Mietwagen

Sixt reduziert Flotte im Premiumsegment

Der Autovermieter zieht trotz verältnismäßig guter Lage auch Kurzarbeit und Zwangsurlaub in Erwägung.

Wer sein Geschäft vor allem mit Touristen und Geschäftsreisenden macht, stürzt derzeit in Existenznöte. Gemessen daran steuert Europas führender Autovermieter Sixt mit fast schon dezenten Hiobsbotschaften in die Corona-Krise. Verluste soll auch 2020 trotz Pandemie nicht bringen, nachdem 2019 noch mit Rekordwerten abgeschlossen werden konnte, ließ Firmenchef Erich Sixt in München mitteilen. Staatshilfen will das Unternehmen anders als etwa Reisekonzern TUI zumindest auf Sicht nicht beantragen. Ungemütlich wird es dagegen für das Personal und automobile Premiumhersteller als Sixt-Großkunden. Die Anzahl der 270 000 Autos, die Sixt derzeit global im Einsatz hat, will der Konzern kurzfristig deutlich verkleinern.

Zum Umfang hält sich Sixt noch bedeckt. Bei einer vertraglichen fixierten Haltedauer von in der Regel sechs Monaten könne man die Flotte und damit den für das Geschäft größten Kostenfaktor notfalls innerhalb eines Jahres auf null reduzieren, sagte eine Sprecherin. Komplett einstellen wird Sixt den Betrieb aber nicht, weil der Konzern vorerst noch anders von der Corona-Pandemie sogar profitiert.

„In Zeiten von Corona schätzen viele Kunden die Möglichkeit individueller Mobilität“, erklärt Firmenpatriarch Erich Sixt. Darauf reagiere sein Konzern mit Ausweitung von Langzeitmieten und Auto-Abomodellen. Zudem werde die konzerneigene Carsharingflotte in Berlin, München und Hamburg um 1000 Fahrzeuge aufgestockt. Gemessen an der Größe der Mietwagenflotte ist das aber ein überschaubarer Effekt. Zudem ist auch dem Unternehmen klar, dass die Nachfragebelebung durch Großstädter, die nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln zu ihrem Arbeitsplatz oder zum Einkaufen wollen, bald wieder verebben könnte. Wenn Geschäfte demnächst bundesweit reihenweise schließen und Beschäftigte in Zwangsurlaub müssen, dürfte das auch den virengeschützen Individualverkehr ausdünnen.

Schon jetzt trifft das Coronavirus auch das weltweit rund 7500 Beschäftigte umfassende Sixt-Personal. Man werde auch bei den Personalkosten „in erheblichem Umfang“ einsparen, kündigte das Unternehmen an. Eine Sprecherin ließ dabei offen, ob Sixt primär an Zwangsurlaub oder Kurzarbeit denke. Entlassungen seien das letzte Mittel. Dem Vernehmen nach plant Sixt vor allem Kurzarbeit in unklarem Umfang. So könnte man das Geschäft auch schnell wieder nach oben fahren, sobald die Corona-Krise überwunden ist.

Problem für Autobauer

Weiteren Druck entfacht Sixt auf die ohnehin stark von der Pandemie getroffene Autoindustrie. Der Konzern ist Großabnehmer deutscher Premiumhersteller von BMW über Mercedes bis Audi und will nun auf die Investitionsbremse treten. Neue Wagen wird Sixt kaum noch bestellen und bestehende Verträge vielfach auslaufen lassen.

Nötig ist das, weil das Sixt-Vermietgeschäft an Flughäfen durch das Ausbleiben von Reisenden zum Erliegen kommt. „Sixt hat dank hoher Eigenkapitalquote und gesicherter, breiter Finanzierungsbasis eine sehr solide Position, um den Auswirkungen der Krise zu trotzen“, beruhigt Firmenchef Sixt. Gleichwohl rechnet er 2020 mit einem starken Umsatzrückgang nach den knapp drei Milliarden Euro Rekorderlös im Vorjahr. Das war ein Plus von gut 13 Prozent. Auch das Vorsteuerergebnis werde einbrechen, aber positiv bleiben, kündigt Sixt an. In die Röhre schauen die Sixt-Aktionäre, deren größter Erich Sixt selbst ist. Die Dividende für 2019 wird gestrichen. Nur Vorzugsaktionäre erhalten ein Minimum von fünf Cent je Aktie. (dpa)

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