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Spieglein, Spieglein... wann sind die Preise am günstigsten?

Onlinehandel

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Wer im Netz einkauft, wird mit starken Preisdifferenzen konfrontiert. Verbraucherschützer haben nun den Mechanismus durchleuchtet

Wer oft online kauft, wird dabei bisweilen von einem bösen Verdacht beschlichen. „Viele Verbraucher haben den Eindruck, dass Preise je nach Wohnort und verwendetem Endgerät unterschiedlich sind“, sagt Verbraucherschützerin Ulrike Bodenstein. Deshalb hat das Marktwächterteam Digitale Welt, dem die Brandenburgerin angehört, den Verdacht überprüft. Sie betrieben an drei Standorten – München, Berlin und Marburg – und mit fünf unterschiedlichen Endgeräten vergleichende Preisrecherche. Untersucht wurden die Preise von 1554 Artikeln – darunter Spielwaren, Elektronik und Kosmetik – auf 16 Onlineplattformen und bei über 2000 Händlern des Amazon-Marktplatzes zu verschiedenen Zeitpunkten zwischen Januar und September 2018. Das Ergebnis wirkt auf den ersten Blick beruhigend.

„Für die untersuchten Bereiche können wir weitgehend Entwarnung geben“, sagt Bodenstein. Hätten sich die Befürchtungen bewahrheitet, wären die Preise für einen Interessenten aus München, der über ein Apple-Gerät shoppt, am höchsten gewesen und für einen Berliner mit Billighandy am niedrigsten. 

Liegt’s am Standort?

Das für die Verbraucherschützer überraschende Ergebnis: Die wenigsten Onlinehändler wenden eine orts- oder gerätspezifische Preisdifferenzierung an. Nur in zwei Fällen konnte so etwas nachgewiesen werden. So hätten beim Autoteilehändler ATU acht Prozent der Preise variiert. Wer sich Ende Juni aus Marburg auf die Internetseite begab, konnte Motoröl für knapp 40 Euro online kaufen. Von Online-Käufern aus Berlin und München wurden rund 65 Euro verlangt. Mehr als die Hälfte aller online angebotenen Waren haben beim Baumarkt Obi in den überprüften Zeiträumen nach Wohnort variiert. Ein systematischer Preisvorteil konnte aber dabei für keinen Standort nachgewiesen werden. „Mal profitiert der Eine, mal der Andere.“.

Dennoch ist ihre Analyse aus Verbrauchersicht alles andere als entwarnend. Denn bei den Tests wurden in einem Zeitraum von 20 Minuten bei Spielwaren in 61 Prozent aller Fälle je nach verwendetem Endgerät unterschiedliche Preise festgestellt. Ob das wirklich mit den Endgeräten oder einer anderen Praxis zu tun hat, können die Tester aber nicht sagen. Preise im Internet ändern sich rasant, teils mehrmals täglich. „Es ist kaum mehr zu unterscheiden, ob es sich um hoch dynamische oder individualisierte Preisdifferenzierungen handelt“, lautet das resignierende Fazit der Verbraucherzentralen.

In einer Vorgängerstudie wurden zeitliche Preisänderungen im Detail untersucht. Bei ATU shoppt man etwa am Vormittag teurer als am Nachmittag. Versandapotheken ändern die Preise verschiedener Produkte zeitgleich in unterschiedliche Richtungen. Bis zu 32 Preisänderungen bei einem einzelnen Produkt binnen 34 Tagen haben die Tester belegt. Preise wurden in einem Drittel der Fälle mehr als verdoppelt.

Verbraucherschützer verweisen auf technische Möglichkeiten, die dahinter stecken können. So wirbt der Hersteller einer auf künstlicher Intelligenz basierenden Bepreisungssoftware damit, feststellen zu können, wann ein Onlinekunde kurz davor steht, den Bestellvorgang abzubrechen. Dann wird in Sekundenschnelle ein Rabatt oder Versandkostenfreiheit gewährt, um Wankelmütige auf der Seite zu halten. In solchen Fällen hätte nicht Standort oder Endgerät einen Einfluss auf den Preis, wohl aber das ausgespähte Surfverhalten.

„Die aktuellen Ergebnisse sind ein neuer Beleg für die schwere Vergleichbarkeit von Preisen für Verbraucher im Internet“, findet die Leiterin des Brandenburger Marktwächterteams Digitale Welt, Kirsti Dautzenberg. Für Onlinekunden gebe es keinen verlässlichen Preis mehr. Wenn Standort, Surfverhalten oder Endgerät Einfluss auf einen Preis hat, müsse ein surfender Verbraucher das erfahren, fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband.

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