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Win-win-Situaion: Vor der Schlachtung gerettete Legehennen erfreuen auf Zeit Stadtkinder.

Tiere mieten

Rent a Tier

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Die Sharing Economy entdeckt ein neues Geschäftsfeld: Immer mehr Anbieter vermieten Hühner, Schafe und selbst Bienen. Zielgruppe sind dabei nicht nur junge Familien.

Es begann mit einem Späßchen im Jahr 2013. Ein älterer Herr war mit seinem Enkel auf dem Hühnerhof Lüft in Seligenstadt (Kreis Offenbach) unterwegs, und Bauer Michael Lüft bemerkte, dass der Junge wenig über Hühner wusste. Da habe er ihm aus Spaß gesagt, dass er ihm in der darauffolgenden Woche fünf Hühner vorbeibringen werde. „Am Abend rief dann der Vater an und fragte, wann ich die Hühner liefere“, erinnert sich Lüft. Eine Geschäftsidee war geboren.

Inzwischen verleiht Lüft unter dem Namen „Rent a Huhn“ in jeder Woche etwa 290 Hühner an Privatpersonen, Kindergärten und Schulen. Die Nachfrage ist riesig. Und viele andere Bauern in der ganzen Republik sind Lüfts Beispiel gefolgt und vermieten Hühner.

Mieten kann man aber auch andere Tiere. Die Frankfurter Rundschau stellt einige Mietmodelle vor. Dazu sei gesagt: Es gibt Tierschutzorganisationen, die die Tiervermietung grundsätzlich ablehnen. Das sehen jedoch nicht alle Schützer so. Interessenten sollten sich also immer informieren und abwägen.

Hühner 

Es gibt inzwischen viele Anbieter von Miethennen. Auf dem Hühnerhof Lüft läuft es so ab: Die Mieter erhalten ein Hühnerhaus und fünf Hühner, dazu bei Bedarf einen Steckzaun, der leicht aufzubauen ist. Benötigt wird dafür eine Grünfläche von etwa 25 Quadratmetern. In einem Umkreis von 50 Kilometern rund um Seligenstadt liefert Lüft die Hühner auf Anfrage, Selbstabholung geht immer. Der Mieter muss sich während der Verleihdauer eventuell auf einen neuen Tagesrhythmus einstellen: Denn er muss die Hühner bei Tagesanbruch aus dem Häuschen herauslassen und sie abends mit der Dämmerung auch wieder einschließen, um sie vor Madern, Waschbären oder Füchsen zu schützen. Seit kurzem müssen Mieter die Hühner, je nach Kommune, auch selbst beim Veterinäramt anmelden. 

Der Hühnerstall muss täglich gereinigt werden, sonderlich aufwendig ist das aber nicht. Besonders Kinder freuen sich darüber, täglich Eier aus dem Häuschen zu holen und die Hühner etwa mit Obst und Gemüse, Nudeln und Kartoffeln zu füttern. Der Mieter sollte sich allerdings darauf einstellen, dass der Rasen am Ende der Mietzeit ziemlich ramponiert ist, denn Hühner scharren gerne. Eine Woche Hühner mieten kostet inklusive Zaun bei Selbstabholung 103,79 Euro, zwei Wochen 139,10 Euro. Die Wartezeit beim Hühnerhof Lüft beträgt momentan sechs bis acht Wochen. Lüft übernimmt übrigens jedes Jahr 200 Legehennen aus der Massentierhaltung, die sonst getötet würden.

Ziegen und Schafe 

Mit „Rent a Biomääääher“ hat die Gartenlandschaftsbauerin Susanne Smith aus Waldbronn bei Karlsruhe etwas wohl ziemlich Einzigartiges geschaffen. Sie verleiht ihre Ziegen und Schafe, um den Mietern das Rasenmähen zu ersparen. Auch Gemeinden nehmen das Angebot in Anspruch, um öffentliche Grundstücke mal richtig abgrasen zu lassen. „Es gibt auch viele ältere Menschen, die große Streuobstwiesen haben und da Hilfe benötigen. Oder Familien, die einfach Ziegen mögen. Nebenbei düngen die Tiere dann auch das Grundstück“, sagt Smith. Die Ziegen werden nur in Gruppen von mindestens drei bis vier Tieren verliehen. Smith bietet den Service aber nur im näheren Umkreis ihres Wohnortes an, denn auch während der Verleihzeit von vier bis 14 Tagen schaut sie regelmäßig nach den Tieren. Die Schafe mögen dabei Wiesen, Ziegen dagegen benötigen viel Gestrüpp – und sind auch nur saisonal einsetzbar, denn bei Kälte und Nässe gehören sie in den Stall. Smith baut die Zäune für die Tiere auf und berechnet pauschal etwa 120 bis 150 Euro für die Vermietung.

Hunde 

Katrin Rösemeier aus Hessisch-Oldendorf in Niedersachsen richtet sich mit ihrem bundesweiten Angebot ausschließlich an ältere Menschen ab 65 Jahre. Über ihr Unternehmen Bluebello verleiht sie Hunde – allerdings nicht nur für ein paar Wochen oder Monate. Es geht darum, Senioren bis an ihr Lebensende einen Hund zu vermitteln. Viele dieser Menschen hätten ihr Leben lang einen Hund besessen, würden sich aber im Alter nicht trauen, ein neues Tier anzuschaffen – aus Sorge, was aus ihm wird, wenn Herrchen oder Frauchen versterben oder erkranken sollte, sagt Rösemeier. Bevor sie einen Hund verleiht, besucht ein Mitarbeiter die Interessenten. „Wir schauen uns persönlich an, ob der Mieter es überhaupt noch schafft mit einem Hund. Er muss noch spazieren gehen können, muss geistig gesund sein und das Tier etwa zum Tierarzt bringen können“, sagt sie. Zudem werde geguckt, was für ein Hund zum Interessenten passen könnte. 

Sie vermittelt Hunde bis maximal acht Kilo, also eher kleinere Tiere. Danach sucht Rösemeier über private Kanäle nach einem passenden Tier und behält es eine Weile bei sich und ihren sieben eigenen Hunden, um es zu trainieren und sich einen Überblick über „die Macken“ des Tiers zu verschaffen – und diese dann mit dem Mieter zu besprechen, sagt sie. Kostenpunkt: Eine Grundgebühr von 1000 bis 1500 Euro und dazu 178,50 Euro im Monat. Darin enthalten sind Versicherungen für den Hund und zehn Tage Betreuung im Jahr – falls der Mieter ins Krankenhaus muss oder in den Urlaub möchte. Inbegriffen, wenn gewünscht, sind auch die Lieferung von Futter und ein 24-Stunden-Telefonservice. Sollte ein Mieter versterben oder das Tier aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr halten können, übernimmt Rösemeier den Hund.

Bienen 

Es gibt in Deutschland inzwischen viele Anbieter, die Bienenvölker vermieten. Dabei geht es auch darum, den Lebensraum der bedrohten Tiere zu sichern – der Mieter stellt sein Grundstück für ein Bienenvolk zur Verfügung. Da die Anbieter sich weiterhin um das Bienenvolk kümmern, regelmäßig zur Kontrolle vorbeikommen, Honig entnehmen und verarbeiten, ist das Mieten von Bienen nicht ganz billig. Mit 120 Euro im Monat sollten Interessenten mindestens rechnen, meistens kostet es deutlich mehr. Mindestens ein Jahr müssen Bienen ausgeliehen werden.

Kaninchen/Meerschweinchen 

Zahlreiche Anbieter in Deutschland verleihen Kaninchen oder Meerschweinchen. Dabei geht es aber nicht um das Amüsement der Mieter. Vielmehr richtet sich das Angebot an Besitzer eines Kaninchen- oder Meerschweinchenpaares für den Fall, dass ein Tier verstirbt. Meerschweinchen und Kaninchen eignen sich nicht zur Alleinhaltung, sie sollten immer einen Partner haben. 

Manche Menschen wollen sich aber nicht mehr dauerhaft ein neues Tier zulegen. Dafür vermittelt etwa die Kleintier-Notstation Quarnbek in Schleswig-Holstein Tiere in die ganze Republik. Dabei betont die Notstation auf ihrer Homepage, dass sich ein Mitarbeiter das neue Zuhause des Tiers persönlich anschaut und es unter anderem ausreichend Platz, das richtige Futter und eine behutsame Eingewöhnungsphase geben muss. Kosten bei der Notstation Quarnbek: zwischen 50 und 100 Euro für ein Tier.

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