Finanzaufsicht

Sorge über Kreditvergabe

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Die Bafin warnt davor, dass Banken die Finanzstabilität gefährden könnten.

Alles in allem, so scheint es, ist Felix Hufeld ganz zufrieden. Der Finanzsektor sei heute „stabiler und widerstandsfähiger als vor Ausbruch der Subprime-Krise“, resümierte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) am Dienstag vor Journalisten in Frankfurt. Die Banken hielten heute mehr und besseres Eigenkapital vor und hätten sich ein ordentliches Liquiditätspolster zugelegt. Die wesentlichen Ziele der Finanzmarktreformen seien damit erreicht. „Vorläufig.“ Denn, so fügte Hufeld hinzu: „Regulatorischer Erfolg ist flüchtig.“

Tatsächlich sieht der Bafin-Präsident bereits wieder Risiken mit beträchtlichem Krisenpotenzial heraufziehen. „Wir machen uns große Sorgen um die Erosion der Kreditvergabestandards“, sagte Hufeld. Angesichts der Konjunktureintrübung könnten sich die Banken dazu verleiten lassen, zu großzügig Kredite zu vergeben.

Über dem Bankenmarkt weht vor allem in Deutschland seit einigen Jahren ein rauer Wind. Die anhaltend niedrigen Zinsen belasten die Geldhäuser. Hinzu kommen hohe Kosten für die Digitalisierung und neue Wettbewerber, die sogenannten Fintechs, die den alten Platzhirschen das Leben schwer machen. Und nun drücken auch noch Konjunktursorgen. Sowohl die Bundesregierung als auch die fünf führenden deutschen Wirtschaftsinstitute haben ihre Prognosen für das Wachstum im laufenden Jahr deutlich abgesenkt. Das führt dazu, dass Unternehmen sich mit Investitionen zurückhalten und weniger Kredite nachfragen.

„Es ist sehr viel Liquidität im Markt, bei einer gleichzeitig begrenzten Kreditvergabe“, erklärte Raimund Röseler, oberster Bankenaufseher der Bafin. „In einem solchen Umfeld könnte manche Bank den Anreiz verspüren, Kredite aggressiv und zu besonders guten Konditionen zu vergeben.“ Die Bafin habe daher die Sorge, dass die Institute ihre Anforderungen an die Bonität ihrer Kreditnehmer oder die Qualität ihrer Kreditsicherheiten aufweichen und zugleich keine ausreichende Risikovorsorge betreiben könnten.

Eine Analyse der Behörde hat zwar ergeben, dass sich das Volumen der Kreditausfälle infolge der guten Konjunktur seit 2014 mehr als halbiert hat. Seitdem, so Röseler habe sich das Volumen der neu gebildeten Risikovorsorge aber ebenfalls nahezu halbiert. Das in Verbindung mit einer zu laxen Kreditvergabe könne „eine Gefahr für die Finanzstabilität darstellen“, warnte der Bankenaufseher. Gemeinsam mit der Deutschen Bundesbank hat die Bafin daher eine Umfrage zu den Vergabestandards bei knapp 100 Instituten in Deutschland gestartet. Die Ergebnisse der Umfrage liegen allerdings noch nicht vor.

Große Sorge bereitet der Bafin auch die schlechte Profitabilität der Branche. „Das ist ein strukturelles Problem“, sagte Präsident Hufeld. Die Kosten der Institute seien einfach zu hoch und in den vergangenen Jahren „nicht um ein Jota gesunken“. Das wird vor allem deutlich, wenn man die Bilanzen der deutschen Geldhäuser mit der Konkurrenz aus dem Ausland vergleicht. Während dort die Milliarden sprudeln, müssen sich die hiesigen Geldhäuser mit mageren Gewinnen zufriedengeben. Besonders deutlich wird dies am Beispiel Commerzbank, die mit einer Aufwand-Ertrags-Quote von 80,3 Prozent kämpft. Das heißt, die Bank muss mehr als 80 Cent aufwenden um einen Euro zu verdienen. Zum Vergleich: Die spanische Banco Santander hat eine Quote von 47,4 Prozent, die in Deutschland aktive Targobank von 56 Prozent. Hufeld erwartet deshalb, dass auch nach dem Scheitern der Fusionsgespräche zwischen Deutscher Bank und Commerzbank das Thema Kostensenkung nicht von der Agenda verschwinden wird. „Davon können Sie mal ausgehen“, konstatierte er.

Doch Risiken hin oder her – die Bafin hat sich gewappnet. Anfang des Jahres hat sie eine Einheit gegründet, in der das gesammelte Krisen-Know-how der Behörde gebündelt ist und die sich nur mit Instituten beschäftigt, die einer besonders intensiven Aufsicht bedürfen. Wie viele das derzeit sind, sagt sie nicht. Stattdessen beruhigt Röseler: „Wir haben keine Intensivstation aufgebaut, weil wir glauben, den deutschen Banken gehe es schlecht. Aber wir wollen Vorsorge betreiben, solange die Konjunktur noch gut ist, um gerüstet zu sein, wenn es wirklich zu einem Abschwung kommt.“

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