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Noch von der Stange: Eine Ispo-Besucherin begutachtet Ski.

Sportartikel

Schuhe und Ski nach Maß

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Mit 3D-Druck und intelligenter Software können Sportartikel an Kundenwünsche angepasst werden.  

Das Sportjahr 2018 war vielversprechend: Fußball-WM, Olympische Winterspiele und andere sportliche Großereignisse sollten auch die Kassen im Handel klingeln lassen. Aber so kam es nicht: „Trotz eines tollen Sportjahrs war es nur ein kleines Plus“, bilanziert der Generalsekretär des Deutschen Sportfachhandels, Stefan Herzog, zum Auftakt der weltgrößten Sportartikelmesse Ispo in München. Der Umsatz sei in Deutschland nur um ein Prozent auf acht Milliarden Euro gestiegen.

Alarmierend für die stationären Händler sei, so Herzog, dass immer mehr im Internet gekauft werde und dass Top-Marken wie Adidas oder Nike am Fachhandel vorbei in eigenen Läden verkauften. Aber es gibt auch Hoffnung. Zum einen ist da der anhaltende Schneefall, der Wintersportartiklern einen guten Auftakt ins neue Jahr beschert. Zum anderen könnte die Maßanfertigung von Jacken, Schuhen oder Skiern der Branche neue Möglichkeiten eröffnen. „Das Ich steht im Mittelpunkt“, umreißt Münchens Messechef Klaus Dittrich die potentielle Zukunft der Branche.

Auf künstlicher Intelligenz (KI) basierende Software in Verbindung mit 3D-Druck erlaube es heute, so Dieterich, individualisierte Sportartikel herzustellen. Skifahrer könnten so einen Ski bekommen, der perfekt auf ihren Fahrstil, ihren Körperbau und ihr bevorzugtes Gelände zugeschnitten sei.

„Individualisierung ist der Megatrend“, glaubt auch der Geschäftsführer des Einkaufsverbands Sport 2000, Andreas Rudolf. Bei Funktionsjacken seien Maßanfertigungen heute schon ohne Aufpreis möglich. Binnen weniger Tage sei dann die in Deutschland gefertigte Ware verfügbar. Auf Kundenfüße angepasste Skischuhe – Spezialsohlen und thermische Verfahren machen es möglich – seien zum Renner geworden. Im Schnitt hat sich der Preis für Skischuhe so binnen drei Jahren in Deutschland um gut ein Zehntel auf 245 Euro erhöht. Dazu kommen bis zu 45 Euro für Spezialsohlen.

Vor allem die gebeutelte Skibranche wittert Morgenluft. Sie verspricht sich viel davon, wenn in naher Zukunft Skier kostengünstig maßgefertigt werden können. Allgemein kündigen Hersteller immer mehr Produkte an, die wie ein Fingerabdruck zum einzelnen Sportler passen. 3D-Simulation zeigt noch vor dem Kauf, wie die Ware am eigenen Körper aussieht und macht das digitale Erlebnis komplett.

Impulse für die Sportartikelhersteller verspricht auch der Fitness-Bereich. Mit dem haben sich die Sportartikelhersteller lange Zeit schwer getan. „Wir müssen uns vom Silo-Denken verabschieden“, wirbt nun der Chef des Deutschen Industrieverbands für Fitness und Gesundheit, Ralph Scholz. Es brauche einen Brückenschlag zwischen Fitnessindustrie und traditioneller Sportartikelbranche.

Beide Seiten könnten davon profitieren. Immerhin gebe es in Deutschland mit 10,6 Millionen Menschen mehr Mitglieder in Fitnessclubs als in Fußballvereinen, so Scholz. Schon jetzt wächst die Fitnessbranche mit jährlich gut fünf Prozent stärker als die Sportartikler. Das lasse sich weiter steigern, meint Scholz. Wenn in Fitnesswettkämpfen mehrere Kontrahenten gegeneinander antreten, lasse sich das auch medial vermarkten. Lifestyle statt Muckibudenimage schwebt Scholz vor.

Protagonisten dafür gibt es hierzulande etwa in Person von Pamela Reif und Sophia Thiel. Erstere ist eine 20-jährige Fitnessqueen, die es auf der Bilderplattform Instagram auf gut vier Millionen Fans bringt. Kollegin Thiel kommt dort auf 1,3 Millionen Follower. Ob sie auch Normalkunden in Bewegung setzen können oder nur zum Anhimmeln trendiger Internetgrößen stimulieren, ist eine andere Frage. So lange Produkte verkauft werden, dürfte das Handel und Herstellern jedoch egal sein.

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