+
Eine Tafel: Anlaufstelle auch für Menschen, die mit ihrer schmalen Rente nicht auskommen.

Ruhestand mit 67 Jahren

Spätere Rente trifft die Schwächsten

  • schließen

Schrittweise wird die Rente mit 67 Jahren eingeführt. Auffallend: Menschen mit hohem Bildungsniveau passen sich besser an neue Altersgrenzen an.

Zwölf Jahre liegt sie nun zurück, die Entscheidung zur schrittweisen Einführung der Rente mit 67. „Wir haben die Verantwortung für morgen und für kommende Generationen, wir müssen handeln“, verteidigte der damalige Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) das Reformprojekt, das helfen sollte, um die Folgen des demografischen Wandels abzufedern. „Die heutigen Entscheidungen sind richtig. Es gibt keinen Grund, den Menschen in Deutschland Angst zu machen.“

Seitdem ist viel Zeit vergangen: Wer dieses Jahr neu in Rente geht, kann dies abschlagsfrei mit 65 Jahren und acht Monaten. Ab 2031 dann liegt die sogenannte Regelaltersgrenze bei 67 Jahren. Sie gilt für alle, die 1964 oder danach geboren sind. Wer die Altersgrenze nicht erreicht und dennoch Rente beantragt, muss hohe Abschläge in Kauf nehmen. Der Anspruch wird für jeden Monat des vorzeitigen Rentenbezugs um 0,3 Prozent.

Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung

Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung die bisherigen Erfahrungen mit der Einführung der Rente mit 67 unter die Lupe genommen. In ihrer Studie, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegt und an diesem Mittwoch veröffentlicht werden soll, ziehen sie mit Blick auf die kommenden Jahre weitreichende Schlüsse. Das alles steht in Zusammenhang mit der laufenden Debatte über die Zukunft der Alterssicherung, in der immer wieder auch die Forderung nach einer weiteren Anhebung der Altersgrenze laut wird. Auch in der von der Bundesregierung eingesetzten Rentenreform-Kommission wird über diese politisch heikle Frage beraten.

Lesen Sie auch: Mit 63 in Rente - das müssen Sie wissen 

Laut Bundesregierung gehen die Deutschen aktuell im Schnitt mit 64,1 Jahren in Rente. Zur Jahrtausendwende waren es noch 62,3 Jahre gewesen. Die DIW-Forscher kommen bei ihren Simulationen zu dem Ergebnis, dass das tatsächliche Renteneintrittsalter bis zum Jahr 2032 durchschnittlich um 1,2 bis 1,5 Jahre steigt – jede nach Entwicklung des Arbeitsmarkts für Ältere. Bei höher Gebildeten verschiebt sich der Renteneintritt demnach um 1,6 bis zwei Jahre. Bei Menschen mit geringer oder mittlerer Bildung wären es ein bis 1,4 Jahre.

Menschen mit geringer oder mittlerer Bildung sind laut Studie vor dem Renteneintritt häufiger erwerbslos und haben daher ein höheres Armutsrisiko im Alter. „Gerade für Menschen, die ohnehin auf dem Arbeitsmarkt schlecht dastehen, wird es schwierig sein, sich an die neuen Altersgrenzen anzupassen. Die spätere Rente trifft also die Schwächsten am härtesten“, sagte DIW-Rentenexperte Johannes Geyer. „Am besten können sich Menschen anpassen, die in stabilen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten, ein hohes Bildungsniveau haben und die sich guter Gesundheit erfreuen.“

Anteil Beschäftigten in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen ist auf 58 Prozent gestiegen

Tatsächlich hat sich der Arbeitsmarkt für Ältere in den vergangenen Jahren bereits deutlich verändert. Der Anteil der Beschäftigten in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen ist im vergangenen Jahr auf um zwei Prozentpunkte auf 58 Prozent gestiegen, heißt es im aktuellen Rentenversicherungsbericht der Regierung. Im Jahr 2000 hatte der Anteil der Älteren mit Job noch bei 20 Prozent gelegen. Die DIW-Forscher zeigen jedoch, dass der Anstieg vor allem auf einen längeren Verbleib im Beruf zurückgehe. Es sei nicht so, dass ältere Erwerbslose verstärkt wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen würden. Aktuell sind laut Studie rund 40 Prozent der Neurentner vorher erwerbslos gewesen.

Die DIW-Forscher warnen, dass „Menschen mit typischen Risikofaktoren wie geringere Bildung oder relativ schlechter Gesundheit sich weniger gut an die neuen Altersgrenzen anpassen können“. Eine Hilfe für sie könnten günstigere Bedingungen für einen gleitenden Übergang aus dem Erwerbsleben in die Rente sein. Dies zielt auf die sogenannte Flexirente, die es erlaubt, Einkommen aus Rente und Job zu kombinieren – in der Regel jedoch erst ab dem Alter 61. Dies sei „vermutlich zu spät“, so die Forscher. „Man sollte zudem wieder Zeiten der Langzeitarbeitslosigkeit in der Rente berücksichtigen“, so DIW-Abteilungsleiter Peter Haan.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare