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Für Familien gibt es 2019 einige Neuerungen.

Rente, Steuern, Miete, Konsum

Was sich 2019 ändert

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  • Rasmus Buchsteiner
    Rasmus Buchsteiner
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Mehr Geld für Rentner, höherer Grundfreibetrag für Steuerzahler, besserer Schutz vor Kostensprüngen bei der Miete, mehr Kindergeld: Was sich 2019 alles ändert.

Die große Koalition will 2019 zwei große Rentenprojekte auf den Weg bringen. Langjährige Geringverdiener sollen eine „Respekt-Rente“ erhalten und damit in jedem Fall zehn Prozent mehr haben als Bezieher der staatlichen Grundsicherung. Außerdem wollen Union und SPD Selbstständige ins System der Alterssicherung einbeziehen. Doch das ist Zukunftsmusik. Zu Jahresbeginn greifen erst einmal andere wichtige Änderungen. Ein Überblick:

Mütterrente: Wer vor 1992 geborene Kinder betreut und erzogen hat, bekommt ein halbes Erziehungsjahr zusätzlich bei der Rente anerkannt. Konkret bedeutet das: pro Kind um 16,02 Euro mehr im Westen, 15,35 Euro mehr im Osten. Bei der Auszahlung der Mütterrente wird es zu Verzögerungen kommen – jedenfalls bei denjenigen, die bereits in Rente sind. Sie erhalten ihr zusätzliches Geld voraussichtlich erst ab dem Frühjahr, bekommen aber eine Nachzahlung.
Erwerbsminderungsrente: Die Bezüge krankheitsbedingter Frührentner werden künftig so berechnet, als hätten sie nach Eintritt ihrer Erwerbsminderung bis zur Altersgrenze so weitergearbeitet wie zuvor. Von den Verbesserungen profitieren nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums jährlich mehr als 170 000 Neurentner mit Erwerbsminderung. Wer bereits krankheitsbedingt vorzeitig in Rente gegangen ist, hat jedoch nichts von den Änderungen, die nun in Kraft treten.

Niveau und Beitragssatz: Das Rentenniveau – also das Verhältnis der Rente eines Durchschnittsverdieners nach 45 Beitragsjahren zum mittleren Lohn – wird zunächst einmal eingefroren. Gesetzlich ist nun festgelegt, dass der Wert bis 2025 nicht unter das heutige Niveau von 48 Prozent sinken darf. Für den Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung, der aktuell 18,6 Prozent beträgt, gilt ab sofort bis 2025 eine Obergrenze von 20 Prozent. Reichen die Mittel also nicht, um die Rentenausgaben zu finanzieren, wird zusätzliches Geld aus dem Bundeshaushalt benötigt.

Rentenerhöhung: Für 2019 wird ein Rentenplus von 3,18 Prozent in Westdeutschland sowie von 3,91 Prozent in Ostdeutschland erwartet. Eine monatliche Rente von 1000 Euro, die nur auf Westbeiträgen beruht, würde sich demnach um 31,80 Euro erhöhen, eine gleich hohe Rente mit Ostbeiträgen um 39,10 Euro. Endgültig festgelegt wird die Rentenerhöhung, die ab Juli 2019 greift, erst im Frühjahr, wenn die Daten zur Lohnentwicklung 2018 vorliegen.

Änderungen für Verbraucher

Mieter: Sie sollen besser vor Kostensprüngen geschützt werden. So darf die Miete nach Modernisierungen künftig binnen sechs Jahren nur noch um maximal drei Euro pro Quadratmeter steigen, in bestimmten Fällen nur um zwei Euro. Von den Kosten können statt elf Prozent noch acht auf die Mieter umgelegt werden. Zudem müssen Vermieter neuen Mietern offenlegen, was der vorherige Mieter gezahlt hat.

Kita-Eltern und -Kinder: Deutschlands Kitas sollen besser und für Geringverdiener kostenlos werden. Von 2019 bis 2022 sollen dafür 5,5 Milliarden Euro vom Bund an die Länder fließen. Im neuen Jahr sollen es zunächst 500 Millionen Euro sein. Mit dem Geld können zum Beispiel längere Öffnungszeiten oder zusätzliche Erzieher für Kindergärten und Kindertagesstätten finanziert werden.

Konsumenten: Ab sofort sind Supermärkte verpflichtet, am Regal gut sichtbar zu kennzeichnen, wo Einweg- und wo Mehrwegflaschen stehen. Das soll den Kunden helfen, sich bewusster zu entscheiden. Außerdem wird die Pfandpflicht ausgeweitet auf Einwegverpackungen von Frucht- und Gemüsenektaren mit Kohlensäure – etwa Apfelschorlen aus Nektar – und von Mischgetränken mit Molkeanteil von mehr als 50 Prozent. Für sie werden künftig 25 Cent Pfand fällig.

Änderungen für Steuerzahler

Nach mehrjähriger Pause gibt es 2019 wieder einmal eine kräftige Steuersenkung. Durch das „Familienentlastungsgesetz“ werden die Steuerzahler schrittweise um rund zehn Milliarden Euro entlastet. Das Gesetz sieht einen Mix aus einer Erhöhung des Kindergelds und Änderungen am Tarifverlauf der Einkommenssteuer vor. Die Änderungen im Detail:

Kindergeld: Diese Familienleistung steigt ab 1. Juli 2019 im Monat um zehn auf 204 Euro für das erste und zweite Kind. Beim dritten Kind zahlt der Staat künftig 210 Euro anstelle von derzeit 200 Euro monatlich. Für jedes weitere Kind gibt es 235 Euro Kindergeld. Bisher waren es 225 Euro.

Kinderfreibetrag: Parallel zum Kindergeld steigt der steuerliche Freibetrag für Kinder. Er wird zum 1. Januar 2019 um 192 auf 7620 Euro und zum 1. Januar 2020 um weitere 192 Euro auf dann 7812 Euro angehoben. Kindergeld und Kinderfreibetrag hängen eng zusammen: Zunächst erhalten alle Eltern unabhängig vom Einkommen das Kindergeld. Beim Jahressteuerbescheid prüft dann aber das Finanzamt, ob das Kindergeld oder der Kinderfreibetrag günstiger ist.

Grundfreibetrag: Der Betrag, auf den grundsätzlich keine Steuern gezahlt werden müssen, steigt zum 1. Januar 2019 um 168 Euro auf 9168 Euro. Zum 1. Januar 2020 folgt der nächste Schritt: Der Grundfreibetrag wird um 240 Euro auf dann 9408 Euro angehoben.

Kalte Progression: Damit Lohnsteigerungen, die sich im Rahmen der Inflationsrate bewegen, nicht zu höheren Steuern führen, wird die gesamte Tarifkurve der Einkommenssteuer zusätzlich nach rechts verschoben: zum 1. Januar 2019 um 1,84 Prozent und ein Jahr später um weitere 1,95 Prozent. Praktisch bedeutet das beispielsweise, dass der Spitzensteuersatz von 42 Prozent, der bisher ab 54.950 Euro galt, 2019 erst ab 55.961 Euro und 2020 erst ab 57.052 Euro greift.

Beispiele: Eine Familie mit zwei Kindern und einem Gesamteinkommen von 60.000 Euro zahlt nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums 2019 insgesamt 251 Euro und 2020 weitere 279 Euro weniger Steuern. Eine Familie mit ebenfalls zwei Kindern und einem Familieneinkommen von 120.000 Euro muss im neuen Jahr 380 Euro weniger ans Finanzamt zahlen. 2020 sinkt der Betrag dann um weitere 407 Euro. (mit dpa)

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