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Extinction Rebellion wird in Spanien vor allem kritisiert, sagt Daniel Seminario.

Klimaschutz in Spanien

Spanischer Aktivist: „Die Menschen wollen noch nicht zuhören“

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Der Extinction-Rebellion-Aktivist Daniel Seminario spricht über die Klimabewegung in Spanien und über Unterschiede zu Deutschland.

Die Klimakonferenz in Madrid zieht nicht nur Wissenschaftler, sondern auch Demonstranten an. Einer der Aktivisten ist Daniel Seminario aus dem Baskenland. Der Ingenieur hat seinen Job vorübergehend an den Nagel gehängt – auch um sich bei Fridays for Future und Extinction Rebellion zu engagieren.

Herr Seminario, heute soll in Madrid eine große Demo stattfinden: Mit Fridays for Future, den klassischen Umweltverbänden, Entwicklungsorganisationen, Extinction Rebellion. Was erhoffen Sie sich?

Wir wollen, dass die Staatenlenker bei den Verhandlungen wissen: Alle Augen sind auf sie gerichtet. Wenn sie die Klimakrise ernst nehmen, müssen sie handeln und die Treibhausgas-Emissionen müssen schon bis zum nächsten Jahr drastisch sinken. Wenn das nicht passiert, können sie sich darauf einrichten, dass die Proteste eskalieren.

Wie lange sind Sie schon in der Klimabewegung aktiv?

Ich bin seit drei Monaten Klimaaktivist. Davor war ich völlig ignorant. Ich wollte nicht wirklich zuhören, wenn es um die Klimakrise ging. Das Problem ist: Sich mit dem Klimawandel zu beschäftigen, ist niederschmetternd. Je mehr man das tut, desto schrecklichere Dinge erfährt man. Irgendwann habe ich das Problem im Kopf hin und her gewälzt – und bin dann zu Extinction Rebellion gegangen.

Wie wird die Bewegung in Spanien bewertet?

Daniel Seminario , 36, ist Ingenieur und engagiert sich in der spanischen Klimabewegung. 

Wir werden vor allem kritisiert. Momentan will sich die breite Öffentlichkeit nicht mit uns und der Klimakrise auseinandersetzen. Viele Medien stellen uns negativ dar, als Sekte, als gewalttätig und gefährlich. Aber das stimmt nicht. Viele von uns, auch ich, sind auch bei Fridays for Future und dort gibt es solche Presse nicht.

Oft hört man es anders herum: Aktivisten von Fridays for Future, die dann auch zivilen Ungehorsam praktizieren wollen.

Das normale Demonstrieren motiviert mich auch. Die Freitagsdemos sind ein Ort, an dem sich viele Teile der Bewegung treffen und verbinden können. Wir sind ja nicht lauter gegnerische Gruppen, sondern gehören alle zusammen. Wir kämpfen alle zusammen gegen das Monster, das die Klimakrise ist.

In Deutschland ist es zum großen Teil Fridays for Future zu verdanken, dass die Klimakrise in der politischen und medialen Debatte jetzt einen zentralen Platz einnimmt. Welchen Einfluss haben Sie hier in Spanien?

Fridays for Future wird nicht negativ gesehen, aber einen solchen Einfluss haben wir hier leider noch nicht. Die Menschen sind noch nicht an einem Punkt, an dem sie zuhören wollen.

Interview: Susanne Schwarz

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