US-Börsenaufsicht

SEC verklagt VW

  • schließen

Die US-Börsenaufsicht wirft dem Konzern den Verkauf überteuerter Wertpapiere vor.

Der Diesel-Skandal holt Volkswagen in den USA erneut ein. Nachdem sich der Konzern dort mit Kunden, Umweltbehörden und staatlichen Ermittlern auf Milliardenzahlungen geeinigt hatte, klagt nun die US-Börsenaufsicht SEC gegen den Konzern und seinen früheren Chef Martin Winterkorn: VW habe vor Bekanntwerden des Skandals verschiedene Wertpapiere an den Finanzmarkt gebracht und deren Käufern die finanziellen Risiken aus den Motormanipulationen verschwiegen. Ähnlich argumentieren in Deutschland Aktienanleger, die VW auf Schadensersatz verklagen.

Die Klage weist nach Meinung von VW „erhebliche juristische und inhaltliche Mängel auf“, man werde sich daher „mit Nachdruck dagegen zur Wehr setzen“. Im jüngsten Geschäftsbericht hat der Konzern im Kapitel über Rechtsrisiken bereits darauf hingewiesen, dass die Börsenaufsicht seit Anfang 2017 in der Sache ermittle.

Die SEC wirft dem Unternehmen vor, durch eine falsche Darstellung der Unternehmenslage mit „Hunderten Millionen Dollar“ profitiert zu haben. Im Zeitraum April 2014 bis Mai 2015 seien in den USA Anleihen und sogenannte Asset-Backed Securities (ABS) für insgesamt mehr als 13 Milliarden Dollar verkauft worden – „zu überhöhten Preisen“, wie die Ermittlerin Stephanie Avakian in einer SEC-Mitteilung erklärt. Ein Jahrzehnt lang habe VW die Manipulation an den Dieselmotoren verschleiert. Erst im September 2015 wurde der Abgasskandal bekannt, der VW zweistellige Milliardenbeträge kostete und den Unternehmenswert drastisch drückte.

Die Anleger hätten alle Zahlungen pünktlich erhalten und keinen Schaden erlitten, betont VW. Zudem seien die Papiere „ausschließlich an erfahrene, institutionelle Großanleger“ verkauft worden, sagte ein Unternehmenssprecher. Bei den ABS handelt es sich um Wertpapiere für Profianleger, in denen Kreditforderungen des Konzerns gebündelt werden. Nach Überzeugung der SEC wurden sie jedoch zu teuer verkauft. Die Behörde fordert die Abschöpfung rechtswidriger Gewinne zuzüglich Zinsen und Strafgeld.

Der VW-Sprecher verwies darauf, dass man sich vor mehr als zwei Jahren auf milliardenschwere Vergleiche geeinigt habe. „Bedauerlicherweise versucht die SEC nun noch einmal draufzusatteln.“ Die Klage enthalte keine neuen Erkenntnisse, „stattdessen wiederholt die SEC lediglich unbewiesene Anschuldigungen gegen den damaligen Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, der in die Verkäufe der Anleihen in keiner Weise involviert war“.

Winterkorn ist in den USA – in Abwesenheit – bereits angeklagt worden. Das Justizministerium wirft dem 71-Jährigen und weiteren früheren VW-Topmanagern eine jahrelange „Verschwörung“ zur Verschleierung des Abgasbetrugs vor. Damit wäre er nach Ansicht der SEC auch mitverantwortlich für die angeblich überteuerten Wertpapiere.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare