„The Ocean Clean Up“-	Gründer Boyan Slat mit seinem Produkt auf der Nase.
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„The Ocean Clean Up“- Gründer Boyan Slat mit seinem Produkt auf der Nase.

Recycling

Sonnenbrillen aus dem Müll der Meere

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Die „Plastikfischer“ stellen ihre Produkte aus altem Kunststoff her, den sie in den Ozeanen gesammelt haben, damit wollen sie ihr Projekt The Ocean Clean Up finanzieren.

Eine Sonnenbrille für 199 Euro. Das muss schon etwas Besonderes sein. Ist es in diesem Fall auch. Das Gestell der Brille besteht aus recyceltem Meeresplastik, das vom Projekt „The Ocean Cleanup“ des Niederländers Boyan Slat hergestellt wurde. Das eingenommene Geld soll helfen, die Ozean-Säuberungsaktion weiter zu finanzieren, die in vorigen Jahr freilich unter Anlaufschwierigkeiten zu leiden hatte.

The Ocean Cleanup will die gigantischen Müllstrudel beseitigen, die sich auf den Weltmeeren gesammelt haben. Mehrere Versuche mit den dafür konzipierten Fanganlagen im größten dieser Strudel – dem „Great Pacific Garbage Patch“ – scheiterten, bis Slats Truppe im Herbst 2019 dann den ersten Erfolg meldete. Das Aufsammeln von Altplastik aus dem Müllteppich klappte, aber nur mit kleineren Mengen.

Danach folgte der Testlauf für Schritt zwei des Projekts: Der Plastikmüll soll nach dem Konzept ja nicht verbrannt oder deponiert, sondern zum Rohstoff für neue Produkte werden. Boyans Unternehmen ließ ein Verfahren dafür entwickeln, das nun für die Sonnenbrillen-Produktion benutzt wurde.

Verfahren, um aus Altplastik Sekundärrohstoffe für neue Kunststoff-Produkte herzustellen, gibt es seit langem. Die Qualität hängt unter anderem von der Reinheit des Altmaterials ab. Das Altplastik aus dem Meer entpuppte sich jedoch als besonders schwierig. „Es war wirklich eine ziemliche Herausforderung, da das Material teils bereits seit Jahrzehnten da draußen war“, so Cleanup-Chef Slat. „Ein Großteil dieses Zeugs ist ziemlich spröde, ziemlich degradiert und sehr gemischt.“ Als man das Recycling 2019 angekündigt habe, sei unklar gewesen, ob es zu schaffen sei.

Die Brillen, entworfen vom US-Stardesigner Yves Béhar und in Italien gefertigt, bestehen vor allem aus Polyethylen, zum Beispiel alten Fischnetzen, die sich im „Fang“ fanden. Für anderes, schwieriger zu recycelndes Material sollen weitere Verfahren entwickelt werden.

Den Brillengestellen sieht man übrigens an, dass sie nicht aus frischem Kunststoff hergestellt sind. Das Material ist nicht ganz homogen und hat wellenförmige Strukturen. „Für mich ist das ein Vorteil, es erinnern einen daran, woher dieses Plastik kommt“ , meinte Slat.

Der Gewinn aus dem Brillenverkauf fließe komplett in die Projekte des gemeinnützigen Unternehmens, wird versprochen. The Ocean Cleanup, bisher vor allem aus Spenden und staatlichen Mitteln finanziert, braucht tatsächlich neues Geld. Der Testlauf 2019 zeigte: Die schwimmenden, U-förmigen Fangarme, die das Plastik sammeln sollen, sind noch nicht serienmäßig einsatzreif. Derzeit arbeiten die Ingenieure an einem neuen Design.

Außerdem hat The Ocean Cleanup Testläufe für ein weiteres Projekt gestartet, mit dem das Problem der Meeresvermüllung an der Wurzel gepackt werden soll: bei der Einleitung. Entwickelt wurde dafür ein Spezial-Katamaran mit Fangarmen – genannt „The Interceptor“ (Abfangjäger). Er soll auf den Flüssen eingesetzt werden, über die der Großteil des Plastiks in die Meere gelangt.

Die Cleanup-Sonnenbrillen sind übrigens so designt, dass man sie leicht auseinandernehmen kann – fürs Recycling.

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