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Schott setzt auf den Weltraum

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Von: Nina Luttmer

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Arbeit bei Schott an einer Maschine, die Glasfasern zu einem Rohfaserbündel zusammenfasst.
Arbeit bei Schott an einer Maschine, die Glasfasern zu einem Rohfaserbündel zusammenfasst. © dpa

Der Spezialglashersteller Schott wächst trotz der hohen Energiepreise weiter, stark auch bei Produkten für Satelliten. Die Pharma-Tochter wollen die Mainzer an die Börse bringen.

Ein herausforderndes Jahr sei es für Schott gewesen, sagt Vorstandschef Frank Heinricht am Mittwoch vor Journalist:innen - doch das Ergebnis des Mainzer Spezialglasherstellers für das Geschäftsjahr 2021/22 (bis Ende September) kann sich sehen lassen. Ein Umsatzplus von zehn Prozent auf 2,8 Milliarden Euro, ein Gewinnsprung vor Zinsen und Steuern um acht Prozent auf 422 Millionen Euro, eine Eigenkapitalquote von satten 51 Prozent - das macht was her. Und das alles trotz der enorm gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise, die Schott als energieintensives Unternehmen stark belasten. Unter dem Strich ist der Überschuss zwar um 20 Millionen auf 269 Millionen Euro gesunken, das Vorjahr war aber auch ein absolutes Rekordjahr für Schott.

Damals wurde das Geschäft getrieben von der Tatsache, dass sich die Menschen während der Corona-Pandemie häufig verstärkt der Renovierung ihrer Wohnungen widmeten - und gerne auch Küchen erneuerten, für die Schott Ceran-Kochflächen herstellt. Dieses Geschäft hat „wie erwartet“ nachgelassen, sagte Vorstand Jens Schulte am Mittwoch. Dafür gab es andere Wachstumsfelder.

So etwa die Herstellung optischer Gläser für die Erd- und Weltraumbeobachtung in Satelliten. Entwickelt hat Schott auch ein neuartiges „poröses Glas, ähnlich einem Schwamm“, so Vorstandschef Heinricht, das in Satellitenantrieben eingesetzt wird. Wachstumstreiber war zudem erneut der Pharmabereich. Schott hat das Segment im vergangenen Jahr in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert. Maximal 30 Prozent von ihr möchten die Mainzer an die Börse bringen, wenn das Marktumfeld sich aufhellt. Das Unternehmen stellt etwa Impfstoffampullen her - in denen auch der Corona-Impfstoff abgefüllt wird. Jede Minute würden weltweit 25 000 Injektionen mithilfe eines Produkts von Schott Pharma an Patient:innen verabreicht, so die Firma.

Schott in Mainz: Glas für Kochfelder und Smartphones

Heinricht hob am Mittwoch einige weitere Produkte von Schott hervor. Etwa ein ultradünnes Glas, das als Display in faltbaren Smartphones zum Einsatz kommt und als besonders innovativ gilt. Im Dezember hatten US-Wissenschaftler:innen einen historischen Durchbruch auf dem Feld der Kernfusion verkündet. Beim Verschmelzen von Atomkernen wurde demnach erstmals mehr Energie gewonnen als verbraucht. „Schott ist Teil dieser Erfolgsstory“, so Heinricht. Von Schott kämen wesentliche Komponenten des genutzten Hochenergielasers.

Das Unternehmen, dass komplett der Carl-Zeiss-Stiftung gehört, verschreibt sich weiter der Innovation und will seine Investitionen in diesem Jahr auf ein erneutes Rekordniveau hochfahren - von 450 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr auf nun 500 Millionen Euro. Dabei soll etwa die Hälfte in Deutschland investiert werden, die andere Hälfte im Rest der Welt. Der Umsatz soll um fünf bis acht Prozent steigen.

Schott spürt den Fachkräftemangel

Global hat Schott 17 200 Beschäftigte, davon 6300 in Deutschland. 700 Neueinstellungen gab es im letzten Geschäftsjahr, 300 davon hierzulande. Das Unternehmen spüre allerdings inzwischen den Fachkräftemangel und habe Probleme, Stellen zu besetzen, so Heinricht - allerdings nicht nur in Deutschland, sondern etwa auch in den USA und China.

Besorgt zeigte Heinricht sich über die hohen Energiepreise in Deutschland und Europa generell. Auf die Frage, ob Schott deswegen Produktionsstätten ins außereuropäische Ausland verlegen könnte, gab es zumindest kein klares Nein. Die Rechnung sei immer, ob die US-Konkurrenz, die dort günstiger produzieren kann, Produkte auch noch günstiger anbieten könne, wenn die Transportkosten für die Ausfuhr nach Europa oder Asien hinzukämen. Das wäre dann ein „Bedrohungspotenzial“, so Heinricht.

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