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Selbst schuld

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Von: Nina Luttmer

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Die Staatsanwaltschaft prüft, ob wegen Betrugs gegen Prokon ermittelt wird.
Die Staatsanwaltschaft prüft, ob wegen Betrugs gegen Prokon ermittelt wird. © dpa

Es gab zahlreiche Warnhinweise, dass der Öko-Finanzierer Prokon zum Problemfall werden könnte. Anleger, die jetzt ihr Geld verlieren, müssen sich daher an der eigenen Nase packen.

Es ist abzusehen, dass das Geschrei groß sein wird. Sollte der Öko-Finanzierer Prokon in die Pleite rutschen – und das ist nach jetzigem Stand nicht unwahrscheinlich – werden viele Anleger sich echauffieren, dass sie übers Ohr gehauen wurden und ihr Erspartes verloren haben. Doch in diesem Fall ist Mitleid nur in Ausnahmefällen angebracht. Vielmehr sollte man den meisten Betroffenen entgegenhalten: „Habt ihr in den vergangenen Jahren denn überhaupt nichts gelernt?“

Prokon hat seinen Anlegern Renditen von bis zu acht Prozent versprochen – und das in einer Zeit von historisch niedrigen Zinsen. Die einfachste Lehre aus der Finanzkrise aber ist: Es gibt keine so stark über dem Markt liegende Rendite, ohne dadurch ein Risiko einzugehen. Dieser einfache Satz: „Keine hohe Rendite ohne hohes Risiko“ dürfte in den vergangenen Jahren niemandem so ganz entgangen sein – er wurde in Zeitungen, im Fernsehen, im Radio, ja in der Gesellschaft insgesamt immer wieder diskutiert.

Natürlich muss man kritisieren, dass Prokon unlautere Werbung gemacht hat. Das Unternehmen hatte suggeriert, dass Genussrechte genauso sicher seien wie ein Sparbuch. Schon im September 2012 urteilte das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht, dass Prokon diese Werbung einstellen muss. Aber auch hier muss gefragt werden: Warum kaufen Bürger Genussrechte, wenn sie sich nicht vorher genau informieren, was das ist?

Ständig präsente Werbung

Zumal nicht irgendwelche Anlageberater ihren Kunden die Prokon-Produkte mit falschen Argumenten aufgeschwatzt haben – wie es beispielsweise einst bei Lehman-Zertifikaten der Fall war. Vielmehr entschieden sich die Anleger, angelockt durch die überall präsente Werbung des Unternehmens, ganz eigenständig für das Investment. Dabei spielte sicher die hohe Rendite eine Rolle, aber auch der Glaube, dass man in ein ökologisch besonders wertvolles Unternehmen investierte.

In den vergangenen Jahren gab es aber genug kritische Medienberichte über Prokon. Dem Unternehmen wurden nicht nur seine riskanten Finanzierungsmodelle vorgehalten, sondern teilweise wurde auch kriminelle Energie unterstellt. Das ist bislang aber nicht bewiesen, die Staatsanwaltschaft untersucht, ob es einen Anfangsverdacht wegen Betruges und anderer Wirtschaftsdelikte gibt. Anleger hätten aber, aufgeschreckt durch die vielen Zweifel an dem Unternehmen, längst alarmiert sein können. Wer Geld anlegt, sollte sein Investment auch im Auge behalten.

Die Deutschen müssen endlich lernen, Eigenverantwortung bei der Geldanlage zu übernehmen. Die Prokon-Betroffenen können über das Unternehmen schimpfen. Sie können auch – mit Recht – darüber lamentieren, dass Firmen des grauen Kapitalmarkts schalten und walten dürfen wie sie wollen. Vor allem aber müssen sie sich an die eigene Nase packen.

Die Politik sollte aus dem Vorgang eine Lehre ziehen und endlich dafür sorgen, dass in Deutschlands Schulen eine ordentliche Finanzbildung angeboten wird. Damit die heutigen Schüler später gar nicht erst überlegen müssen, was ein Genussrecht überhaupt ist.

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