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Alexa, die ?Wanze im Wohnzimmer?, sorgt für Umsatz.

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Shopping im Netz boomt

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Branchenverband HDE: Fast die Hälfte der Zuwächse kommen aus dem Internet.

Der deutsche Einzelhandel hat 2017 fast 513 Milliarden Euro umgesetzt und damit das Vorjahresergebnis um 4,1 Prozent übertroffen. Preisbereinigt blieb ein Plus von 2,6 Prozent. Nach Angaben des Handelsverbands HDE verbuchten die 300 000 Einzelhandelsunternehmen nunmehr zum achten Mal in Folge steigende Erlöse. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg um 32 000, während die der Minijobber um 12 000 zurückging. Insgesamt arbeiten laut HDE mehr als drei Millionen Menschen im Einzelhandel.

Maßgeblich für das kräftige Wachstum seien steigende Erwerbstätigkeit sowie zunehmende Reallöhne, sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser am Mittwoch. Für 2018 erwartet der Verband allerdings ein Abflachen der Handelskonjunktur: Bei einer Teuerungsrate von 1,7 Prozent rechnet der HDE mit einem nominalen Umsatzplus von nur mehr zwei Prozent.

Dabei spielt der Onlinehandel eine tragende Rolle. 2018 dürften die Handelsumsätze im Internet erneut um zehn Prozent zulegen und damit etwa 50 Prozent zum Umsatzwachstum beitragen. In der Folge wächst auch der Onlineanteil am Gesamtumsatz. Besonders deutlich wird das im Langzeitvergleich: 2005 setzte der Einzelhandel 430 Milliarden Euro um, wovon 6,4 Milliarden oder knapp 1,5 Prozent auf den Onlinehandel entfielen. 2018 soll der Gesamtumsatz 523 Milliarden Euro erreichen, bei einem Onlineanteil von 53,4 Milliarden Euro oder 10,2 Prozent. Besonders hohe Wachstumsraten im Internet verbuchten Lebensmittel und andere Supermarkt-Waren (plus 20,9 Prozent) sowie Heimwerken/Garten (14,4) und Wohnen/Einrichtung (11,6).

Davon profitieren auch viele herkömmliche Handelsunternehmen, die ihre Waren auf eigenen Onlineseiten vertreiben. Eine zunehmend dominante Rolle spielt zugleich Amazon. Das US-Unternehmen steht als Handelsplattform für fremde wie eigene Produkte laut HDE mittlerweile für 40 Prozent des gesamten Onlineumsatzes in Deutschland. Dabei fungiere der Sprachassistent Alexa als Daten sammelnde eine „Wanze im Wohnzimmer“, die „sehr übergriffig in die Privatsphäre der Verbraucher“ eindringe und im Widerspruch zu den strengen deutschen Datenschutzregeln stehe, die hiesige Unternehmen einzuhalten hätten, sagte HDE-Chef Sanktjohanser.

Demgegenüber drohten kleine stationäre Händler, die nicht über die notwendigen Investitionsmittel für die Digitalisierung ihrer Geschäfte verfügten, den Anschluss zu verlieren: „Die Schere zwischen Groß und Klein geht immer weiter auseinander.“ Gleiches gelte für ländliche Räume ohne Anschluss an leistungsfähige Datenübertragungskabel.

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