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Kerosintanker des Ölkonzerns auf dem Düsseldorfer Flughafen.
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Kerosintanker des Ölkonzerns auf dem Düsseldorfer Flughafen. Das Unternehmen muss seiner Verantwortung für das Klima auf Anordnung eines Gerichts jetzt früher als geplant gerecht werden. (Archivbild)

Klima

Shell-Urteil: Schneeballeffekt für Klimaschutz

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Der Ölkonzern Shell geht nach dem Klima-Urteil von Den Haag in Berufung. Unterdessen geraten auch Exxon Mobil und Chevron unter Druck.

Der Ölkonzern Shell will gegen das Klima-Urteil des Den Haager Bezirksgerichts in Berufung gehen. Das kündigte das Unternehmen an, das wirtschaftliche Einbußen befürchtet. Es sprach von einer „enttäuschenden Entscheidung“. Der Konzern investiere bereits „Milliarden Dollar in kohlenstoffarme Energie, einschließlich der Aufladung von Elektrofahrzeugen, Wasserstoff, erneuerbare Energien und Biokraftstoffe“. Ziel sei „null CO2- Ausstoß bis 2050“.

Das Gericht hatte den Energiemulti dazu verurteilt, seinen Treibhausgas-Ausstoß deutlich schneller zu senken als von ihm geplant. Die absolute Menge der Emissionen muss bis 2030 um 45 Prozent sinken, um konform mit den Anforderungen des Pariser Weltklimavertrages zu sein. Das Ziel gilt laut dem Gericht auch für Shell-Tochtergesellschaften ebenso wir für Zulieferer und Endkunden. Vor allem letzteres ist einschneidend. Der Multi hatte bisher von sich gewiesen, auch für die Emissionen rechtlich verantwortlich zu sein, die etwa Autonutzerinnen und -nutzer beim Fahren verursachen.

Shell-Urteil: Konzerne in der Pflicht

Das Gericht wies die Argumentation des Konzerns zurück, der davon gewarnt hatte, dass andere Anbieter in die Lücke springen würden, wenn Shell Produktion und Verkauf von Sprit, Heizöl und Erdgas schnell herunterfahren müsste. Auch andere Konzerne hätten dieselbe Verpflichtung, sich am Paris-Vertrag zu orientieren. Nicht nur Regierungen, sondern auch Unternehmen stünden in der Verantwortung, den Klimawandel zu bekämpfen, sagte Richterin Larisa Alwin. Die von Shell bisher geplanten Maßnahmen seien „wenig konkret und voller Vorbehalte“, kritisierte sie.

Klimaschützer:innen sehen das Urteil als „weltweit wichtiges Signal“, wie Donald Pols, Direktor der klagenden Umweltorganisation Urgenda sagte. Das Gericht habe ein Signal für andere „Großverschmutzer“ gegeben. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg nannte das Urteil einen „sehr interessanten Start, der eine Schneeball-Effekt haben könnte“. Der deutsche Umweltverband BUND sieht dadurch bereits eine Zeitenwende. „Das fossile Zeitalter neigt sich dem Ende entgegen“, so sein Vorsitzender Olaf Bandt.

Lob für Shell-Urteil

Der Grünen-Fraktionsvize im Bundestag, Oliver Krischer, lobte, das Verursacherprinzip bei der Klimakrise sei jetzt erstmals strikt angewandt worden. Es müsse nun aber darum gehen, dass es neben Shell „auch auf andere ähnliche Konzerne ausgedehnt wird“. Diese „Transformationsaufgabe“ müsse europäisch geregelt werden.

Erst vorige Woche hatte die Internationale Energieagentur (IEA) eine solche Transformation gefordert. In einem Bericht forderte sie, die Erschließung neuer Erdöl-, Erdgas- und Kohlefelder sofort zu stoppen. Das gilt als wichtiges Signal. Die IEA, gegründet vom Industrieländerklub OECD nach der Ölkrise von 1973, befürwortete traditionell eine Ausweitung der fossilen Versorgung und unterschätzte den Ausbau der erneuerbaren Energien lange.

Ölkonzerne müssen reagieren nach Shell-Urteil

Anwalt Roger Cox, der die Kläger in dem Den Haager Prozess vertrat, erwartet, dass Fondsmanager:innen und Wirtschaftsprüfer:innen sich gezwungen sähen, die gesamte fossile Branche kritischer einzuschätzen. Ein für Shell negatives Urteil werde das „Risikoprofil von Ölkonzernen verändern“, hatte er vor dem Prozess gesagt.

Unter Druck kamen auch die beiden US-Ölkonzerne Exxon Mobil und Chevron. Aktionär:innen forderten von ihnen, mehr für den Klimaschutz zu tun: In den Exxon-Verwaltungsrat wurden auch Mitglieder der Aktivistengruppe „Engine No.1“ gewählt. Diese fordert von dem Konzern einen Rückgang bei Öl und Gas zugunsten von Öko-Energien. Die Aktionär:innen erwarten zudem einen Bericht vom Konzern darüber, ob die Lobbyarbeit im Einklang mit Paris steht. Exxon Mobil hatte in der Vergangenheit immer wieder die Notwendigkeit betont, weiter in Öl und Gas zu investieren.

Bei der Hauptversammlung von Chevron stimmten 61 Prozent der Investoren für einen von Aktivist:innen ausgearbeiteten Entwurf, der den Konzern zur Reduzierung der CO2-Emissionen seiner Produkte auffordert.

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