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Sixt plant Carsharing 2.0

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Das Unternehmen will Carsharing und Autovermietung verschmelzen. Das soll Vorteile gegenüber der Konkurrenz schaffen.

Zurückhaltung war noch nie ein Markenzeichen des Autovermieters Sixt. Nach dem Verkauf seiner Anteile an der mit BMW betriebenen Carsharing-Firma Drive Now steht der börsennotierte Familienkonzern aus Pullach bei München aber nun seit Monaten ohne eigenes Carsharing-Angebot da. Das soll sich 2019 und wohl recht Sixt-typisch ändern. „Wir werden die Konkurrenz überraschen“, kündigte Firmenpatriarch Erich Sixt zur Vorlage eines Zwischenberichts an. Bestehende Carsharing-Firmen wie Drive Now, das gerade eine Verschmelzung mit Car2Go , der Carsharing-Tochter des Daimler-Konzerns probt, schrecken ihn nicht.

„Das sind keine richtigen Konkurrenten“, meinte der 74-Jährige. Details für das eigene Carsharing-Konzept will er erst 2019 präsentieren, machte aber deutlich, wohin die Reise geht. „Wir digitalisieren das Unternehmen“, erklärte er. Das heißt, dass derzeit an sieben Test-Flughäfen Sixt-Autos ohne Besuch an einem Schalter gemietet werden können. Dabei weist eine Sixt-App den Weg zum Fahrzeug, das per Handy geöffnet werden kann. „Der Schlüssel liegt im Handschuhfach, sie können gleich losfahren“, erklärte Sixt das Konzept.

„Der Unterschied zwischen Carsharing und Autovermietung wird verschwinden“, stellte er klar. Für das eigene Unternehmen bedeute das enorme Synergievorteile gegenüber reinen Carsharing-Anbietern. Wenn alle Sixt-Vermietfahrzeuge per digitaler Aufrüstung carsharing-fähig werden, steigt die Auslastung, was für die Profitabilität in der Branche entscheidend ist. In puncto Gewinnmarge wähnt sich Sixt schon heute als Weltmarktführer, weshalb der Unternehmer für moderne Mobilitätsunternehmen wie den US-Fahrtenvermittler Uber nur Spott übrig hat.

Er habe gar nicht glauben können, dass die eine Milliarde Dollar Quartalsverlust die der US-Konzern soeben gemeldet hat, nicht auf ein ganzes Jahr sondern nur drei Monate bezogen ist, lästerte Sixt. Er selbst betreibe Gewinnmaximierung, was in den ersten neun Monaten 2018 recht überzeugend gelungen ist. Fast eine halbe Milliarde Euro haben die Pullacher bis Ende September eingefahren. Selbst wenn man die knapp 200 Millionen Euro abzieht, die durch den Verkauf der Drive Now-Anteile entstanden sind, liegen die Gewinne nach neun Monaten 2018 bereits über denen des Gesamtjahres 2017. Seit 2010 sind die Pullacher ununterbrochen auf Rekordfahrt und wollen das durch ein neues Mobilitätskonzept noch beschleunigen.

„Carsharing ist nur ein modernes Wort für Auto vermieten“, sagt Sixt und vertraut auf eigene strategische Vorteile. Carsharing in seiner heutigen Form ist auf relativ wenige Metropolen beschränkt, weil es nur dort genug Kunden auf relativ kleinem Raum gibt. Sixt aber verfügt über tausende Vermietstationen in 20 Ländern. Wird die gesamte Sixt-Vermietflotte digital aufgerüstet und carsharing-fähig, können die Bayern Carsharing auch in kleineren Städten anbieten, die Rivalen verschlossen bleiben. 

Auch ein Größenvergleich ist vielsagend. So kommen Daimler und BMW als deutsche Carsharing-Marktführer in ihren Flotten zusammen und weltweit auf 20.000 Autos. Allein die Sixt-Vermietflotte in Deutschland ist mit 52.000 Fahrzeugen zweieinhalb Mal so groß. Dazu bietet Sixt auch neue Mobilitätsdienste wie einen Limousinenservice oder MyDriver, was in direkter Konkurrenz zu Uber steht.

Den Schlüssel zum Erfolg sieht Sixt in Mobilitätsdiensten aus einer Hand. Hierzulande ist man mit über einem Drittel Marktanteil unangefochtener Marktführer bei der Autovermietung und europaweit nicht weit davon entfernt. Das US-Geschäft wächst rasant. Gelingt es, diese Position durch überschaubaren digitalen Aufwand auf Carsharing zu übertragen, sind die lauten Töne von Sixt nicht übertrieben. 

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