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EnBW will im brandenburgischen Weesow-Willmersorf eine Photovoltaik-Großanlage bauen. Die hier gezeigte steht in Mesolongi, Griechenland.

Erneuerbare Energie

Sonnenstrom immer billiger

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EnBW will den größten deutschen Solarpark bauen – und plant ohne Fördergeld. Das zeigt das Potenzial der Erneuerbaren. Unsere Analyse.

Solarstrom wird zum Billigmacher der Energiewende. Es ist eine Erfolgsgeschichte sondersgleichen, denn die Kosten für die Elektrizität aus der Sonne sind im rasanten Sinkflug. Zu Beginn der Ökostrom-Förderung per EEG im Jahr 2000 war der Strom aus der Photovoltaik – ursprünglich einmal für die Raumfahrt entwickelt – noch extrem teuer. Wer in eine solche Anlage investierte, bekam eine Vergütung von 99 Pfennig, als rund 50 Cent, pro ins Netz eingespeister Kilowattstunde zugesichert. Heute kann Solarstrom auch im normalerweise nicht sonnenverwöhnten Deutschland in großen Anlagen für gut fünf Cent produziert werden – und ist damit billiger als Elektrizität aus neuen Kohle- oder Erdgas-Kraftwerken.

Jüngstes Beispiel für diese Entwicklung ist die Photovoltaik-Großanlage, die der Karlsruher Stromkonzern EnBW im brandenburgischen Weesow-Willmersdorf bauen will. Der Solarpark – nach eigenen Angaben der dann größte bundesweit – soll Ökostrom so billig liefern, dass er ohne öffentliche Förderung auskommt. Der baden-württembergische Stromversorger plant Module mit insgesamt 175 Megawatt Spitzenleistung auf einem Areal von 164 Hektar. Die Anlage wird rechnerisch den Verbrauch von rund 50 000 Haushalten abdecken; die Investitionsentscheidung will der Konzern in diesem Jahr treffen.

EnBW verweist darauf, dass die Kosten für den Bau eines Solarparks in den vergangenen zehn Jahren um rund 90 Prozent gefallen seien. Die Photovoltaik sei inzwischen „kostenseitig mindestens auf Augenhöhe mit anderen Technologien“. Interessant ist, dass der mehrheitlich landeseigene Konzern auch als erstes Unternehmen bei der Offshore-Windkraft auf eine staatliche Förderung verzichten will. Vor zwei Jahren erhielt EnBW den Zuschlag für den Windpark „He Dreiht“ in der Nordsee, der 2025 ans Netz gehen soll.

Mit solchen Projekten treibt der Konzern, der früher 75 Prozent des Stroms aus Atomkraftwerken gewann, seinen Umbau weiter voran. Bis 2020, so das Ziel des Vorstandes, soll der operative Gewinn wieder so hoch sein wie vor dem Atomausstiegs-Beschluss nach Fukushima 2011 – mit Ökoenergien, Netzbetrieb und neuen Dienstleistungen.

Was etwa bei EnBW funktioniert, könnte auch volkswirtschaftlich aufgehen. Das legt zumindest eine Analyse des Analysehauses „Energy Brainpool“ im Auftrag des Grünstromanbieters Greenpeace Energy nahe. Danach könnte ein stärkerer Ausbau der zunehmend billigen Ökostrom-Kapazitäten über die bisherige Planung hinaus sowohl der Strompreis als auch die CO2-Emissionen spürbar senken – im Vergleich zum „Normalpfad“, der bis 2030 rund 65 Prozent Grünstrom vorsieht. Je mehr preiswerte Öko-Elektrizität ins Netz kommt desto seltener müssen die relativ teuren Erdgas-Kraftwerke die Lücke füllen, so das Hauptargument. Die vor allem von Industrieverbänden geäußerte Sorge, der geplante Kohleausstieg werde zu höheren Strompreisen führen, könnte damit zumindest teilweise entkräftet werden.

Greenpeace Energy hat übrigens auch eine sympathische Idee, wo die zusätzlichen Solar- und Windkraftwerke gebaut werden sollten – auf den Braunkohle-Tagebauflächen, die durch den Kohleausstieg frei werden. Am besten übrigens betrieben von Genossenschaften und Kommunen.

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