Immoscout und Co.

Scout 24 wird zerschlagen

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Das Online-Marktplatz ist eine der wenigen erfolgreichen Internetfirmen Deutschlands. Jetzt verkauft die Gruppe die Portale Autoscout und Finanzcheck - und behält nur ihre erfolgreichste Sparte.

Tobias Hartmann ist sich sicher. „Wir haben im Jahr 2019 die richtigen strategischen Entscheidungen getroffen“, sagt der Konzernchef von Scout 24. Er meint die beschlossene Zerschlagung des Erfolgsmodells per Verkauf gut eines Drittels aller Geschäfte. Denn kurz vor Weihnachten hat der 47-jährige mit Autoscout den Online-Gebrauchtwagenverkauf und das Portal Finanzcheck für knapp drei Milliarden Euro an den US-Finanzinvestor Hellman & Friedman veräußert. Abgeschlossen wird das Geschäft in der ersten Hälfte 2020, sagt Hartmann.

Zusammen hat die Gruppe 2019 noch einmal ein Rekordjahr erreicht. Die Umsätze sind bereinigt um Sondereffekte um zwölf Prozent auf 614 Millionen Euro gestiegen, der operative Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen um 13 Prozent auf 322 Millionen Euro. Was davon in Zukunft bleibt, ist das größte und profitabelste aller ohnehin profitablen Geschäfte von Scout 24: Der Bereich Immoscout, auf den sich demnächst alles konzentriert, hat 2019 acht Prozent mehr auf gut 270 Millionen Euro umgesetzt. Dazu kommen immobiliennahe Dienstleistungen.

Die operative Marge von Immo-scout liegt nahe 70 Prozent gegenüber gut 57 Prozent im Geschäft mit Automobilen. Bei solchen Werten wundert es nicht, dass der hier zu Lande im M-Dax und damit der zweiten Reihe börsennotierter Aktiengesellschaften angesiedelte Konzern aktuell mit rund sieben Milliarden Euro bewertet wird. Die Gruppe beschäftigt gut 1500 Mitarbeiter.

Das ist eine ansehnliche Entwicklung, wurde das Unternehmen doch erst 1998 gegründet. Danach ging es nur noch nach oben. 2004 wurde Scout 24 von der Deutschen Telekom übernommen und neun Jahre später – damals schon mit doppelter Milliardenbewertung – an Hellman & Friedman weiterverkauft. 2015 brachten die Investoren ihren Zögling an die Börse, um im Jahr darauf mit sattem Gewinn komplett auszusteigen. 2019 wurde es dann richtig turbulent. Denn Hellman & Friedman wollten Scout 24 zurück.

Zusammen mit Co-Investor Blackstone wurde Anfang 2019 ein Übernahmeangebot auf den Tisch gelegt, das Scout 24 mit 5,7 Milliarden Euro bewertet hat. Es ging hin und her. Mitte 2019 ist die Übernahmeofferte dann an den breit gestreuten Scout 24-Aktionären gescheitert, die in zu geringer Zahl verkaufen wollten. Es folgte der finale Akt und ein Kaufangebot von Hellman & Friedman im Alleingang für Teile des Geschäfts – was einer Zerschlagung der Gruppe gleichkommt. Darauf ist der seit Ende 2018 amtierende Konzernchef Tobias Hartmann eingegangen.

Wie es nun mit dem Geldsegen für die verkauften Unternehmensteile mit Immoscout weitergeht, ist im Detail noch offen. Das künftig alleinige Kerngeschäft soll zu einem umfassenden Ökosystem für Immobilienmakler, Eigentümer und Suchende aufgerüstet werden, heißt es vage. Deutschland stehe beim Online-Verkauf von Immobilien inklusive Dienstleistungen dafür im internationalen Vergleich noch am Anfang und biete enormes Potenzial, findet Hartmann. Die Wachstumsraten im Gebrauchtwagenverkauf waren mit zuletzt gut zwölf Prozent allerdings deutlich höher als bei Immobilien-Geschäften.

Als wahrscheinlich gilt auch, dass Scout 24 die Milliarden aus dem Verkauf nicht für organisches Wachstum nutzt, sondern auch Schulden tilgt, Aktien zurückkauft oder Aktionäre anderweitig beglückt. Mehr Klarheit über die genaue Stoßrichtung erhalten Anleger möglicherweise am 26. März wenn Scout 24 nach den jetzigen vorläufigen Zahlen den vollständigen Geschäftsbericht vorlegt, dann auch mit Prognosen für die geschäftliche Zukunft.

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