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Kino-Mitarbeiter wollen ein Endspiel für ihren Mindestlohn.

Cinemaxx

Showdown im Kino

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Pünktlich zur Premiere des neuen Hollywood-Blockbusters „Avengers: Endgame“ treten die Beschäftigten der Kinokette Cinemaxx in den Streik. Sie fordern mehr Lohn.

So lange Schlangen an der Snack-Ausgabe hat Thomas Hendrik Adick im Bremer Cinemaxx noch nie gesehen. Und der 44-Jährige arbeitet immerhin bereits seit mehr als 20 Jahren im größten Kino der Hansestadt. Zur Mitternachtsvorstellung des neuen Films „Avengers: Endgame“ hat er extra seinen Urlaub unterbrochen – aber nicht, um spontan einzuspringen. Im Gegenteil: Adick hat quasi dafür gesorgt, dass die eingefleischten Fans der Action-Saga so ungewöhnlich lange auf ihr Popcorn warten mussten, bevor sie denletzten Kampf der Marvel-Helden genießen konnten. Pünktlich zur „Avengers“-Premiere in der Nacht auf Mittwoch hat Adick seine Kollegenschaft zum Streiken animiert – und die Cinemaxx-Angestellten in Oldenburg, Hannover und Offenbach zogen mit.

„Die meisten Besucher hatten Verständnis“, sagt Adick im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Im ersten Jahr bekommen Servicekräfte bei Cinemaxx 9,19 Euro. Das entspricht dem gesetzlichen Mindestlohn. Für den Bremer Streikleiter passt das nicht zu dem Image, das Cinemaxx so gerne pflege: „Cinemaxx will die Nummer eins unter den Kinobetreibern sein. Aber eine Nummer eins, die nicht mehr als den Mindestlohn zahlt – das passt für mich nicht zusammen.“

Und auch nicht für die Gewerkschaft Verdi, die den zuletzt ausgehandelten Tarifvertrag im Sommer vergangenen Jahres mit der Absicht gekündigt hat, einen besseren auszuhandeln. Seither gab es fünf Verhandlungsrunden, doch „die Gespräche stocken“, sagt Verdi-Verhandler Holm-Andreas Sieradzki der FR. Die Gewerkschaft fordert 9,50 Euro als Einstiegsgehalt.

Streit um Einstiegsgehalt für Servicemanager

Die Lage ist verzwickt: Cinemaxx will in seinen deutschlandweit 30 Häusern eine neue Berufsgruppe etablieren. Neben den üblichen Servicekräften soll es künftig auch sogenannte Servicemanager geben, die der jeweilige Theaterleiter je nach anfallendem Bedarf beliebig einsetzen kann – an der Kasse, am Einlass oder an der Snack-Ausgabe. Vier Kinos testen das Berufsprofil derzeit – mit Erfolg, sagt eine Cinemaxx-Sprecherin auf Anfrage: „Unsere Mitarbeiter wollen so arbeiten! Dies ergab eine Umfrage im Rahmen des Pilotprojekts. Mehr als 70 Prozent der befragten Mitarbeiter haben dafür gestimmt.“

Thomas Hendrik Adick sieht das neue Berufsprofil jedoch kritisch. „Da, wo’s brennt, soll schnell gearbeitet werden“, sagt der langjährige Cinemaxx-Mitarbeiter. „Davon halte ich überhaupt nichts.“ Die Sprecherin formuliert es lieber so: „Ist viel an der Kartenkasse, aber wenig an der Gastronomie-Theke los, kann entsprechend untereinander unterstützt werden. Aktuell sind zwischen den Aufgabenbereichen Wechsel kaum möglich.“

Dafür wüssten die Servicekräfte aber, was bei der jeweils zugeteilten Schicht auf sie zukomme, sagt Verdi-Verhandler Sieradzki. Das neue Berufsprofil bedeute zwangsläufig eine Arbeitsverdichtung, die – sollten Servicemanager tatsächlich flächendeckend in den Kinos etabliert werden – entsprechend vergütet werden müsse. 10,50 Euro fordert Verdi als Einstiegsgehalt für Servicemanager. Cinemaxx will dagegen nur 9,35 Euro zahlen – also gerade einmal 16 Cent mehr als der Mindestlohn, den Servicekräfte offenbar auch weiterhin als Einstiegsgehalt bekommen sollen.

Cinemaxx argumentiert mit „angespanntem Kinomarkt“

„Völlig unzureichend“, sagt Sieradzki. „Die Beschäftigten in den Kinos erhalten Niedriglöhne, die weit davon entfernt sind, armutsfest zu sein, und brauchen eine deutliche Anhebung der Einkommen.“ Cinemaxx argumentiert dagegen mit dem „angespannten Kinomarkt“. Die Besucherzahlen lägen in den ersten Monaten des laufenden Geschäftsjahres unter denen aus dem Vorjahr. Eine Gehaltssteigerung, wie sie Verdi vorschwebt, wäre nur „über massive Personalkosteneinsparungen zu finanzieren.“

Nächsten Dienstag gehen die Tarifverhandlungen in die sechste Runde. Für den gestrigen Mittwochabend, dem bundesweiten Kinostart von „Avengers“, hat Verdi erneut zum Streik aufgerufen. Die Gewerkschaft geht sogar davon aus, dass in vielen Cinemaxx-Häusern auch noch am Wochenende gestreikt wird. Kino-Besucher müssen sich laut der Cinemaxx-Sprecherin aber nicht sorgen: „Um einen reibungsfreien Kinobetrieb zu gewährleisten, helfen auch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus anderen Kinos, sowie Familie und Freunde aus.“

So war das schon in der Nacht zum Mittwoch: In den bestreikten Cinemaxx-Häusern bekamen die extern angeheuerten Aushilfen dem Vernehmen nach sogar einen Stundenlohn von über zwölf Euro. Laut Thomas Hendrik Adick hat das Methode. Umso weniger wird er es sich nehmen lassen, auch künftig für bessere Gehälter seine Arbeit niederzulegen. Urlaub hin oder her.

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