Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

CO2-Speicher: wieder vernässtes Hochmoor mit Ausblick auf den Wendelstein in den Bayerischen Alpen.
+
CO2-Speicher: wieder vernässtes Hochmoor mit Ausblick auf den Wendelstein in den Bayerischen Alpen.

CO2-Reduktion

Schulzes Moorschutz-Strategie

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
    schließen

Die Umweltministerin legt ihren Plan zum Schutz und zur Wiedervernässung trockengelegter Gebiete vor – und umgeht damit die Blockade des Landwirtschaftsministeriums.

Wie wichtig die Moore für den Klimaschutz sind, ist in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt. Tatsächlich sind der Schutz und die sogenannte Wiedervernässung von trockengelegten Moorflächen bedeutsame Faktoren, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken und überschüssiges CO2 auf natürlichem Weg aus der Atmosphäre zu entfernen. Doch darüber, wie die Moorschutz vorangebracht werden kann, ist ein heftiger Streit in der Bundesregierung ausgebrochen. Umwelt- und Landwirtschaftsministerium beharken sich heftig. Folge: Die bereits im Groko-Koalitionsvertrag für diese Legislaturperiode verabredete gemeinsame „Moorschutz-Strategie“ ist gescheitert.

Das von Svenja Schulze (SPD) geführte Umweltministerium legte jetzt seine eigene, nicht im Kabinett final abgestimmte „nationale Moorschutz-Strategie“ vor, mit der die Emissionen in dem Bereich gesenkt werden sollen. In Deutschland sind danach derzeit rund 92 Prozent der Moorflächen entwässert. Diese Flächen verursachen jährlich etwa 53 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente und damit rund sieben Prozent aller deutschen Treibhausgase. Der Wert soll bis 2030 um mindestens fünf Millionen Tonnen gesenkt werden.

Moore, die rund vier Prozent der deutschen Landesfläche ausmachen, waren bis ins 17. Jahrhundert weitgehend unberührte Wildnis. Im Zuge der Industrialisierung wurden die Flächen zunehmend entwässert, um sie land- oder forstwirtschaftlich nutzen zu können. Intakte Moore speichern auf kleiner Fläche extrem viel CO2, da abgestorbene Pflanzenteile hier wegen der Bedeckung mit Wasser nicht verrotten.

Moore in einem „erbärmlichen Zustand“

Die Moore seien in einem „erbärmlichen Zustand“, sagte Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth (SPD) bei der Präsentation der Strategie. Über 90 Prozent der Flächen seien „degradiert“, nur der kleine Rest noch ökologisch intakt. Auf den landwirtschaftlich genutzten Böden sei eine andere Art der Bewirtschaftung nötig, meinte er. Für die Umstellung gebe es öffentliche Fördergelder, insgesamt 100 Millionen Euro in den nächsten Jahren. Die Strategie sei „nahezu vollständig“ mit allen Ministerien abgestimmt – nur das Agrarressort habe nicht zugestimmt.

Der Streit mit dem Landwirtschaftsressort entzündet sich daran, wie die Landwirt:innen dazu gebracht werden sollen, die Bewirtschaftung umzustellen. Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) verdächtigt den Koalitionspartner, die Bäuerinnen und Bauern enteignen zu wollen. „Solche Ideen, wie sie die SPD hat, die die Landwirte beim Moorboden durch die Hintertür um ihr Land bringen und enteignen will, wird es mit der Union nicht geben“, sagte sie dem Onlineportal „t-online“. Flasbarth bezeichnete das als „Unsinn“, und dieser werde „auch nicht besser, wenn Frau Klöckner das immer wieder sagt“. Wahlkampfzeiten dürften nicht dazu führen, den Verstand völlig auszuschalten „Es wird nicht enteignet.“

SPD versichert: „Es wird nicht enteignet“

In der 50 Seiten umfassenden Moorschutz-Strategie ist denn auch eine Forderung, den Landwirt:innen ihr Land auf Moorflächen abzunehmen, nicht zu finden. Wo es um die Wiedervernässung der Böden geht, werden „Freiwilligkeit“ betont und „finanzielle Anreize“ angekündigt. Es sollen sollten „gemeinsam mit den Eigentümer:innen und Bewirtschafter:innen“ alternative Bewirtschaftungsformen auf Basis „freiwilliger Kooperationen“ werden. Gedacht ist dabei etwa an die Ansiedlung von Vieh, das mit der Nässe zurechtkommt, oder die Nutzung von Biomasse, die dort wächst. Ein traditionelles Beispiel dafür ist der Anbau von Schilf für Dachreet. Neue Nutzungen sind etwa die energetische Verwertung von nachwachsender Biomasse, die Verwendung von Röhrichten für neue Baustoffe oder die Kultivierung von Torfmoosen als Torfersatz für den Gartenbau.

Der Umweltverband BUND hält die Moorschutzstrategie für einen Schritt in die richtige Richtung. Das „Ambitionsniveau der Ziele und Maßnahmen“ sei allerdings „viel zu gering, um Moore, Klima und Natur erfolgreich zu schützen“, so sei das Minderungsziel von jährlich fünf Millionen Tonnen CO2 zu niedrig. Hier müsse die nächste Bundesregierung deutlich nachschärfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare