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Eiltempo: Jürgen Weber (l.), der scheidende Aufsichtsratschef der Lufthansa, hatte gut zu tun, die Reihen zu schließen.

Lufthansa

Schulterschluss nach Chaostag

Im Eiltempo wird Mayrhuber in Lufthansa-Aufsichtsrat gewählt. Mehr als über die Personalie regen sich Aktionäre über den Dividendenausfall bei der Lufthansa auf.

Von Willi Feldgen

Mit einer Bitte an die Aktionäre eröffnete Jürgen Weber am Dienstag – seinem letzten Tag als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG – die Aktionärsversammlung in der Kölner Lanxess-Arena: Er wünsche sich „eine zügige und geschäftsmäßige Hauptversammlung“ mit einer „hoffentlich konstruktiven Diskussion“.

Nach dem Chaos am Vortag, an dem Webers designierter Nachfolger Wolfgang Mayrhuber seine Kandidatur für die Wahl zum Aufsichtsrat erst zurückgezogen hatte, am Abend dann aber überraschend wieder zur Verfügung stand, wollte Weber wohl heftige Anwürfe aus dem Kreis der rund 1.500 anwesenden Aktionäre möglichst im Keim ersticken. Außerdem versuchte er, die Lufthansa von Vorwürfen reinzuwaschen: „Die leider erhebliche Verwirrung am Montag hatten nicht wir zu verantworten“, behauptete Weber. Schuld waren ihm zufolge „rein formalistische Kriterien“ eines „trotzigen Beratungsunternehmens“, die man mühsam aus dem Weg habe räumen müssen.

Mehr Geld für Kontrolleure

Das einflussreiche amerikanische Aktionärsberatungsunternehmen ISS hatte sich im Vorfeld der Hauptversammlung gegen die Wahl Mayrhubers als Chefaufseher ausgesprochen. Hauptkritikpunkte waren die nach Ansicht der Amerikaner zu kurze „Abkühlungsphase“ von gut zwei Jahren, die zwischen dem Ausscheiden Mayrhubers als Vorstandschef und seinem geplanten Eintritt in den Aufsichtsrat vergangen war, sowie die Häufung von Aufsichtsratsmandaten. Andere Aktionärsvertreter äußerten Vorbehalte gegen Mayrhuber. Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Union Investment gab dem ehemaligen Vorstandschef eine Mitschuld daran, dass die Lufthansa heute „ein Sanierungsfall“ sei. Über das Durcheinander am Vortag sei er „fassungslos“. Es werfe schon heute „einen Schatten auf das künftige Amt“.

Trotz der Kritik wurde Mayrhuber am späten Nachmittag in den Aufsichtsrat gewählt. Der zweite neu gewählte Vertreter der Anteilseigner im Kreis der Aufseher ist der ehemalige Lufthansa-Finanzvorstand und heutige Vorstandschef des Pharmaunternehmens Merck, Karl-Ludwig Kley.

Mehr als über die Personalie Mayrhuber regten sich die Aktionäre über den Ausfall der Ausschüttung auf: „Die Aktionäre haben einen Anspruch auf Dividende. Wir tragen das unternehmerische Risiko mit und wir wollen eine Prämie für dieses Risiko“, sagte Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DWS). Michael Ruoff von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) blies ins selbe Horn: Dass die Dividende für die Aktionäre ausfalle, die Bezüge der Aufsichtsräte sich aber verdoppelt hätten, sei „eine Frechheit“. Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutionelle Privatanleger forderte den Aufsichtsrat auf, auf den Mehrbetrag zu verzichten.

Dass der Vorstand bis Ende 2014 auf fünf Prozent seiner festen Bezüge verzichtet, lobten mehrere Anteilseigner – mokierten sich aber darüber, dass dies erst ab Juli gilt.

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