Landesbanken

Sparkassen schubsen Fusionskarussell an

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Dachverband DSGV möchte kriselnde Nord LB als Nukleus für den Zusammenschluss mehrerer Landesbanken nutzen.

Der Satz könnte von heute stammen. „In der Sparkassenorganisation wird darüber diskutiert, durch Fusionen im Landesbankenbereich größere Einheiten zu schaffen.“ Das erklärte im Jahr 1987 der damalige Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) Helmut Geiger und sprach sich für nur noch vier große Landesbanken in Deutschland aus.

Das ist auch mehr als dreißig Jahre später nicht erreicht. Nun ist es nicht so, dass es in der neueren deutschen Geschichte gar keine Fusionen und Übernahmen von Landesbanken gegeben hätte. Doch der große Coup ist ausgeblieben. Die HSH Nordbank wird demnächst an private Eigentümer übergeben, danach werden noch sechs Landesbanken der Sparkassen-Finanzgruppe angehören sowie der Fondsanbieter Deka.

Nun aber soll die kriselnde Nord LB aus Hannover zum Nukleus für einen neuen Mega-Fusionsanlauf werden. Die Nord LB braucht dringend Kapital, von etwa 3,5 Milliarden Euro ist die Rede. Zwar wäre vermutlich auch der derzeitige Mehrheitseigner – das Land Niedersachsen – bereit, Geld zuzuschießen. Doch das würde in Brüssel als Beihilfefall gewertet und mit harten Auflagen versehen werden. Von daher wäre der Einstieg eines anderen Investors die sauberere Lösung.

Neben mehreren Finanzinvestoren sollen auch die Commerzbank und die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) ihren Hut in den Ring geworfen haben. Bis Ende November müssen sie nun Gebote für einen Anteil an der Nord LB abgeben.

Im Zentralverband der Sparkassen und Landesbanken in Berlin, dem DSGV, versucht man derzeit, daraus einen größeren Plan zu schmieden. Die Idee: Die Helaba steigt bei der Nord LB ein und fusioniert später mit dieser, danach soll es dann zu einer Verschmelzung mit der Deka, der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) – der größten deutschen Landesbank – und dem Immobilienfinanzierer Berlin Hyp kommen. Die Bilanzsumme des neuen Giganten läge bei etwa 700 Milliarden Euro, das wäre deutlich größer als die Commerzbank, die auf knapp 490 Milliarden Euro kommt.

Ein Mega-Projekt also, hochkomplex und mit sehr vielen Beteiligten. Und deswegen nicht sehr aussichtsreich. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich immer wieder gezeigt, dass zwar sowohl Landesbankenmanager, als auch Bundes- wie Landes-Sparkassenpräsidenten und Politiker immer wieder beteuerten, wie richtig und wichtig Fusionen der öffentlich-rechtlichen Institute seien. Sie gehören überwiegend Bundesländern und regionalen Sparkassenverbänden.

Am Ende scheiterten aber alle Überlegungen häufig schon im Frühstadium, manchmal aber auch erst nach intensiveren Gesprächen – vor allem auch an den Eitelkeiten vieler Landespolitiker oder Sparkassenfunktionäre, die dann doch lieber ihre eigene Landesbank behalten wollten.

Gelungen sind oft aus der Not geborene Zusammenschlüsse. So fing die LBBW in der Finanzkrise die marode Sachsen LB auf; die Helaba übernahm Teile der WestLB, die abgewickelt werden musste; die HSH Nordbank musste auf Geheiß der EU-Kommission nach milliardenschweren staatlichen Subventionen verkauft werden. Von daher könnte die Krise der Nord LB tatsächlich zumindest die Chance auf weitere Veränderungen in dem Sektor bergen.

Viele Landesbanken leiden unter einer niedrigen Profitabilität. Das wird nicht gerade dadurch besser, dass sie sich gegenseitig Konkurrenz machen. Sowohl um mittelständische Kunden als auch um Sparkassen, denen die Landesbanken als zentrale Dienstleister etwa im Zahlungsverkehr helfen. Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass zwei bis drei Landesbanken in Deutschland vollkommen ausreichend wären.

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