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Wolken über einem Feld in Pakistan: Das Land will wegen ökonomischer Schwierigkeiten den IWF um eine Finanzspritze bitten.

Konjunktur

"Es sind Wolken aufgezogen"

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Der internationale Währungsfonds reduziert seine Wachstumserwartungen für die Weltwirtschaft. Die Konjunktur werde durch die Handelskonflikte belastet, so die Experten. Eine Reihe von Schwellenländern ist in Schwierigkeiten.

Das Ambiente ist perfekt, die Indonesier haben das weltgrößte Treffen der internationalen Finanzszene hervorragend organisiert. Doch zum Auftakt der zahlreichen Konferenzen während der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank drückte IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld am Dienstag die Stimmung. Denn der Fonds kappt seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft für 2018 und 2019. 

Die Hauptgründe dafür sind die von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelskonflikte, vor allem der Streit zwischen den USA und China, und die Schwierigkeiten etlicher Schwellenländer infolge des Anstiegs der US-Zinsen und des erstarkenden Dollar. 

Kapitalströme umgelenkt

Im Juli noch hatte der IWF für 2018 und 2019 ein Wachstum von 3,9 Prozent vorhergesagt. In dem von Obstfeld traditionell kurz vor Beginn der Jahrestagung vorgelegten Wirtschaftsausblick – dem World Economic Outlook – wird die Prognose für beide Jahre auf 3,7 Prozent reduziert.

„Es sind Wolken aufgezogen“, sagte Obstfeld am Dienstag auf der Ferieninsel Bali. Er machte dafür auch die Abschwächung und Probleme in Europa mit Blick unter anderem auf Italien und den Brexit verantwortlich. Auch für die USA und China kappte der Fonds die Prognose. In den USA soll das Wachstum von 2,7 auf 2,5 Prozent sinken, in China von 6,4 auf 6,2 Prozent. In Europa erwartet der IWF 2018 nur noch ein Plus von zwei Prozent nach bislang 2,2 Prozent. Für Deutschland wird die Prognose für 2018 von bislang 2,2 auf 1,9 Prozent reduziert, für 2019 von 2,1 ebenfalls auf 1,9 Prozent. Im Vergleich zur Vorhersage von April bedeutet dies für 2018 sogar eine Einbuße von 0,6 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt würde damit um 20 Milliarden Euro niedriger ausfallen als erwartet. Bedingt sei dies vor allem durch einen Rückgang der Aufträge für die Industrie und ein geringeres Handelsvolumen.

Im Mittelpunkt der Jahresversammlung stehen allein schon wegen des Tagungsortes auch die Schwellenländer. Sie werden derzeit vor allem durch die steigenden Zinsen in den USA und den stärkeren Dollar getroffen. Dies schwächt die jeweiligen Währungen und verteuert damit die Bedienung der auf Dollar lautenden Schulden. Zugleich führt es zu Kapitalabflüssen, was wiederum notwendige Investitionen in die Infrastruktur erschwert. Besonders belastet werden derzeit Argentinien, die Türkei, Südafrika, Brasilien und auch Indonesien, wo die Landeswährung Rupiah im Vergleich zum Dollar deutlich an Wert verloren hat. 

Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch hatte vor ihrer Reise nach Indonesien ebenfalls auf die höheren Risiken für das gleichwohl noch robuste Wachstum verwiesen. Es bestehe zudem die Gefahr, dass die Risiken unterschätzt würden. Sie warnt davor, vollzogene Reformen im Finanzsektor aufzuweichen oder gar zurückzunehmen. Vor allem der Privatsektor müsse für ausreichende Puffer sorgen. „Öffentliche Mittel können immer nur eine zweite Verteidigungslinie sein“, sagt Buch. Gleichwohl aber sei der IWF finanziell „komfortabel“ ausgestattet und steht damit für den Krisenfall bereit. Kurz vor der Tagung hatte der Fonds Argentinien mit 57 Milliarden Dollar den bislang höchsten Beistandskredit überhaupt gewährt.

IWF-Chefökonom Obstfeld sieht allerdings keine neue Schwellenländerkrise. Die Staaten seien heute viel widerstandsfähiger als noch in der Vergangenheit. Und nicht in allen Ländern läuft es nach Angaben des IWF-Chefökonoms schlechter. Er verwies auf einige Länder Lateinamerikas und auch Afrikas, in denen sich die Wirtschaft gut entwickele. „Wir sehen derzeit ein sehr gemischtes Bild.“

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