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Zu selbstbewusst für Siemens? Personalchefin Janina Kugel.  

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Siemens-Personalchefin Janina Kugel: Der Pop-Star geht

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Es gibt nicht gerade viele Frauen in den Vorständen der Dax-Konzerne. Bei Siemens hat Janina Kugel trotzt guter Bilanz keine Zukunft.

Als die gebürtige Stuttgarterin Janina Kugel 2015 in den von jeher männlich dominierten Vorstand des Münchner Siemens-Konzerns berufen wurde, galt sie als Hoffnungsträgerin. In den Folgejahren konnte die mit modernen Kommunikationstechniken vertraute Siemens-Personalchefin das bestätigen. Den massiven Konzernumbau und herbe Jobverluste in Krisensparten wie dem Kraftwerksgeschäft hat sie so leise wie nur möglich gemanagt. Dennoch sind ihre Tage bei Siemens nun wohl gezählt. Ihr Vertrag wird nicht verlängert, heißt es in München. Kommt es so, wäre die US-Amerikanerin Lisa Davis die einzige Frau im Vorstand.

Frauen haben es in der absoluten Siemens-Spitze nicht leicht, obwohl die Zusammensetzung speziell des Vorstands immer wieder einmal als zu weiß, deutsch und männlich kritisiert wird. Gerade erst ist die 47-jährige Mariel von Schumann als Stabschefin von Konzernboss Joe Kaeser gegangen. Sie hat einmal als Kandidatin für den Vorstand gegolten. Kugel-Vorgängerin Brigitte Ederer musste nach einem verlorenen Machtkampf den Hut nehmen. Sie hatte sich mit der bei Siemens traditionell starken Gewerkschaft IG Metall angelegt. Mit der konnte Kugel gut. Ihr Schicksal im Traditionskonzern wurde dem Vernehmen nach eher durch das Verhältnis zu Konzernchef Joe Kaeser und anderen – männlichen – Vorstandskollegen besiegelt.

Die 49-Jährige, die an den Universitäten Mainz und Verona Volkswirtschaft studiert hat, darf man als selbstbewusste Vertreterin eines modernen Managerinnentyps verstehen. Problematisch wurde das bisweilen bei öffentlichen Auftritten, wenn Kaeser neben ihr gesessen ist. Wer mit dem Siemens-Boss zusammen auftritt, hat in der Regel nicht viel Redezeit. Raum für eine eigene Meinung oder gar Widerspruch ist da noch weniger. Kaeser gilt als Alpha-Tier. Auch männliche Vorstände haben das in den letzten Jahren schon zu spüren bekommen und mussten gehen.

Schwierig soll das Verhältnis von Kugel aber zuletzt immer mehr auch zu anderen Vorstandskollegen gewesen sein. Wirklich unglücklich soll Kugel über ihr Ausscheiden dem Vernehmen nach nicht sein. „Ich bin nicht zart besaitet“, sagt die Managerin über sich selbst. Robustheit hat die bisweilen als Popstar von Siemens titulierte Managerin schon im Kindergartenalter lernen müssen, als sie von anderen Kindern wegen ihrer Hautfarbe als „Negerlein“ verhöhnt worden ist.

Mit ihr verliert Siemens auf alle Fälle mehr als eine bloße Vorzeigefrau. Die Mutter von Zwillingen hat sich mit ihrer Art und ihren Erfolgen in schwierigen Zeiten über die Industrie hinaus eine gewisse Prominenz erarbeitet. Die wortgewandte Managerin ist in den letzten Jahren zu so etwas wie dem weiblichen Gesicht des Konzerns geworden. Sie steht auch für ein offeneres und weniger hierarchisches Managen. Deshalb sagt ihr Abgang auch etwas über die Managementkultur bei den Münchnern aus.

Macht hätte Kugel aber auch so eingebüßt. Siemens wird immer mehr zu einer Holding mit eigenständigen Töchtern. Für eine Personalchefin im Vorstand gibt es da immer weniger zu tun.

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