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Kinderschuhe sind oft zu klein.
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Kinderschuhe sind oft zu klein.

Kinderfüße

Schuhkäufer werden getäuscht

  • Ruth Herberg
    VonRuth Herberg
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Kinderschuhe sind oft kleiner als draufsteht. Wissenschaftler glauben: Die Hersteller machen das mit System.

Obwohl Größe 28 draufsteht, ist nur 26 drin: Österreichische Wissenschaftler haben in einer kürzlich veröffentlichten Studie offenbart, dass 86 Prozent der Kinderschuhe kleiner sind als angegeben. Das Forschungsteam „Kinderfüße-Kinderschuhe“ hat in den vergangenen beiden Jahren gemeinsam mit der Krankenkasse Salzburg die Schuhe von 1898 Kindergartenkindern in Österreich untersucht. 1638 der 1898 Paare waren kürzer als angegeben, einige sogar um vier Größen. „Wir bekommen weniger als wir kaufen“, fasst Studienleiter Wieland Kinz die Ergebnisse zusammen.

Seit 2003 haben der Sportwissenschaftler und sein Team mehr als 20 000 Paar Kinderfüße und –schuhe in mehreren Ländern gemessen. Die Angaben zu den Schuhen sammeln sie in einer Datenbank, geordnet nach Marke, Größe und Rechts-Links-Vergleich. In 90 Prozent der Fälle seien die Schuhe kürzer als angegeben. „Das Verblüffende daran ist, dass sich mit den Jahren nichts ändert.“

Möglich wird das durch eine fehlende Norm für Schuhgrößen. Es gibt kein einheitliches System, an das sich die Produzenten halten müssen. Jeder Hersteller kann für seine Schuhe eigene Maße und Größenangaben verwenden.

Bundesverband verweist auf andere Ergebnisse

Nach Kinz’ Einschätzung fällt das beim Anprobieren nur selten auf, weil dann seit Jahrzehnten der Daumentest gemacht wird: Die Verkäufer messen die Füße der Kinder und suchen Schuhe in der entsprechenden Größe raus. Dann drücken sie den Daumen auf die Schuhspitze, um zu ertasten, ob der Fuß genug Platz hat.

Für Kinz macht das wenig Sinn. „Drücken die Verkäufer oder die Eltern den Daumen vorne auf den Schuh, ziehen die Kinder aus Reflex die Zehen ein.“ Das suggeriere, dass der Fuß vorne genug Platz habe – und der Schuh werde gekauft, obwohl er eigentlich zu klein sei.

Hinter den vielen zu kurz produzierten Schuhen vermuten die Forscher Kalkül und ein System der Hersteller. „Vermutlich besteht die Zielsetzung, dass Eltern häufiger neue Kinderschuhe kaufen müssen“, glaubt Kinz. „Und wenn ein Hersteller sagen würde, wir machen das anders und produzieren Schuhe in der angegebenen Größe, müsste er das irgendwie beweisen.“ Das sei zu aufwendig und zu teuer, so Kinz.

Beim Deutschen Schuhinstitut und beim Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie verweist man auf eigene Untersuchungen mit anderen Ergebnissen: „In den Fußmessungen, die wir jährlich in verschiedenen Teilen Deutschlands und der Schweiz durchführen, finden wir nur zehn Prozent zu kleine Schuhe“, sagt Claudia Schulz vom Deutschen Schuhinstitut. 60 Prozent der Schuhe würden passen, 30 Prozent seien deutlich zu groß.

Gebühr für ein Siegel

Das Schuhinstitut vergibt mit WMS ein eigenes Qualitätssiegel an Hersteller, deren Kinderschuhe bestimmte Kriterien erfüllen. Diese Vorgaben, etwa für Länge oder Breite der Schuhe, erarbeiten die Hersteller in einem Arbeitskreis. Für die Länge von Kinderschuhen sehen die WMS-Richtlinien eine Zugabe von 12 bis 15 Millimetern vor. Die sei bei den Größen der WMS-Schuhe bereits eingerechnet, so Claudia Schulz.

Für das Siegel zahlen die Lizenznehmer eine Gebühr sowie einen Werbekostenzuschuss. Dass die Hersteller bei der Finanzierung eingebunden sind, stößt bei Sportwissenschaftler Kinz auf Kritik. „Das Siegel ist zwar eine gute Idee, aber die ist schlecht umgesetzt.“

Die Forscher empfehlen, sich bei der Anprobe von Kinderschuhen an der Innenlänge der Füße zu orientieren. Die Schuhe sollten 12 Millimeter mehr Spielraum haben. Als Vorbereitung könnten Eltern schon zu Hause die Füße der Kinder messen und eine entsprechende Schablone aus Pappe mitnehmen.

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