China

Seidenstraße: Europäische Unternehmen profitieren kaum

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Studie: China vergibt Aufträge zum Bau des Infrastrukturprojekts vor allem an Firmen aus dem eigenen Land.

Hunderte Milliarden Euro investiert die chinesische Regierung, um Handelsrouten weltweit auszubauen. Die „Belt and Road“-Initiative – auch „Neue Seidenstraße genannt – ist ein logistisches Jahrhundertprojekt. Eine Zugverbindung führt etwa über Zentralasien, die Türkei und Russland bis nach Deutschland.

Präsident Xi Jinping beschreibt sein Prestige-Projekt in der Öffentlichkeit gerne als Win-Win-Situation. Eine Studie der europäischen Handelskammer kommt zu einem anderen Ergebnis. „Die Belt and Road Initiative mutet wie eine Einbahnstraße an – ein geschlossenes System“, sagt Kammerpräsident Joerg Wuttke. Der 60-jährige Deutsche lebt seit den 90er-Jahren in China und sieht die Wettbewerbsnachteile ausländischer Firmen sehr kritisch.

Nur 20 der insgesamt 132 befragten internationalen Unternehmen haben sich überhaupt um die Teilnahme an einem Projekt der „Belt and Road“-Initiative beworben – „überraschend wenig“, wie Wuttke sagt. Zudem macht die Umfrage deutlich, wie intransparent die Initiative von den Chinesen gehandhabt wird. Nur zwei der befragten Unternehmen haben von Projekten durch öffentliche Ausschreibungen erfahren, der Rest wurde direkt durch chinesische Geschäftspartner oder die Regierung selbst mit an Bord geholt.

Bereits 2018 hat die Washingtoner Denkfabrik „Center for Strategic and International Studies“ erhoben, dass die Wertschöpfungskette weitgehend in chinesischer Hand bleibt: Von den untersuchten chinesisch-finanzierten Infrastrukturprojekten in 34 asiatischen und europäischen Ländern seien 89 Prozent von chinesischen Unternehmen umgesetzt worden. Knapp acht Prozent der Aufträge gingen an lokale Bieter, nur drei Prozent an internationale Unternehmen.

Seit Jahren streiten sich Experten, wie die „Neue Seidenstraße“ politisch zu bewerten sei: Die einen werten sie als Marshall-Plan für Entwicklungsländer, andere halten die Pläne für eine Schuldenfalle, die ärmere Länder von China abhängig macht.

Unter den EU-Kernländern ist Italien dem Seidenstraßen-Projekt ganz formell als erstes beigetreten – sehr zum Ärger der Bundesregierung etwa. Diese fordert eine geeinte China-Strategie der Europäischen Union und ist misstrauisch gegenüber den Investitionen. Viele südosteuropäische Länder nehmen die Infrastrukturprojekte der Chinesen hingegen gerne an.

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