Erneuerbare Energie

Sonnenstrom schaffte die Wende

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Global wächst die Solarenergie seit Jahren ungebrochen. Jetzt nimmt die Branche auch in Deutschland wieder gehörig an Fahrt auf.

Der deutsche Markt für Fotovoltaik (FV) steht vor einer positiven Überraschung. Dieses Jahr könnte es erstmals gelingen, das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel eines jährlichen Zubaus von 2,5 Gigawatt Sonnenstrom zu erreichen. Diese Prognose wagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft, Carsten Körnig, vor wenigen Tagen zum Auftakt der weltgrößten Solarmesse Intersolar in München. Nachdem die FV-Binnennachfrage schon 2017 um 15 Prozent auf neue Kapazitäten im Umfang von 1,8 Gigawatt gestiegen ist, zeichne sich für dieses Jahr eine Steigerung des Zubaus um bis zu 50 Prozent ab. Angesichts der Potenziale von Sonnenenergie sei das aber immer noch viel zu wenig. Körnig hält das Vierfache, also einen jährlichen Aufbau von zehn GW neuer FV-Kapazitäten für möglich und notwendig.

Verhindert werde das nur noch durch überholte politische Restriktionen, kritisiert der Solarlobbyist. Deshalb verfehle Deutschland auch seine Klimaziele für 2020 grandios. Der Markt dränge dagegen in eine andere Richtung. Seit 2006 sei der Preis für private FV-Dachanlagen um drei Viertel gefallen und eine weitere Halbierung der Solarstrompreise in den nächsten Jahren programmiert. Wenn demnächst noch Elektroautos in großem Stil dafür sorgen, dass der Strombedarf in Deutschland steigt, gebe es zudem neue Nachfrageschübe, die vor allem die Photovoltaik stemmen könne.

Eine durchschnittliche Photovoltaik-Dachanlage kann im Jahr beispielsweise so viel Strom erzeugen, wie ein Elektroauto für eine hierzulande durchschnittliche Fahrleistung von jährlich rund 14 000 Kilometern benötigt. Global könnten eine Milliarde Autos mit Solarstrom betrieben werden, sagt Körnig. In Deutschland gelte das für 40 bis 45 Millionen Elektrofahrzeuge.

Stimulierend für die Solarwirtschaft wirkt auch, dass die Preise für Batteriespeicher in einem ähnlichen Fall sind wie die von Solarmodulen und Solaranlagen. Binnen vier bis fünf Jahren haben sich die Speicherpreise halbiert, sagt Körnig. Neue FV-Anlagen werden heute deshalb überwiegend inklusive Speicher installiert. Bei Altanlagen war das nicht so. Die fallen aber ab 2020 nach und nach aus der 20-jährigen Vergütungslaufzeit des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG).

Weil Solarstrom vom Eigenheimdach mittlerweile aber bereits für gut zehn Cent zu ernten ist und das deutlich unter den Strompreisen großer Energieversorger liegt, haben Besitzer von FV-Dachanlagen den großen Anreiz, ihren Eigenverbrauch mittels Solarstromspeicher zu erhöhen, sagt Körnig. Er rechnet deshalb in Deutschland auch mit einem baldigen Trend zur Nachrüstung bestehender FV-Altanlagen durch Batteriespeicher, was deren Preise weiter sinken lassen dürfte.

Das Nachrüstpotenzial ist riesig. In diesen Tagen soll in Deutschland die Zahl von einer Million FV-Dachanlagen überschritten werden. Pro Kopf ist die installierte Stromleistung in Deutschland damit immer noch größer als in jedem anderen Land, obwohl Staaten wie China, Indien, die Türkei und selbst die von US-Präsident Donald Trump geführten USA Deutschland in punkto neu gebauter FV-Anlagen längst überholt haben. In dieser Hinsicht rangiert Deutschland international nur noch auf Rang sechs.

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