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Der Tiefseehafen Yangshan in Schanghai. Auch hier könnten einige der P&R-Container zu finden sein.

Investmentfirma P&R

Wo sind die Container?

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Die Staatsanwaltschaft München nimmt die Investmentfirma P&R unter die Lupe: Wie es scheint, fehlt ein Teil der Anlageobjekte.

Bei der Anlegerpleite mit Schiffscontainern um die Investmentfirma P&R hat die Staatsanwaltschaft München 1 Vorermittlungen aufgenommen. „Wir prüfen seit kurzem insolvenzrechtliche aber auch umfassendere Tatbestände“, erklärte eine Justizsprecherin. Zu Details wollte sie nichts sagen. Im Raum stehen mittlerweile aber Betrugsvorwürfe. Wann klar ist, ob eine formelle Ermittlung eingeleitet wird, kann die Justiz mit Blick auf die Komplexität der Materie und die Fülle zu sichtender Daten derzeit nicht abschätzen. Experten haben indessen Hinweise, dass es ein Sechstel der angeblich an Anleger verkauften 1,2 Millionen Container nicht mehr gibt oder nie gegeben hat.

P&R ist eine Investmentfirma im Münchner Nobelvorort Grünwald, die über Jahrzehnte hinweg Anlegern im großen Stil Schiffscontainer verkauft und diese für Reedereien zurückgemietet hat. Dabei wurden hohe Renditen versprochen. Im März mussten dann drei Grünwalder Firmen der P&R-Gruppe Insolvenz anmelden. Vor kurzem kam ein viertes Unternehmen dazu, was die Zahl der Betroffenen auf 54 000 Anleger gesteigert hat. Insgesamt stehen damit 3,5 Milliarden Euro im Feuer. Der Fall droht eine der größten Deutschlands zu werden.

Dabei könnte mehr als normales Anlegerrisiko im Spiel gewesen sein. Die beiden vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Jaffe und Philip Heinke haben jüngst schon festgestellt, dass in den Jahren 2016 und 2017 von P&R Container verkauft wurden, um zugesagte Zahlungen an Anleger finanzieren zu können, was auf aus dem Ruder gelaufene Geschäfte deutet. Nun hat Finanzanalyst Stefan Loipfinger einen noch schlimmeren Verdacht. Er glaubt mittels Bilanzanalyse von P+R belegen zu können, dass die Firma 2015 mindestens 100 000 Schiffscontainer, die sie hätte kaufen müssen, niemals erworben hat.

„Es bleibt eine eklatante Lücke von mehreren hundert Millionen Euro, nicht alle Anleger, die 2015 einen neuen Container bezahlten, haben auch einen neuen Container erhalten“, sagt Loipfinger. Die Höhe der Differenz spreche für weit über 100 000 Standardboxen, die allein in diesem Jahr fehlen. Für 2016 vermutet Loipfinger eine Lücke in mindestens gleicher Höhe, kann das aber wegen immer noch nicht vorliegender P&R-Bilanzen aus diesen Jahren noch nicht nachweisen. Offen sei zudem, wie die Lage 2017 und in den Jahren vor 2015 gewesen ist.

Die vorläufigen Insolvenzverwalter wollen diese Berechnungen vorerst nicht kommentieren und erst nächste Woche einen neuen Sachstand mitteilen. „Das ist fundiert“, bestätigt dagegen ein Insider die Berechnungen Loipfingers. Es handle sich um „ganz schwerwiegende Dinge“, sagt ein Dritter. „Der naheliegende Vorwurf eines Schneeballsystems bekommt zusätzliche Nahrung, wenn nicht so viele Container da waren wie tatsächlich an Investoren verkauft wurden“, stellt Loipfinger klar.

Noch wissen Jaffe und Heinke nicht, wie viele Schiffscontainer sie in die Insolvenzmasse nehmen können. Die Daten dazu liegen bei einer bislang nicht insolventen Firma des P&R-Universums im schweizerischen Zug, auf die die Insolvenzverwalter rechtlich keinen Zugriff haben. Sie sind auf freiwillige Zulieferungen von dort angewiesen. Entscheidend ist am Ende, wie viele Container es in den Büchern gibt und ob sie Anlegern zugeordnet werden können. Die haben zwar bei P&R keine Anteile an einem Fonds gekauft sondern einzelne Container. Über 90 Prozent aller Investoren haben aber keinen Eigentumsnachweis für gekaufte Container erhalten.

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