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Der 2020 Ford Mustang Shelby GT500 wird in Detroit vorgestellt. Auf der Autoshow werden in diesem Jahr nur 30 Neuerscheinungen präsentiert - mehr als die Hälfte weniger als im Vorjahr.

IAA

Schwere Zeiten für Automessen

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Die Detroit Motor Show startete am Montag mit vielen Abwesenden. So wird es auch der IAA in Frankfurt ergehen.

Jetzt kommt alles Mögliche zusammen – auf eine negative Weise. Auf der Autoshow in Detroit werden dieser Tage insgesamt nur noch 30 Neuvorstellungen präsentiert. Die US-Autobauer bekommen den Blues, weil der Absatz 2019 mutmaßlich deutlich sinken wird. Überkapazitäten, Schließungen von Fabriken und Stellenstreichungen stehen in den USA an. Diverse Handelsstreitigkeiten sorgen überdies für miese Laune. Das sind auch keine guten Vorzeichen für die IAA im September in Frankfurt. Zumal jenseits aktueller Verwerfungen längst generell über Sinn und Zweck von Automessen diskutiert wird.

Dabei war die North American International Auto Show (NAIAS) viele Jahrzehnte der Moment am Jahresbeginn, da der globalen Autobranche der Puls gefühlt werden konnte. Doch zu nur 30 Novitäten – 69 waren es im vorigen Jahr – kommt, dass viele wichtige Marken nicht mehr dabei sind – wie Mercedes, BMW, Audi und Porsche. Obwohl die Vereinigten Staaten für die Vier wichtige Absatzmärkte sind. Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer hat die Autoshow in Motown als „Beerdigungskonvent“ kategorisiert.

Tatsächlich stecken die traditionellen Ausstellungen in einer Krise, was sich an allenthalben schrumpfenden Besucherzahlen ablesen lässt – so kamen 2017 zur IAA noch 800 000 Besucher nach Frankfurt. Zehn Jahre zuvor waren es noch mehr als eine Million. Das nachlassende Interesse hat nach Ansicht von Messe-Experten zwei offensichtliche Gründe: Die großen Shows haben als Marketing-Veranstaltungen Konkurrenz durch das Internet bekommen. Neue Modelle werden zuerst aufwendig online inszeniert – auf den Messen gibt es kaum noch etwas wirklich Neues. Zudem setzen Autobauer verstärkt auf eigene Events fernab der Ausstellungen, um eine höhere Aufmerksamkeit zu erhalten. Das haben sie von Tesla gelernt, die Tesla-Leute haben es von Apple gelernt. Und: Autobauer, die zeigen wollen, dass sie auf der Höhe der Zeit sind, zeigen sich lieber auf Computer- und Multimedia-Messen.

Und da das Reifenkicken, das Streicheln von Kotflügeln und das Probesitzen am Messestand an Bedeutung verloren haben, wird in den Konzernzentralen immer kritischer diskutiert, wo es sich überhaupt noch lohnt, mit viel Aufwand einen Stand aufzubauen. Da liegt es nahe, sich auf Veranstaltungen in den Ländern zu konzentrieren, wo man stark vertreten ist.

Wahrnehmbarkeit spielt da eine entscheidende Rolle. Um etwa in Detroit mit den US-Platzhirschen mitzuhalten, muss ein Autobauer einiges aufbieten und viel Geld in die Hand nehmen. Das gilt auch für ausländische Autobauer bei der IAA. Denn Daimler, Volkswagen und BMW werden im September wieder in die Vollen gehen. Sie belegen in Frankfurt die ganz großen Hallen. Für Mercedes wird wieder das Innere der Frankfurter Festhalle komplett umgebaut.

Kein Wunder, dass ein knappes Dutzend Marken ihr Erscheinen auf der IAA abgesagt hat. Besonders schmerzlich dürfte für die Macher sein, dass mit der japanisch-französischen Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi einer der ganz Großen nicht kommt. Dass die GM-Marken Cadillac und Chevrolet nicht mehr kommen, war zu erwarten, da sie hierzulande ohnehin kaum noch präsent sind. Aber unter anderen auch Volvo und Aston Martin bleiben weg. Dudenhöffer spricht bereits von einem „bedenklichen Ausstellerschwund“.

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