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Erich Sixt, Vorstandschef des Autovermieters Sixt.

Autoverleih

Sixt startet mit App durch

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Das Mietgeschäft und Carsharing verschmelzen in einer App.

Die Stimmung ist eine Mischung aus bayerischem Bierzelt und hysterischem Rockkonzert. Als der große Motivator die Bühne einer Halle im Münchner Osten betritt, wird der Lärm ohrenbetäubend. Live on stage einer Veranstaltung, die sich Big Bang nennt und auch so anhört, steht glucksend und feixend Erich Sixt, Großaktionär und Patriarch des gleichnamigen Autovermieters. Der 74-Jährige hat eine Botschaft. „Liebe Wettbewerber, heute ist ein großer Tag für Sixt und ein schlechter Tag für euch.“ Das 2500-köpfige Publikum, größtenteils Sixt-Mitarbeiter nebst Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, grölt begeistert. Wer ist schon Uber? Wer sind BMW und Daimler? Es ist der Mittelständler Sixt, der nun über die erste komplett integrierte Mobilitätsplattform der Welt verfügt.

Nüchterner Fakt ist, dass Deutschlands größter und weltweit profitabelster Autovermieter ins Geschäft mit Carsharing und Fahrdiensten einsteigt. Zum Carsharing kommen die Münchner genauer gesagt zurück, nachdem der nun mit Daimler in diesem Zukunftsgeschäft kooperierende Partner BMW Sixt aus der ehemals gemeinsamen Carsharing-Tochter Drive Now herausgekauft hat. Das jetzt neu aus der Taufe gehobene Angebot Sixt Share ist zum Start auf Berlin beschränkt, was sich aber rasant ändern soll.

Im kommenden Quartal werde das neue Sixt-Carsharing in weiteren drei deutschen Großstädten angeboten und ab Ende des Jahres auch in ersten europäischen Städten, sagt Firmenjunior Alexander Sixt. Mittelfristig ist ein Ausrollen an mindestens 500 Standorten in Deutschland und gut 2200 Standorten weltweit geplant. Kosten werde das so gut wie nichts, jubelt Vater Erich. Denn man könne per einfacher Nachrüstung die 240 000 Fahrzeuge umfassende Mietwagenflotte Carsharing-fähig machen und bestehende Mietwagenbuchungssysteme nutzen. Derzeit würden täglich Hunderte Mietwagen entsprechend nachgerüstet. Anders als bestehende Carsharing-Anbieter sei Sixt damit auch in mittleren und kleinen Städten flächendeckend präsent.

Beim Anbieten von Fahrdiensten wiederum ist dem für seine aggressive Werbung bekannten Unternehmen ein Coup gelungen. Für dieses unter Sixt Ride firmierende Geschäft wurden zum sofortigen Start weltweit gut 1500 Partner in 250 Großstädten ins Boot geholt, unter denen der US-Fahrtenvermittler Lyft als Konkurrent des bekannteren Pioniers Uber hervorsticht und auch das deutsche Taxigewerbe als Partner ein strategischer Schachzug ist. Aus dem Stand hat Sixt Zugriff auf mehr als eine Million Fahrer.

Digital verknüpft sind Mietgeschäft, Fahrdienste und Carsharing ab sofort über eine einzige App, die Sixt selbst entwickelt hat. Über sie kann global gebucht und bargeldlos bezahlt werden. An einer solchen App arbeiten die Carsharing-Partner BMW und Daimler erst noch, merkt Sixt senior bissig an. Überhaupt sei die neue Sixt-App die erste weltweit, die Kunden über alle Mobilitätsvarianten hinweg vernetzt. Sixt One nennen die Münchner ihre Plattform, die offen für andere Mobilitätsdienstleister oder Autobauer sei.

Auch falls Autobauer das ausschlagen, komme man zurecht, heißt es. Schließlich seien die eigenen 20 Millionen Vermietkunden ein Pfund, mit dem man beim Carsharing und Fahrdiensten wuchern könne. Beim Carsharing tritt Sixt zudem mit Kampfpreisen ab 19 Cent je Kilometer an. Marktüblich sind 30 Cent. Während Daimler und BMW nur ihre eigenen Marken böten, verfüge Sixt über mehr als 400 Modelle von 20 Autobauern. „Wir stellen Autos hin, andere stellen Autos her“, äzt Alexander Sixt. Die Welt werde besser, wenn weniger Menschen ein eigenes Auto hätten, merkt er angesichts von global sieben Milliarden Staustunden jährlich noch an.

Aus einer Hand

Sixt will alles aus einer Hand anbieten. So kann ein Carsharing-Auto während der Fahrt zum Mietwagen werden. Mietbar sind die Pkw fließend von wenigen Minuten bis zu 27 Tagen.

Übersteigt der Minuten- den Tagespreis, wechselt die Software automatisch in den günstigeren Tarif. Carsharing-Autos können überall in einem Stadtgebiet abgestellt oder bei Fahrten in andere Städte auch in dortigen Sixt-Stationen abgegeben werden. Künftig sollen auch Parkplätze von Hotels oder Supermärkten digital zu solchen Stationen werden. (tma)

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