. Deren Geldpolitik verursache „immense betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Kosten“, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Helmut Schleweis, dem „Handelsblatt“ (Donnerstag). Höhere Gebühren oder Strafzinsen für Sparkassenkunden würden laut DSGV deswegen wahrscheinlicher.

Sparen lohne sich nur noch für diejenigen, die es sich leisten könnten, ihr Geld in Aktien und Immobilien anzulegen, sagte Mang. Viele Menschen hätten das Risiko noch gar nicht erkannt. Den Zinseszinseffekt, der Geldvermögen über Jahre hin habe anwachsen lassen, gebe es nicht mehr. Die Politik habe über Jahre die betriebliche wie auch die private Altersvorsorge proklamiert und lasse die Bürger jetzt hängen.

Geschäftsbanken müssen seit Mitte Juni 2014 Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB anlegen. Derzeit verlangt die Zentralbank 0,4 Prozent Negativzinsen. Damit wollen die Währungshüter die Kreditvergabe und letztlich die Wirtschaft im Euro-Raum ankurbeln. Das Gros der Privatkunden muss bisher jedoch keine sogenannten Strafzinsen zahlen.

Von Marco Seng

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