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„Tiefgreifende Transormation“

SGL Carbon baut 500 Stellen ab

  • Martin Brust
    VonMartin Brust
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Die Wiesbadener Firma erlitt 2020 einen kräftigen Geschäftseinbruch.

Den Erfolg eigenen Handelns mit dem Aktienkurs zu belegen, ist für Vorstände ein zweischneidiges Schwert. Torsten Derr, der seit Juli den Wiesbadener Kohlenstoffspezialisten SGL Carbon führt, leitete am Donnerstag die Bilanzpressekonferenz damit ein, dass er und sein ebenfalls noch neuer Finanzvorstand Thomas Dippold „stolz“ seien auf die Kursentwicklung. Die Aktie dümpelte nach zweieinhalb Jahren des Verfalls seit März 2020 bei zwei bis drei Euro herum.

Derr und Dippold lösten eine „tiefgreifende Transformation“ aus, die „auch ohne Pandemie nötig gewesen wäre“, so Derr. „Wir haben quasi eine neue Firma aufgebaut.“ Seit sie Ende Oktober 2020 begannen, das zu kommunizieren, hat sich die Aktie in der Spitze auf mehr als sieben Euro verdoppelt. „Die Restrukturierung wird vom Kapitalmarkt akzeptiert“, so Derr am Donnerstag. Aber wie soll es dann beurteilt werden, dass die Aktie nach Bekanntgabe der Zahlen um mehr als 17 Prozent nachgab, in weitgehend stabilem Marktumfeld?

Die vorgelegten Zahlen sind schlecht, daraus machten Derr und Dippold keinen Hehl. Der Umsatz ist um 15 Prozent auf gut 919 Millionen Euro eingebrochen, der Nettoverlust hat sich von 90 auf 132 Millionen Euro um fast 50 Prozent vergrößert. Kaum verwunderlich, dass Dippold angesichts dieser Zahlen darauf hinwies, dass es 2020 gelungen ist, einen positiven Geldfluss zu erzielen: „Zuvor haben wir sechs Jahre lang nur Geld verbrannt.“

SGL hat stark darunter gelitten, dass beispielsweise Chemiefirmen sich mit Investitionen in neue Anlagen zurückhalten und daher kein Material von SGL benötigen. Zudem hat sich die Serienproduktion von Komponenten für Batteriegehäuse eines US-Autobauers auf 2021 verschoben. Auch andere Kunden aus der Automobil- und Luftfahrtindustrie erteilten weniger Aufträge, was SGL aber zu einem großen Teil durch vermehrte Aufträge zur Produktion von Teilen für die Rotorblätter von Windkraftanlagen kompensieren konnte.

Auf Windkraft und die Batteriefertigung richten sich auch die Hoffnungen für die Zukunft. Erst vor wenigen Tagen gab es fast 43 Millionen Euro Fördermittel für „Entwicklung und Industrialisierung innovativer Anodenmaterialien als eine zentrale Wertschöpfungsstufe der Elektromobilität“.

Aber zunächst soll vor allem die Restrukturierung das Unternehmen wieder flottmachen. Von dem angekündigten Abbau von 500 Stellen ist etwa die Hälfte bereits umgesetzt. Alle Produktionsstandorte sollen auf Profitabilität geprüft und die Kosten um insgesamt 100 Millionen Euro gesenkt werden. Der Umsatz soll 2021 wieder leicht um rund fünf Prozent wachsen und der Verlust auf unter 20 Millionen Euro sinken.

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