In der Hülle des Sion stecken Solarzellen.
+
In der Hülle des Sion stecken Solarzellen.

E-Mobilität

Solarzellenauto: Bei Sono Motors rückt das Wunder näher

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    vonThomas Magenheim-Hörmann
    schließen

Ein Scheitern des deutschen Elektroauto-Pioniers schien nach einem Zerwürfnis mit seinen Investoren unvermeidlich. Nun hat Sono Motors neue Geldgeber gefunden. Es sind die alten – das schenkt den Gründern wieder Zuversicht

Jona Christians ist klar, dass etwas geschehen muss. „Mit diesem Momentum werden wir es nicht schaffen“, räumt der Mitgründer von Sono Motors mit Blick auf die laufende Crowdfunding-Kampagne für das geplante Solarzellenauto Sion ein. 50 Millionen Euro brauchen die Münchner Jungunternehmer bis 20. Januar, um damit weitermachen zu können. Bei rund 36 Millionen Euro stockt die Kampagne derzeit. Nun gewähren Sono-Altgesellschafter einen finanziellen Schluck aus der Pulle, der die Rettung bringen könnte. „Es geht um zehn Millionen Euro“, sagt Mitgründer Laurin Hahn. Die stecken die Beteiligungsfirma WiVenture und das deutsche Familien Office ELFH Holding nun zusätzlich in das Jungunternehmen.

Mit dieser Geldspritze kommt Sono knapp an die aktuell nötige Finanzierungssumme. „Das macht uns angespannt zuversichtlich“, beschreibt Christians die nun verbesserte Stimmungslage. Der mit Solarzellen bestückte und Carsharing-Funktion ausgestattete Sion war von Anfang an ein ehrgeiziges Unterfangen. Mit 25 500 Euro vergleichsweise billig und dem Anspruch einer nachhaltigen Produktion in Europa sollte ein Elektroauto entstehen, das sich während der Fahrt oder dem Parken unter freiem Himmel über Solarzellen in der Karosserie selbst lädt und Strom auch wieder in intelligente Netze einspeisen kann. Das klingt nach eierlegender Wollmilchsau.

Jona Christians, Mitgründer von Sono Motors, verschweigt nicht, dass die Investoren ein Risiko eingehen.  

Dann kam ein Zerwürfnis mit Investoren dazu. Die wollten als Gegenleistung für ihr Geld die Sono-Patente übereignet und das letzte Wort bei der Auswahl der Zulieferer haben. Hahn und Christians haben das als Verrat an ihrer Idee gesehen und getan, was sich wohl wenige Gründer in einer solchen Phase erlaubt hätten. Sie haben die Investoren vor die Tür gesetzt und im Internet eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, die sich an Sion-Vorbesteller und Visionäre wie sie selbst richtet. „Es war keine leichte Entscheidung“, räumt Christians ein.

Kommen die 50 Millionen Euro zusammen, können Serien-Prototypen gebaut und Anlagen für den geplanten Start der Serienproduktion im Herbst 2021 gekauft werden. Zur Serienproduktion in den ehemaligen Saab-Werken im schwedischen Trollhättan sind weitere 205 Millionen Euro nötig, räumen Hahn und Christians offen ein. Obwohl das gut das Vierfache der jetzigen Crowdfunding-Kampagne ist, halten sie letztere aber für die eigentliche Hürde.

Denn bis die gut 200 Millionen Euro Anschlussfinanzierung fällig werden, könne man CO2-Kredite versilbern, kalkuliert Hahn. Diese neue Handelsware entsteht bei reinen Elektroautoherstellern wie Sono, weil sie ausschließlich schadstofffrei fahrende Wagen bauen. Nachgefragt werden CO2-Kredite von traditionellen Herstellern, die mit ihrem Flottenverbrauch demnächst verschärfte Grenzwerte zu reißen drohen. Per Zukauf von CO2-Krediten entgehen sie Strafzahlungen. Allein über dieses Instrument könnte Sono einen dreistelligen Millionenbetrag einfahren. Darüber hinaus stehen Hahn und Christians für diese Phase der Finanzierung mit Banken in Gesprächen über traditionelle Kredite im Umfang von insgesamt 70 Millionen Euro.

Ein Erfolg der laufenden Crowdfunding-Kampagne werde auch neue Geldgeber anlocken, glauben die Firmengründer. „Je mehr wir vorweisen können, desto mehr Investoren öffnen sich“, sagt Hahn. Er kalkuliert bis Herbst 2021 zudem mit weiteren Vorbestellungen, die wie bei der jetzigen Crowdfunding-Kampagne ganz oder teilweise im Voraus bezahlt werden. Bei 11 600 Reservierungen steht der Sion aktuell. Bis zum Produktionsstart im Herbst 2021 soll diese Zahl noch verdoppelt werden.

Das Risiko für Sion-Käufer, die auf dem Weg der Vorausbezahlung zu Investoren mutieren, verschweigen Christians und Hahn nicht. Sollte zwar die Kampagne nicht aber die Anschlussfinanzierung erfolgreich sein, wären die 50 Millionen Euro verloren und Anleger stünden vor einen Totalverlust, räumen beide ein. „Es ist ein Risiko“, stellt Christians klar. Aber den Traum von einem in jeder Hinsicht nachhaltigen und umweltfreundlichen Auto wollen er und Mitstreiter Hahn nicht so leicht begraben.

„In Australien brennen die Buschfeuer, irgendwer muss doch was tun“, sagt Christians angesichts einer immer sichtbarer werdenden Erderwärmung im Habitus eines Klimaaktivisten. Mit dem Sion und damit verbundenen Mobilitätskonzept will er die Autoindustrie ein Stück nachhaltiger machen und gegen den Klimawandel anfahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare