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Alleinerziehende sind in Deutschland häufig von Armut betroffen.

Umverteilung

Soziale Gerechtigkeit bleibt ein frommer Wunsch

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13.7 Millionen Menschen im reichen Deutschland sind arm - ein Drittel von ihnen ist berufstätig. Wer sozialen Frieden will, muss allen gute Lebensbedingungen ermöglichen. Die Kolumne "Gastwirtschaft".

Ich verrate Ihnen, was zu Weihnachten auf meinem Wunschzettel stand. Ganz oben hatte ich „Umverteilung“ gesetzt – obwohl mir natürlich klar ist, dass das Christkind oder der Weihnachtsmann dafür wohl nicht zuständig sind. Trotzdem gefiel mir die Idee, unter dem Weihnachtsbaum ein Paket mit schöner Schleife vorzufinden, versehen mit den Worten: „Für soziale Gerechtigkeit. Von Ihrer Bundesregierung.“

Nehmen wir einen Versandhändler wie Amazon. Zur Weihnachtszeit hat dieses ohnehin milliardenschwere Unternehmen wieder ein paar Milliarden Euro mehr in der Kasse. Anders als der Händler um die Ecke versteuert Amazon seinen hier erzielten Gewinn zu einem sehr niedrigen Satz. Auf den Bahamas oder auf anderen schönen Inseln wurden für solche Firmen bequeme Steuerschlupflöcher geschaffen. Das ist nicht einmal Betrug, das ist bisher legal. Dem deutschen Fiskus entgeht so viel Geld.

Doch nicht nur amerikanische Versandriesen erwirtschaften recht unbehelligt ihre Gewinne. Große Unternehmen, Einkommensmillionäre oder reiche Erben müssen sich in Deutschland auch nicht vor dem Finanzamt fürchten.

Wie es dagegen in den „unteren Etagen“ der Gesellschaft aussieht, hat uns vor kurzem der Paritätische Wohlfahrtsverband mit seinem Armutsbericht vor Augen geführt. Demnach sind hierzulande 13,7 Millionen Menschen arm. Die große Stärke des diesjährigen Berichtes ist, dass er zeigt, wer die Armen sind. Das sind neben den sozialen Gruppen, deren Armut man kennt, etwa Alleinerziehende oder Arbeitslose, zum Beispiel auch Erwerbstätige. Ein Drittel der Armen in Deutschland arbeitet, jeder vierte arme Erwachsene ist in Rente.

Diese Verwerfungen sind die Folge davon, dass das Solidaritätsprinzip seit Jahren ausgehöhlt wird. Die Ursache dafür liegt in einer verfehlten Umverteilungspolitik, die Erwerbstätige überproportional steuerlich belastet und Armut mit sich bringt. Für den Sozialstaat ist diese Entwicklung Gift. Die Sozialausgaben steigen, weil die Löhne zu niedrig sind, die Renten nicht reichen und Familien die Miete nicht zahlen können. Mehr Umverteilung ist die vernünftige Lösung, Wohlstand muss für alle Menschen in einem reichen Land möglich sein. Wer sozialen Frieden will, der muss allen Menschen gute Lebensbedingungen ermöglichen.

Die Autorin ist Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland.

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