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Spanien: Tourismus lindert die Schmerzen

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Von: Martin Dahms

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Die gesamtwirtschaftliche Lage ist in Spanien dank der Erholung des Tourismus ordentlich.
Die gesamtwirtschaftliche Lage ist in Spanien dank der Erholung des Tourismus ordentlich. © FR

In Spanien liegen die Strom- und Gaspreise auf Vorkrisenniveau. Und sonst?

Gute Nachrichten brauchen etwas länger, bis sie Allgemeingut werden. Die Strom- und Gaspreise liegen in Spanien seit ein paar Wochen auf Vorkrisenniveau, was hauptsächlich an milden Temperaturen und sich herbstlich erhebenden Winden liegt. Die Inflationsrate fiel im Oktober auf 7,3 Prozent im Jahresvergleich, einen der niedrigsten Werte der Europäischen Union. Und so kalt der Winter auch werden sollte: Versorgungsengpässe sind nicht absehbar, weil Spanien mit sechs (ab Januar sieben) Regasifizierungsanlagen ausgestattet ist.

Damit ist aber nicht alles gut. Über Monate hat die Energiepreiskrise auch in Spanien durchgeschlagen, vor allem während des Sommers, als die Klimaanlagen heißliefen. Mit einem Gaspreisdeckel für die Stromproduktion, mit staatlichen Tankrabatten, Subventionen für Zugfahrten und Energiesteuersenkungen hat die linke Sánchez-Regierung versucht, die Auswirkungen der Krise zu mildern. Das dürfte den Staat dieses Jahr etwa 19 Milliarden Euro kosten, was das Defizit der öffentlichen Haushalte – trotz Rekordeinnahmen – auf 4,6 Prozent des BIP bringen wird. Wobei ein Großteil der Hilfen bei den Gutverdienenden landet, wie der Unabhängige Fiskalrat (AIReF) berechnet hat: rund 1,8 Milliarden Euro bei den obersten zehn Prozent, rund 900 Millionen Euro bei den untersten zehn Prozent der Einkommensskala.

Die gesamtwirtschaftliche Lage ist dank der Erholung des Tourismus ordentlich; nach 5,5 Prozent im vergangenen Jahr dürfte das BIP in diesem Jahr laut AIReF um 4,4 Prozent und im kommenden Jahr um 1,5 Prozent wachsen, mit einer vorübergehenden Rezession zwischen diesem Oktober und kommendem März. Die Arbeitslosigkeit ist wie immer in Spanien hoch (zurzeit 12,7 Prozent); andererseits sind mit gut 20,5 Millionen so viele Menschen beschäftigt wie noch nie. Die Gewerkschaften wollen sehen, wie stark sie sind, und von den Unternehmern Lohnerhöhungen fordern, die mindestens die Inflation ausgleichen – wenn nicht sofort, dann im Laufe der kommenden drei Jahre. Martin Dahms

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