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Schwerstkranke Kinder und ihre Familien begleiten

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Von: Tobias Schwab

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Thomas Voelker, Michaela Nathrath und Stefan Wimmel (v.l.) haben die gemeinnützige GmbH Kleine Riesen Nordhessen aufgebaut. Ihr Projekt: die Versorgung von schwerkranken und sterbenden Kindern.
Thomas Voelker, Michaela Nathrath und Stefan Wimmel (v.l.) haben die gemeinnützige GmbH Kleine Riesen Nordhessen aufgebaut. Ihr Projekt: die Versorgung von schwerkranken und sterbenden Kindern. © Kleine Riesen Nordhessen

Die Frankfurter Rundschau präsentiert die Nominierten des Hessischen Gründerpreises 2022 mit Kurzinterviews: „Kleine Riesen Nordhessen“ ist Finalist in der Kategorie Gesellschaftliche Wirkung.

Wer braucht Sie?
Familien mit chronisch kranken oder sterbenden Kindern und Jugendlichen, die ihre schwerstkranken Kinder zu Hause versorgen. Die Patienten und Angehörigen werden von unserem Kinder-Palliativ-Team medizinisch-pflegerisch und psychosozial unterstützt.

Warum haben Sie gegründet?
Die Umwandlung in eine gemeinnützige GmbH erfolgte 2022 zur Weiterentwicklung unseres bisherigen Angebotes: Neben dem bestehenden Kinder-Palliativ-Team Nordhessen wollen wir ein Pflegekompetenzzentrum, das Kleine-Riesen-Haus, etablieren. Hier können Eltern mit schwererkrankten Kindern die Pflege ihres Kindes selbst erlernen, um mehr Kompetenz und Sicherheit im Alltag zu erlangen. Ziel ist es, elterliche Kompetenz zu schulen und Familie zu stärken, damit chronisch kranken Kindern Klinikaufenthalte erspart bleiben und eine Versorgung zu Hause möglich ist.

Wer hat in Sie investiert/wer nicht?
Der größte Pre-Invest ist ein bereits vorhandener Vorvertrag mit der AOK Hessen über die neu zu erbringenden individuellen Pflegekurse, die im Kleine-Riesen-Haus in Zukunft angeboten werden. Das bedeutet, dass alle gesetzlich Krankenversicherte Anspruch haben, diese Versorgung erstattet zu bekommen. Damit sind das zukünftige Personal und alle Hausnebenkosten mit dem Krankenkassenvertrag refinanziert. Für den Bau des eigentlichen Gebäudes haben wir bereits erste Spendenzusagen in Höhe von drei Millionen Euro einer Stiftung und aus bürgerschaftlichem Engagement erhalten. Wir streben an, die fehlenden fünf Millionen über Kredite, staatliche Fördermittel und weitere Spenden von Unternehmen, Privatpersonen und Stiftungen durch gezielte Fundraising-Kampagnen zu erhalten.

Was war die größte Hürde?
Erstaunlicherweise haben wir auf unserem bisherigen Weg wenig bis gar keine großen Hürden erlebt. Ganz im Gegenteil, wir konnten Menschen dafür begeistern, uns auf unserem Weg zu unterstützen und ein gutes und zukunftsträchtiges Angebot für Familien mit chronisch kranken Kindern zu schaffen. Ebenso freuen wir uns, dass das Kleine- Riesen-Haus auf dem Gelände der Klinikums Nordhessen Holding entstehen wird, wo sich derzeit auch unsere Geschäftsräume befinden.

Wo brennt es im Betrieb?
Ein entscheidender Baustein ist, dass der künftige Betrieb des Hauses finanziert ist. Die aktuelle Herausforderung ist nun die Finanzierung und auch Realisierung des eigentlichen Baus. Nach ermutigenden ersten positiven Spendenzusagen sind wir guter Dinge, auch weitere finanzstarke Unterstützer zu finden.

Was ist der große Traum?
Wir träumen davon, dass das Kleine-Riesen-Haus im Herbst 2024 fertig wird, um den bedürftigen Familien in ihrem schwierigen Alltag eine sichere Anlaufstelle bieten zu können. Wir wollen die Lebensqualität betroffener Familien verbessern, indem wir die Kompetenz der elterlichen Pflege stärken.

Auch in der Pflege sind Fachkräfte gesucht. Gelingt es Ihnen, qualifiziertes Personal zu finden? Oder denken Sie daran, sogar selbst auszubilden?
Uns ist bewusst, dass es eine Herausforderung ist, qualifiziertes Personal zu finden. Doch haben wir eine sehr gute Stimmung im Team. Die Art, wie Mitarbeiter:innen gebunden und geführt werden, ist sehr wertschätzend. Es gibt bereits Anfragen von Fachkräften, die bei uns anfangen wollen. Trotzdem werden wir auch junge Menschen ausbilden. Wir im Team sind stolz, Kleine Riesen zu sein. Und dieses Wir-Gefühl wollen wir auch im Kleine-Riesen-Haus leben.

Das sagt die Jury:
„Mit der Trägerschaft für das ambulante Kinder-Palliativ-Team Nordhessen leisten die Kleinen Riesen Nordhessen einen unverzichtbaren Beitrag dazu, unheilbar schwerstkranke Kinder und Jugendliche sowie ihre Angehörigen in einer schwierigen Lebensphase zu unterstützen. Die Gründer überzeugen durch ihre Empathie, ihre Fürsorglichkeit und mit der klaren Notwendigkeit für dieses Angebot. Von einem Ausbau würden nicht nur Nordhessen profitieren, sondern auch viele betroffene Familien im ganzen Bundesland. Daher stehen die Kleinen Riesen in der Kategorie Gesellschaftliche Wirkung im Finale des Gründerpreises .“

Partnerschaft: Die FR unterstützt den Hessischen Gründerpreis. Bis zum Finale am 4. November in Kassel stellen wir die zwölf nominierten Gründerinnen und Gründer vor. fr.de/gruenderpreis

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