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Schub für CO2-Klimaanlagen

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Auch Volkswagen will alternative Kühltechnik entwickeln.

Die Klimaanlagen von fast allen Neuwagen arbeiten heute mit dem Kältemittel R1234yf. Die Chemikalie ist umstritten, weil bei Bränden im Motorraum daraus gefährliche Flusssäure entstehen kann und sie in der Umwelt zu problematischen Abbauprodukten zerfällt. Die alternative Kühltechnik, die mit dem natürlichen Kältemittel CO2 arbeitet und diese Nachteile nicht hat, erhält nun allerdings einen Push: Der VW-Konzern bestätigte der FR, dass er eine CO2-Klimaanlage entwickeln lässt. Als erstes Modell wird das neue Elektroauto „I. D.“ der Wolfsburger damit ausgerüstet, das ab Ende 2019 produziert werden soll.

Der Schwenk des weltgrößten Autobauers VW könnte den CO2-Anlagen nun den nötigen Auftrieb geben. Man peile langfristig eine generelle Umstellung der Klimatisierung an, sagte ein VW-Sprecher. Damit würde die Alternative salonfähig – der Wolfsburger Konzern produziert weltweit mehr als zehn Millionen Autos jährlich.

Bisher bieten Daimler und Audi CO2-Klimaanlagen an, allerdings nur in drei Modellen (Mercedes S- und E-Klasse sowie Audi A), aber teilweise nur in speziellen Versionen oder gegen Aufpreis. Umweltexperten hatten immer wieder kritisiert, dass die deutsche Autoindustrie die alternative Technik zu zögerlich einführt. Bisher haben die US-Chemiekonzerne Honeywell und Chemours, die das Kältemittel R1234yf produzieren, praktisch ein Monopol in dem Markt. 

Auch Daimler, das die CO2-Technik als erster in der Branche für Pkw entwickeln ließ und seit 2016 anbietet, schließt eine Ausweitung nicht aus. „Um das notwendige Qualitätsniveau zu erreichen, starten wir mit einem langsamen Produktionshochlauf der neuen Klimasysteme“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Man werde „eine weitere Verwendung fallspezifisch entscheiden“. 

Brandgefährliches R1234yf

Die Stuttgarter hatten sich zuerst geweigert, das umstrittene Kältemittel der US-Firmen in Neuwagen einzusetzen. Der Grund: Die Chemikalie hatte sich bei von Daimler durchgeführten Tests im Motorraum entzündet, wobei die hochgiftige Flusssäure entstand. Inzwischen nutzt der Konzern das R1234yf wie alle anderen Autobauer, da das vorher gebräuchliche, stark treibhausgefährliche Kältemittel R134a aufgrund einer EU-Vorschrift seit Anfang 2017 in europäischen Neuwagen generell nicht mehr eingesetzt werden darf. Allerdings baut Daimler zum Teil spezielle Sicherheitsvorkehrungen ein. So werden die Benziner aus dem Konzern mit einer Schutzgas-Anlage ausgerüstet. Sie versprüht im Fall eines Unfalls im Motorraum Argon, um zu verhindern, dass austretendes R1234yf sich entzündet.

Zusätzliche Brisanz hat die R1234yf-Problematik jüngst bekommen, da das Umweltbundesamt (UBA) eindringlich vor einer möglichen Gefährdung von Trinkwasser-Ressourcen durch Abbauprodukte der Chemikalie gewarnt hat. Gelangt das Kältemittel durch Leckagen, Unfälle oder Fehler bei der Befüllung der Klimaanlagen in die Atmosphäre, entsteht das Zerfallsprodukt Trifluoressigsäure (TFA), das als wassergefährdend und schwer abbaubar eingestuft ist. Tatsächlich messen Umweltforscher R1234yf in Luftproben in steigenden Konzentrationen, seitdem der Einsatz der Chemikalie in Pkw 2013 startete. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger sagte zu der Problematik der Abbauprodukte: „Aus dem Trinkwasser kann TFA mit den üblichen Aufbereitungsverfahren nicht entfernt werden, so dass weitere Einträge unbedingt vermieden werden müssen.“ 

Beim Verband der Automobilindustrie (VDA) sieht man keinen Grund, neu in die Debatte einzusteigen. „Die Diskussion um Kältemittel wurde viele Jahre geführt, sie sollte nun nicht wieder aufgewärmt werden“, hieß es dort auf Anfrage. Die „einstigen Sicherheitsfragen“ beim R1234yf seien „geklärt“. CO2-Klimaanlagen hält der Verband zwar ebenfalls für „eine Option“, allerdings sei die Technologie aufwendiger. 

Zu der neu aufgekommenen Umweltfrage wollte der VDA keine Stellungnahme abgeben. Interessanterweise hatte der VDA die Umstellung der Neuwagenflotte auf CO2-Klimaanlagen 2007 selbst favorisiert, rückte dann aber von dieser Position ab.

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