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Die Finanzkrise 2008 war der Auslöser vieler Attac-Proteste.

Globalisierungskritiker

Seit 20 Jahren stören

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Attac feiert Jubiläum und will einen Schwerpunkt bei Verkehrswende setzen.

Am Mittwoch feiert das globalisierungskritische Netzwerk Attac Deutschland sein zwanzigjähriges Bestehen. „Damals war die Globalisierung als Thema noch ganz am Anfang“, erinnert sich Roland Süß, einer der Mitbegründer des Netzwerks. Der Wille zu Handeln sei aber damals schon da gewesen. Am 22. Januar 2000 hatten sich in Frankfurt rund 120 Menschen aus Bündnissen und Nichtregierungsorganisationen zusammengefunden, um das „Netzwerk zur demokratischen Kontrolle der Finanzmärkte“ zu gründen. Ein paar Monate später übernahm dieses dann den Namen der französischen Schwesterorganisation.

Wie aus dem ersten Titel ersichtlich, stand die Regulierung der Finanzmärkte für Attac schon seit Beginn im Zentrum. Daher sei damals auch der Standort Frankfurt offensichtlich gewesen, erzählt Süß. Sein Kollege Thomas Eberhard-Köster, seit 18 Jahren bei Attac aktiv, hat in den Jahren seit der Gründung einen Wandel der Aufgaben des Netzwerks bemerkt. Zu Beginn musste Attac noch darum kämpfen, das politisch vorstellbare zu erweitern. „Heute wird das existierende Wirtschaftssystem nicht mehr als alternativlos wahrgenommen“, stellt Eberhard-Köster fest. „Jetzt bleibt nur die Frage wie diese Alternativen aussehen können“.

Schwerpunkt der Arbeit im laufenden Jahr werde vor allem die Kampagne zur Verkehrswende sein. Obwohl der Klimaschutz für Attac schon früh ein Thema gewesen sei, habe er im Zuge der Debatte bei dem Netzwerk an Bedeutung gewonnen, so Süß. Aber auch ihr Ursprungsthema, die „Entwaffnung der Finanzmärkte“ will Attac nach eigenen Angaben weiter bearbeiten.

Der selbst auferlegte Auftrag, konkrete Lösungsvorschläge zu politischen Themen einzubringen ist Attac im letzten Jahr öffentlich zum Verhängnis geworden. Damals hatte der Bundesfinanzhof dem Netzwerk die Gemeinnützigkeit entzogen. Für Roland Süß war die Entscheidung eine klare Reaktion darauf, dass immer mehr gemeinnützige Organisationen die Protest- und Handlungsmethoden von Attac angewendet hatten. Es sei ein Versuch gewesen, den Handlungsspielraum einzudämmen. „Da kann dann schon die Schere im Kopf losgehen“, sagt Süß mit Blick auf Partner, die um ihre eigene Gemeinnützigkeit fürchten. Bislang habe es aber nur Diskussionen gegeben, die Bündnisse seien nicht „ad acta“ gelegt worden.

Das diesjährige Motto „Her mit der Demokratie!“, als klare Antwort auf diese Einschränkungen zu lesen, liegt daher nahe. „Es gilt, demokratische Spielräume zurückzufordern“, formuliert auch Judith Amler vom Attac Koordinierungskreis anlässlich des Jahrestages. Diesem Ziel scheint das Netzwerk mit der geplanten Geburtstagsfeier zumindest ein Stück weit gerecht zu werden: Als Veranstaltungsort haben sie die symbolträchtige Paulskirche in Frankfurt gewählt.

Abseits der Symbolebene, lässt sich Amlers Forderung durchaus auch wörtlich verstehen. So geht es Alina Nieswand vor allem auch darum echte Räume für Kultur und Demokratie zurückzuerobern. Gerade für kleinere Organisationen gebe es aufgrund des Streits über die Gemeinnützigkeit Probleme Versammlungsorte zu finden, berichtet die Studentin, die sich seit drei Jahren bei der jungen Ablegergruppe „Attacitos“ in Bamberg engagiert. Aus diesem Grund habe Attac erst im vergangenen September die Paulskirche besetzt.

Ganz offiziell wird Attac dort nun am 15. Februar feiern. Neben einer Diskussionsrunde zur Bedeutung von kritischem Engagement lädt das Netzwerk am Morgen danach zu einer Matinee mit Impulsvorträgen von Weggefährten aus 20 Jahren Attac ein.

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