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In 58 deutschen Städten sind schon oder dürften in nächster Zeit E-Roller unterwegs sein, so der Branchenverband Elektrokleinstfahrzeuge.

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Sharing-Anbieter demokratisieren die Nutzung der E-Scooter

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Sharing-Anbieter tragen zur rasanten Verbreitung von E-Scootern bei. Das ist gut so. Denn Teilen ist effizienter als Besitzen. Die Analyse.

Ein Pärchen, sie vorne, er hinten, beide graumelierte Haare, flitzt eng umschlungen in der Abenddämmerung dem Ufer des Mains entlang. Drei Mädels, um die 15 Jahre alt, schieben ihre E-Roller auf dem Weg ins Freibad artig über den Zebrastreifen. Ein Geschäftsmann, gelbe Umhängetasche am Rücken, zieht auf dem Weg ins Büro ganz entspannt, ganz lässig an der endlosen Autolawine vorbei.

Das Straßenbild hat sich seit Mitte Juni verändert. Seit die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung in Kraft ist, scheint die Stadtbevölkerung mit großem Vergnügen E-Roller zu entdecken und in ihren Alltag zu integrieren. Es fehlen zwar Messungen, gleichwohl ist die Einschätzung vermutlich korrekt, dass sich noch nie zuvor ein neues Fortbewegungsmittel so schnell verbreitet hat. In 58 deutschen Städten sind schon oder dürften in nächster Zeit E-Roller unterwegs sein, so der Branchenverband Elektrokleinstfahrzeuge.

Die rasante Ausbreitung der neuen E-Fahrzeuge liegt wesentlich daran, dass bei einer neuen Fahrzeugart erstmals von Anfang an Sharing-Anbieter dabei sind. Sie heißen Tier, Circ, Voi oder Lime und stellen die Fahrzeuge im großen Stil bereit. So erobern sie den Markt, bevor Händler überhaupt die Chance hatten, die Flitzer zu verkaufen.

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Zwar gibt es Bürger, die einen E-Roller ihr eigen nennen. Tatsächlich soll laut Schätzungen schon vor dem Start der Sharing-Angebote eine Viertelmillion Geräte verkauft worden sein. Die meisten dieser Produkte besitzen nach Auskunft des Branchenverbandes Elektrokleinstfahrzeuge aber keine Betriebserlaubnis und dürfen auf Straßen nicht gefahren werden.

Jeder kann die E-Scooter nutzen

Es gilt also zumindest derzeit das Prinzip „Mieten statt Besitzen“. Und das könnte sich in den Köpfen verankern. An vielen anderen Stellen des Alltags hat es sich bereits durchgesetzt, zum Beispiel bei Filmen oder Musik, die viele Bürger nur noch streamen, aber nicht kaufen. Anders ist das beim emotional hochaufgeladenen Auto.

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Der Besitz eines Pkw ist aber auch nicht nur eine Zweckmäßigkeit, sondern auch eine Statusfrage. Das lässt sich vom E-Roller nicht sagen. Denn die Sharing-Anbieter haben den Prestige-Effekt zerstört. Bei teuren Autos oder kostspieligen Flachbildfernsehern kann sich die gutverdienende Elite bisher vom Rest der Bevölkerung abheben, weil sie sich die Produkte leisten kann. Dadurch wiederum werden die Produkte für die anderen Bürger begehrenswert.

E-Scooter sind vergleichsweise günstig

Die Nutzung eines E-Rollers wird durch die Sharing-Anbieter jedoch von Anfang an demokratisiert. Die Mädels, die ins Freibad wollen, können sich von ihrem Taschengeld genauso eine Rollerfahrt leisten wie der Geschäftsmann, der damit zur Arbeit fährt. Vielleicht mieten sie sich nicht ganz so oft ein solches Gerät, wie jemand, der Geld verdient, aber prinzipiell steht ihnen der Roller zur Nutzung zur Verfügung. Prestige kann so gar nicht erst aufgebaut werden.

Dieser Demokratisierungseffekt ist allerdings nur einer der positiven Aspekte des Sharings. Das Teilen ist volkswirtschaftlich auch effizienter als das Besitzen. Während teure Autos die meiste Zeit stillstehen und die Städte verstopfen, reichen einige hundert vergleichsweise günstige E-Roller und schon flitzen allenthalben Bürger mit viel Freude durch die Stadt. Abgesehen von der Unfallgefahr und davon, dass Radfahren und Gehen noch umweltfreundlicher sind, eine intelligente Art, Stadtbewohner mobil zu machen. Das ist Zukunft!

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