1. Startseite
  2. Wirtschaft

Schutz der Armen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Judith Köneke

Kommentare

Schwimmende Schule in in einem Slum von Lagos in Nigeria: Hilfswerke fordern mehr Mittel für Bildung in Subsahara-Afrika.
Schwimmende Schule in in einem Slum von Lagos in Nigeria: Hilfswerke fordern mehr Mittel für Bildung in Subsahara-Afrika. © rtr

Misereor mahnt im Vorfeld des UN-Siedlungsgipfels den Schutz der Schwächsten bei Klimaprojekten an. Es geht auch darum, das „Recht auf Stadt“ in den Vertragstext aufzunehmen.

Viele Städte unternehmen Anstrengungen zum Schutz der Bevölkerung vor den Folgen des Klimawandels. In Manila zum Beispiel, der Hauptstadt der Philippinen, soll ein riesiger Deich entstehen, der die Metropole vor Hochwasser schützen kann. Gleichzeitig wären durch das Mammutprojekt rund vier Millionen Menschen gezwungen umzusiedeln, erklärt Almuth Schauber, Expertin für Städtische Armut und Globale Zukunftsfragen des katholischen Hilfswerks Misereor. Viele der Betroffenen seien informelle Siedler und hätten keinen Anspruch auf Entschädigung oder eine neue Wohnung.

Misereor setzt sich mit seinen Partnerorganisationen schon lange für ein Wohn- und Bleiberecht und gegen die Vertreibung von Menschen auf der ganzen Welt ein. An diesem Donnerstag starten die Verhandlungen zum dritten UN-Siedlungsgipfels „Habitat III“, der im Oktober in Ecuadors Hauptstadt Quito stattfindet. Ziel der Konferenz ist es, ein Leitbild für nachhaltige Stadtentwicklung zu etablieren, die „New Urban Agenda“. Misereor sieht in der Konferenz einen wichtigen Anlass, um Rechte und Interessen der städtischen Armen in den Mittelpunkt der Klimapolitik zu rücken.

„Rund 30 Prozent der Weltbevölkerung leben in Entwicklungs- und Schwellenländern in informellen Siedlungen“, sagt Schauber, die als Mitglied der Deutschen Delegation in Quito dabei sein wird. Das Hilfswerk fordert nun die rechtliche Anerkennung dieser meist illegalen Siedlungen. Denn ohne einen festen Wohnsitz stehen den Bewohnern auch keine Papiere, Konten oder Bürgerrechte zu. „Es gibt bereits Maßnahmen, in denen die Bewohner mit Hilfe von Misereor und der Partnerorganisationen ihre Siedlung erfassen und Karten erstellen“, so Schauber.

Oft liegen Armensiedlungen nahe sogenannter Gefahrenzonen, also etwa an Seen- und Flussufern oder steilen Abhängen. Bei Überflutungen bekommen die Bewohner keinerlei Entschädigungen, berichtet Schauber. Teilweise kenne die Regierung diese Gebiete nicht, die Siedlungen seien nicht erfasst, die Menschen könnten also auch nicht gewarnt werden. Diese Menschen seien nicht in die urbane Klimapolitik einbezogen. „So sieht keine Klimagerechtigkeit aus“, sagt Schauber. Die Menschen müssten bei einer Umsiedlung als Klimaflüchtlinge anerkannt werden. Misereor fördere Architekten, die zeigen, wie Häuser in diesen Gefahrengebieten sicher gebaut werden können.

Die Rechte der Armen müssen auch bei Umsiedlungen gewahrt bleiben, fordert Schauber. Sie dürften nicht an die Ränder der Städte abgeschoben werden, denn sie seien auf die Nähe zu ihren Arbeitsplätzen angewiesen. Die Regierungen müssten finanzielle Unterstützung leisten.

Den Schutz der städtischen Armen im Klima-Vertrag zu verankern, sei eine Forderung, die auch Deutschland auf der Quito-Konferenz einbringen müsse, sagt Schauber. Denn ökologische und soziale Belange gehörten zusammen. „Die Verhandlungen sind bei der letzten vorbereitenden Konferenz im Juli gescheitert“, sagt Schauber. Nun gehe es darum, insbesondere das „Recht auf Stadt“ in den Vertragstext mit aufzunehmen. Gerade dieser Aspekt sei allerdings besonders strittig. Zudem fehle bisher ein ausdrückliches Verbot von Vertreibungen.

Auch interessant

Kommentare