+
Donald Trump trommelt für billiges Öl und fordert von den Saudis, den Ölhahn offen zu halten.

Donald Trump

Das Soja-Prinzip

  • schließen

Trumps Politik der Strafzölle und Drohungen soll den USA nutzen und Wähler beeindrucken. Doch sie könnte ihm auf die Füße fallen.

Mit der Wirtschaft geht US-Präsident Donald Trump auf seine Weise um. Mit Strafzöllen und Drohungen setzt er Märkte und Preise unter Druck. Beispiel Erdöl: Trump trommelt für billiges Öl, fordert von den Saudis, den Ölhahn offen zu halten – und weil Prinz Salman wegen des Khashoggi-Mordes kuscht und in den USA die Lager überlaufen, sinkt der Preis. Damit bedient Trump sein Wahlvolk, das gerne und viel Auto fährt. Und die eigene Ölindustrie kann auch mit einem Ölpreis von 50 Dollar je Fass gute Geschäfte machen. Das haben die letzten Jahre gezeigt.

Nach diesem Prinzip streitet Trump auch mit China. Zunächst wird gedroht, Stärke demonstriert und China vorgeführt, mit der Botschaft, der US-Wirtschaft zu helfen. Das gefällt seinen Wählern.

Damit die Zustimmung bleibt, wird Trump 2019 kompromissbereiter werden müssen. Der Grund: Soja. Die USA sind weltgrößter Produzent der Ölfrucht. Jede dritte Sojabohne auf der Welt keimt in US-Erde. Die Hälfte des US-Sojas geht in den Export, vor allem nach China.

Absatz von Soja eingebrochen

Seit Trump chinesische Exportprodukte mit Strafzöllen überzieht, ist der Absatz des Tofu-Rohstoffs eingebrochen. Wurden in der Vergangenheit Millionen von Tonnen über den Pazifik geschippert, gehen die Exporte nach China derzeit auf Null. Auch die Preise für die Ölfrucht sind so niedrig wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Das bringt die Landwirte in Probleme, von denen viele glühende Anhänger Trumps sind. Bisher stehen sie zu ihm, womöglich wegen seiner harten Linie, und womöglich auch, weil sie günstiger tanken können.

Noch hat der US-Präsident Zeit. Deshalb kann die US-Seite den bei der G20 ausgehandelten Waffenstillstand mit China in Zweifel ziehen. Und deshalb muss Trump auch im Frühjahr 2019 – nach den 90 Tagen, die beide Seiten zur Prüfung vereinbart haben – noch kein großes Entgegenkommen zeigen. Ab Herbst/Winter 2019 aber wird das anders. Dann ist die nächste Präsidentschaftswahl nur noch ein Jahr entfernt. Dann wird Trump mit China den Schulterschluss suchen, die Zölle aufheben oder einschränken müssen, wenn dem Sojaexport nichts mehr im Wege stehen soll. Der erhoffte Effekt: Mit der Entspannung steigen die Preise wieder an. Das spüren die US-Landwirte im Wahljahr im Geldbeutel – und bewundern ihren Präsidenten dafür, dass er es den Chinesen so richtig gezeigt, am Ende aber eine Lösung für sie gefunden hat.

Das Problem des Soja-Prinzips: Keiner weiß, ob es wirklich so kommt. Es setzt voraus, dass sich die Beteiligten wie Spielfiguren bewegen lassen. Derweil orientieren sich Chinas Konsumenten bereits um. Sojabohnen wachsen auch anderswo, etwa in Brasilien, das aktuell eine Rekordernte einfährt. Das Land holzt seit Jahren Regenwald ab, um die Plantagen zu erweitern. Bald wird es vom Rechtspopulisten Jair Bolsonaro regiert, dem die Wälder egal sind, und der die Sojaproduktion ausweiten will.

Die ökologischen Folgen mögen Trump nicht interessieren, doch für die USA besteht die Gefahr, dass sich nicht nur Chinesen sondern auch Kanadier, Japaner und Europäer von der größten Volkswirtschaft der Erde und der Politik der Strafzölle und Drohungen emanzipieren – und so auch der Sojaexport dauerhaft ausfällt. Dann könnte dem US-Präsidenten seine Handelspolitik buchstäblich im Halse stecken bleiben. Denn so viel Tofu wird er kaum alleine essen können.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare