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Das Fairphone gilt als Vorreiter in der Branche. Das Fairphone2 ist seit März 2019 ausverkauft.

Smartphone

Smart aber fair

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Was können Verbraucher tun, die mit gutem Gewissen ein Smartphone kaufen wollen?

Es ist ein extrem teures Wegwerfprodukt: Fast zwei Drittel der Bundesbürger besitzen ihr privat genutztes Smartphone laut einer Untersuchung des Branchenverbandes Bitkom erst seit maximal einem Jahr. Und jeder Zweite gibt an, sich jedes Jahr ein neues intelligentes Telefon zu kaufen. Dabei ist die Smartphone-Massenproduktion hochproblematisch. Für die Herstellung werden bis zu 30 verschiedene, seltene Metalle benötigt, die zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebaut werden.

Entsprechende Minen befinden sich vor allem in der Demokratischen Republik Kongo, wo jahrelang kriegerische Auseinandersetzungen mit dem Verkauf seltener Erden finanziert und Menschen zum Abbau in den Minen gezwungen wurden. Hinzu kommen hohe Umweltbelastungen. Inzwischen gibt es bei fast allen großen Firmen Bemühungen, die Produktion unter menschenwürdigeren Bedingungen zu gewährleisten. Doch die Einhaltung entsprechender Auflagen wird oft nicht ausreichend kontrolliert.

Faires Smartphone: Was hat sich beim Thema Rohstoffe verändert?

2014 erklärte der iPhone-Hersteller Apple, in Zukunft auf Rohstoffe zu verzichten, die in Konfliktregionen gefördert wurden. Ganz freiwillig war das nicht, sondern vielmehr die Umsetzung eines Gesetzes aus dem Jahr 2010. Der sogenannte Dodd-Frank-Act fordert von US-Unternehmen, die an der Börse gelistet sind, die Herkunft kritischer Rohstoffe nachzuweisen und sicherzustellen, dass sie nicht in Konfliktgebieten im Kongo gefördert werden. Ähnliches schreibt die sogenannte EU-Konfliktmineralien-Verordnung vor, die am 1. Januar 2020 in Kraft treten wird.

Wie der Dodd-Frank-Act bezieht sich die EU-Verordnung aber nur auf die vier als Konfliktmineralien eingestuften Rohstoffe Wolfram, Gold, Zinn und Tantal. Für alle anderen Rohstoffe gilt sie nicht. „Viele Unternehmen verlassen sich außerdem auf Industrieinitiativen bei denen sie Mitglied sind und damit auf Zertifizierungssysteme, die suggerieren, dass alles in Ordnung ist“, sagt Johanna Sydow, Expertin für Ressourcenpolitik und die IT-Branche bei der Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch. „Leider ist das längst nicht immer der Fall.“

Die EU-Konfliktmineralien-Verordnung hingegen wird direkt für Unternehmen gelten, die die fraglichen Mineralien und Metalle in die EU als Primärrohstoffe einführen, egal woher diese stammen. Was gewissensberuhigend klingt, beurteilt Johanna Sydow kritisch: „Zunächst gilt die Verordnung nur für vier von etwa 30 Rohstoffen, die in so einem Telefon stecken – Menschenrechtsverletzungen gibt es aber auch bei vielen anderen Mineralien. Bei diesen gilt bislang überhaupt keine Sorgfaltspflicht.“ Außerdem, gibt Sydow zu bedenken, sei der Rohstoffabbau nur ein Teil des Problems. Die Endfertigung der Geräte finde oft in Ländern statt, in denen besonders geringe Arbeitsrechtsstandards gelten.

Faires Smartphone: Gibt es eine fair produzierte Alternative zu iPhone und Co?

2013 wurde in den Niederlanden Fairphone gegründet. Das Unternehmen gilt als Vorreiter in der Branche. Seit seiner Gründung bemüht sich Fairphone um „konfliktfreien“ Bezug von Gold, Zinn, Tantal und Wolfram. Außerdem arbeitet das Unternehmen kontinuierlich daran, die Arbeitsbedingungen in den Minen und bei der Produktion zu verbessern. Die deutsche Alternative Shift gibt es seit 2014. Auf Tantal aus Konfliktgebieten verzichtet das Unternehmen nach eigenen Angaben komplett.

Beide Produzenten setzen auf die Langlebigkeit ihrer Smartphones. Die Nutzer können das Telefon im Zweifel selbst öffnen und Einzelteile austauschen ohne dass die Garantie erlischt. Shift hat außerdem ein Pfandsystem für seine Geräte eingeführt.

Der Preis für die alternativen Smartphones entspricht in etwa dem der anderen Geräte, obwohl sich die Verkaufszahlen erheblich unterscheiden. Fairphone verkaufte bislang rund 150 000 Smartphones, Shift mehrere tausend. Bei Apple und Samsung liegen die Verkaufszahlen pro Quartal im zweistelligen Millionenbereich. Von der Leistung her könnten die fair produzierten Telefone ebenfalls mit der herkömmlichen Konkurrenz mithalten, in Tests schneidet das Shift6m ein bisschen besser ab als das Fairphone2.

Letzteres ist seit März 2019 ausverkauft. Im Handel sind nur noch Restposten erhältlich. Ersatzteile können noch mindestens drei Jahre lang über die Website des Unternehmens bezogen werden. Wann eine neue Fairphone-Generation herauskommt, ist ungewiss. Ständig neue Modelle auf den Markt zu werfen, entspräche auch nicht der Philosophie des Unternehmens. Shift hat derzeit zwei Modelle im Angebot. Ab Ende 2019 gibt es eine neue Version, die vorbestellt werden kann.

Anfang des Jahres verglich Germanwatch je ein Smartphone-Modell der Marktführer Apple und Samsung mit denen von Fairphone und Shift. Vor allem im Bereich Umweltschutz und Arbeitsrechte kommen die alternativen Angebote deutlich besser weg. „Fairphone ist transparent“, sagt Johanna Sydow. „Das Unternehmen ist ehrlich, was die Schwierigkeiten angeht: Man kann ja auch nicht so tun, als wäre es einfach, ein faires Smartphone herzustellen – dafür ist die Produktion einfach zu komplex.“ Bei Shift legt man nach eigenen Angaben ebenfalls besonderen Wert auf einen fairen Umgang mit den Arbeitern und Arbeiterinnen in seiner Lieferkette. In Bezug auf die Transparenz sieht Germanwatch dort aber noch Nachholbedarf. Anfang Mai veröffentlichte Shift einen neuen Wirkungsbericht, in dem die Firma die Produktionsbedingungen offenlegt und neue Ziele im Bereich Nachhaltigkeit und Arbeitsschutz formuliert.

Second-Hand-Smartphones

Gebrauchte Smartphones sind die beste Alternative zu Neugeräten, denn jedes neu produzierte Telefon belastet die Umwelt und wurde unter Umständen unter Inkaufnahme von Menschenrechtsverletzungen hergestellt. Bei rebuy.de, backmarket.de und asgoodasnew.de kann man genutzte Smartphones in gutem Zustand und mit Garantieleistung kaufen.

Das Recycling von Smartphones ist aufwendig und teuer. „Natürlich ist es besser, das Telefon zum Recycling zu bringen, als es in den Restmüll zu schmeißen“, sagt Umweltexpertin Johanna Sydow von Germanwatch. „Einige der Rohstoffe kann man zurückgewinnen.“ Allerdings ist dieser Anteil noch sehr gering. Bei ecohandy.de kann man sein gebrauchtes Telefon verkaufen. Die Smartphones werden dann entweder repariert oder umweltgerecht recycelt.

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