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Keinen Handyvertrag bekommen oder oder eine Absage für die Traumwohnung kassiert? Schuld könnte ein negativer Schufa-Eintrag sein.

Bonitätsprüfung

Was tun, wenn die Schufa Fehler macht?

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Kein Handyvertrag oder Geschäfte nur gegen Vorkasse: Verbraucher können sich gegen falsche Negativ-Bewertungen der Schufa wehren. Aber das ist extrem schwer. 

  • Die Schufa gibt Auskunft über die Bonität der Bürger
  • Bürger können sich kostenlos über gespeicherte Daten informieren
  • Die Schufa sammelt Daten

Die sechs Buchstaben „Schufa“ wecken bei den meisten erwachsenen Deutschen bestenfalls gemischte Gefühle. Bei Anschaffungen auf Pump, beim Antrag auf eine neue Kreditkarte, beim Abschluss von Handyverträgen und in vielen anderen Situationen spielt sie eine Rolle. Für einige Bürger wirkt sie auch als Bremser: Nach einer schlechten Bewertung durch die Bonitätsauskunft können sie im Netz plötzlich nur noch gegen Vorkasse bestellen – oder es klappt nicht mit der Anmietung einer neuen Wohnung. „Negative Schufa-Einträge haben für Verbraucher, aber auch für Geschäftsleute schwerwiegende Nachteile“, sagt Rechtsanwalt Björn Seelbach aus Frankfurt am Main.

Die Schufa: Nützlich, aber zu mächtig

Dabei ist die Idee einer schnellen Bewertung der Zahlungsfähigkeit im Prinzip sehr nützlich für das Wirtschaftsleben. Sie macht viele Geschäfte in einer anonymen Welt erst möglich. Ohne zentrale Datenbanken könnte ein Betrüger von Elektromarkt zu Elektromarkt ziehen und jeweils das teuerste Gerät auf Kredit kaufen, nur um es sofort weiterzuverkaufen. Keiner würde merken, dass die gleiche Person schon Dutzende von Darlehen laufen hat. Auch die schnelle Vergabe von Verbraucherkrediten online wäre undenkbar, wenn die Bank nicht schnell abfragen könnte, mit wem sie es da zu tun hat.

Doch so nützlich sie ist, so mächtig ist die Schufa auch. Sie hortet 943 Millionen Datenpunkte zu 68 Millionen Bürgern. Gerade weil so viele Vertragsabschlüsse eine Schufa-Klausel enthalten, handelt es sich um die größte einzelne Ansammlung personenbezogener Informationen in Deutschland. Der betreffende Absatz in all diesen Verträgen sagt: Der Geschäftspartner darf Daten über den Kunden an die Schufa weitergeben. Umgekehrt darf er Auskünfte über ihn einholen, bevor er seine Dienste zur Verfügung stellt.

Die Schufa ist nicht ohne Fehler

Klar ist: Bei 166 Millionen Abfragen pro Jahr passieren auch Fehler. Deswegen hat der Gesetzgeber dafür gesorgt, dass die Verbraucher der Macht der Schufa und anderer Auskunftsdienste wie Creditreform oder Arvato nicht hilflos gegenüberstehen. Alle Bürger haben das Recht, sich kostenlos über die Daten zu informieren, die über sie gespeichert sind. Sie können die Schufa dann auch zur Löschung falscher Eintragungen zwingen. Und sie können, als letzte Möglichkeit des Aufbegehrens, auf eine Korrektur der Bewertung klagen – zumindest in der Theorie.

In der Praxis ist es aber oft gar nicht so einfach, sich gegen falsche Bewertungen zu wehren. Der Rechtsexperte Gerrit Tegielka von der Verbraucherzentrale Bremen unterstützt immer wieder Betroffene und rät, sich zunächst an den Vertragspartner zu wenden. Das wäre beispielsweise die Bank oder der Mobilfunkanbieter. Wenn dessen Forderung bei der Schufa als nicht bezahlt registriert ist, obwohl der Kunde längst überwiesen hat, lässt sich das nachmelden.

Wenn hier nichts zu machen ist, dann können die Bürger sich direkt an die Organisation in Wiesbaden wenden. „Der Verbraucherservice der Schufa ist selbstverständlich für alle Anliegen da und nimmt jede Eingabe ernst“, versichert ein Sprecher des Unternehmens. Er gibt eine Hotline an, unter der sich erste Ansprechpartner erreichen lassen. „Es muss aber ein schriftlicher Beleg vorliegen, aus dem hervorgeht, dass der Betrag bezahlt wurde“, warnt Verbraucherschützer Tegielka.

Selbstauskunft: Die Schufa-Homepage steckt voller Tücken

Doch nicht selten stellt die Organisation sich trotz allem stur. „Leider gelingt die Löschung eines Eintrags in solchen Fällen oft nur mit anwaltlicher Hilfe“, sagt Seelbach. Fachleute müssen die Auskunft analysieren, Belege zusammenstellen und mit einer Klage drohen, bis wirklich etwas passiert. Die Betroffenen sollten jedoch nicht vergessen: „Wenn die Einträge unberechtigt sind, müssen Schufa und Konsorten sie löschen.“ Es sei andererseits „ziemlich schwer“, den Finanzdienstleistern eine falsche Einstufung der Kreditwürdigkeit nachzuweisen, sagt Verbraucherschützer Tegielka.

Wer wissen will, wie das eigene Profil bei der Schufa aussieht, kann seine Daten einmal im Jahr kostenlos einsehen – das ist das Recht aller Bürger. Dennoch ist die Homepage der Schufa hier etwas hinterhältig aufgebaut. Im oberen, bunt und zugänglich gestalteten Teil der Seite finden sich zunächst nur kostenpflichtige Auskunftsangebote. Für die aufgelisteten Dienste ist gleich zu Anfang eine Gebühr von knapp zehn Euro fällig, auf die nur per Sternchen und Fußnote hingewiesen wird. Die Kunden schließen zudem in vielen Fällen ein Abo zur Zusendung regelmäßiger Auskünfte ab. Aus den angepriesenen 3,95 Euro wird dann leicht ein höherer Betrag, zudem ist eine Anmeldung mit weiterer Preisgabe von Daten nötig.

Die Schufa ist ein Privatunternehmen 

Dabei geht es auch komplett kostenlos, genau wie das Gesetz es vorschreibt. Unten links auf der Seite versteckt, buchstäblich in grauer Schrift auf grauem Grund, findet sich der Menüpunkt „Datenkopie (nach Art. 15 DS-GVO)“. Schon die unattraktive Benennung hält Verbraucherschützer Tegielka für „ein großes Ärgernis“. Denn hier sind die Verbraucher in Wirklichkeit richtig, über dieses Formular können sie ihre Daten abfragen, ohne bezahlen zu müssen. Warum so versteckt?

Eines der größeren Missverständnisse rund um die Schufa ist, dass viele Menschen denken, es handele sich bei ihr um eine öffentlich-rechtliche Gesellschaft. Tatsächlich ist sie eine Aktiengesellschaft, ein Privatunternehmen, das Dienstleistungen für andere Firmen anbietet – und Gewinn machen möchte, statt Daten gratis zu versenden. Tatsächlich verdient die Schufa üppig Geld: Bei einem Umsatz von 190 Millionen Euro macht sie etwa 30 Millionen Euro Gewinn.

Ein nützlicher Dienstleister und zugleich eine Datensammelmaschine, die das Leben von Millionen von Menschen beeinflussen kann – diese Eigenschaften hat die Schufa heute mit anderen Unternehmen gemeinsam, etwa mit Google oder Amazon. Im Zeitalter eines immer größeren Bewusstseins für Datenschutz bleibt ihnen gegenüber ein ungutes Gefühl – auch wenn kaum jemand auf diese Dienste verzichten kann. „Wo die Datensammlung nicht kontrolliert wird, sehe ich immer die Gefahr, dass es zu Missbrauch kommt“, sagt Verbraucherschützer Tegielka.

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