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Sparen gegen den Krieg

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Von: Joachim Wille

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Trotz der hohen Spritpreise von mehr als zwei Euro pro Liter wird auf Deutschlands Autobahnen so schnell gefahren wie eh und je.
Trotz der hohen Spritpreise von mehr als zwei Euro pro Liter wird auf Deutschlands Autobahnen so schnell gefahren wie eh und je. © Sebastian Gollnow/dpa

Ein geringerer Verbrauch von Energie möglich, wie das Umweltbundesamt ausgerechnet hat. Zumindest auf den Autobahnen ist davon allerdings noch nichts zu spüren.

Viele Menschen treibt um, dass sie indirekt Putins Krieg unterstützen, wenn sie ihre Gas- oder Ölheizung aufdrehen oder Strom verbrauchen. Laut dem Statistischen Bundesamt überwies Deutschland im Januar, dem letzten Monat vor dem Überfall Russlands auf die Ukraine, drei Milliarden Euro für Energieimporte an Russland. Inzwischen dürfte es wegen gestiegener Preise deutlich mehr sein. Das Umweltbundesamt (UBA) hat nun vorgerechnet, wie viel Energie kurzfristig eingespart werden kann. Und ruft dazu auf, das aktiv zu tun.

UBA-Präsident Dirk Messner sagte: „Die beste Energie ist die, die gar nicht verbraucht wird“. Zudem werde Deutschland unabhängiger von Rohstofflieferungen aus Russland. Privathaushalte haben laut dem Amt vor allem drei Hebel, um zu sparen: die Heizung etwas runterdrehen, einen Sparduschkopf einbauen sowie weniger und vor allem langsamer mit dem Auto fahren.

Das Umweltamt schätzt, dass durch eine um zwei Grad niedrigere Raumtemperatur in allen deutschen Wohn- und Nichtwohngebäuden sowie durch den Einbau der Sparduschköpfe rund zehn Prozent des russischen Erdgases eingespart werden könnten.

Langsamer fahren

Die zwei Grad Minus senken den Verbrauch in Wohnungen danach um rund 21 Terawattstunden (TWh). Schließen sich auch Hotels, Gaststätten und andere Gewerbebetriebe an, bringt das laut UBA weitere zehn TWh. Das entspreche 7,5 Millionen Tonnen Treibhausgasen und drei Milliarden Euro Energiekosten, gerechnet mit zehn Cent pro Kilowattstunde Erdgas.

Ein Sparduschkopf wiederum senkt den Energieverbrauch fürs Duschen um rund 30 Prozent, weil weniger Wasser erwärmt werden muss. Nutzen das alle Deutsche, spart das rund 11,3 TWh Erdgas. Das entspricht, so das Amt, 2,6 Prozent der russischen Erdgasimporte und bedeutet etwa 2,8 Millionen Tonnen CO2 und 1,1 Milliarden Euro Energiekosten weniger.

Beim Autofahren lassen sich laut UBA rund 2,5 Milliarden Liter Sprit einsparen, wenn alle Fahrer:innen das Tempo auf Autobahnen auf maximal 100 und auf 80 auf Straßen außerorts drosseln. Das sind rund 4,5 Prozent des im Verkehrssektor verbrauchten Kraftstoffs und bedeutet eine um 4,2 Milliarden Euro niedrigeren Tankrechnung.

Eine aktuelle Auswertung der Datenanbieter Inrix und Tom-Tom für die Deutsche Presse-Agentur zeigt freilich, dass sich diese Erkenntnis bisher noch nicht durchgesetzt hat. Trotz der hohen Spritpreise von mehr als zwei Euro pro Liter ist das Temponiveau nicht gesunken. Vor allem auf Autobahnen, wo es sich am meisten lohnen würde, sei kein Rückgang festzustellen.

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