Handwerk

Skeptischer Blick auf Meisterpflicht

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Die Bundesregierung erwartet, dass eine Wiedereinführung den Fachkräftemangel verstärken würde.

Die Wiedereinführung der Meisterpflicht könnte den Fachkräftemangel verschärfen. Das geht aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor.

Auf die Frage, ob die Wiedereinführung des Meistervorbehalts Auswirkungen auf den Fachkräftemangel hätte, schreibt die Bundesregierung: „Die Frage kann bejaht werden.“ Demnach ist der Fachkräftemangel in den zulassungspflichtigen Handwerksberufen größer ist als in den zulassungsfreien Berufen. Er sei „besonders stark bei den Kälteanlagenbauern, Installateuren und Heizungsbauern, Elektromaschinenbauern, Elektrotechnikern und Klempnern ausgeprägt“, heißt es in der Antwort. Und weiter: „Damit sind die A-Handwerke tendenziell stärker betroffen als die B-Handwerke“ – bei A-Handwerken handelt es sich um zulassungspflichtige, bei B-Handwerken um zulassungsfreie Gewerbe. Zuletzt waren aus dem Wirtschaftsflügel der Union sowie aus der AfD Forderungen nach einer Wiedereinführung der Meisterpflicht gekommen.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Claudia Müller sprach sich dagegen aus. „Pläne, für Berufe im Baubereich wieder die Meisterpflicht einzuführen, sind heutzutage völlig daneben: In Zeiten des Fachkräftemangels und des Baubooms ist es unsinnig, mit einer Meisterpflicht künstlich die Anzahl der Fachkräfte und Betriebe zu verringern“, sagte die Mittelstandsbeauftragte der Grünen. „Die Wiedereinführung der Meisterpflicht wäre kontraproduktiv, sie würde den Fachkräftemangel verschärfen“, betonte Müller.

Laut Bundesregierung zeichnet sich allerdings ein Trend zu freiwilligen Meisterprüfungen ab. Zwar habe es seit der Handwerksnovelle 2004 einen starken Rückgang gegeben. „Seit 2007 hat sich jedoch die Zahl der Meisterprüfungen stabilisiert (denkbare Gründe sind hierfür etwa Marketingkampagnen für die Meisterausbildung und die Erhöhung des sogenannten Aufstiegs-Bafög) und tendiert sogar leicht nach oben“, heißt es in der Antwort.

Den Vorwurf der schlechteren Qualität von Arbeiten im Bausektor durch die Abschaffung der Meisterpflicht weist das Bundeswirtschaftsministerium zurück: So stieg zwar die Anzahl der Gerichtsverfahren nach 2004 für drei Jahre stark an, jedoch sank sie seitdem wieder auf das vorherige Niveau zurück – trotz steigenden Bauvolumens. „Die Auswirkungen der Handwerksnovelle werden überschätzt“, so Grünen-Politikerin Müller. So seien die Ausbildungszahlen auch schon vor der Handwerksnovelle 2004 stark gesunken. „Die Betriebsgröße hat eine viel größere Auswirkung auf Ausbildungsplätze als die Meisterpflicht.“

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