Geschlechter

Schon wieder ein Mann

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Wann wird die erste Frau Bundespräsidentin?

Im Februar wählt die Bundesversammlung den 12. Bundespräsidenten. Wieso eigentlich keine Präsidentin? Kanzlerin Merkel soll die Ex-Chefin der Stasi-Unterlagenbehörde, Marianne Birthler, in der engeren Wahl gehabt haben, was wohl am Widerstand aus der CSU gescheitert ist.

Hat der Bundestag nicht eine Frauenquote von 30 Prozent für DAX-Aufsichtsräte beschlossen? In Deutschland leben 82 Millionen Menschen, gut eine Million mehr Frauen als Männer. Trotzdem: In 70 Jahren Republik gab es noch keine Frau auf dem höchsten politischen Aufsichtsratsposten. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Elf zumeist kluge, alte Herren haben seit Bestehen der BRD Staatsgäste in der Villa Hammerschmidt und im Schloss Bellevue empfangen. 1997 ging mit Annemarie Renger zum ersten Mal eine Frau ins aussichtslose Rennen. Später wagten sich weitere vor. Immer wählte die Bundesversammlung den vorher ausgemauschelten Mann.

Auf „Spiegel-Online“ konnten kürzlich Leser zwischen elf Frauen und zehn Männern wählen. Wer hat wohl gewonnen? Richtig: 1. Platz Norbert Lammert, 2. Gregor Gysi, 3. Frank-Walter Steinmeier, 4. Joschka Fischer. Erst dann taucht die erste Frau auf: Margot Käßmann. Die zehn anderen kamen unter ferner liefen ins Ziel, selbst Ursula von der Leyen. Das ist nicht repräsentativ, dennoch scheint das Ergebnis ein realistisches „Spiegel“-Bild der Wünsche der Deutschen nach einem weiteren weißen und weisen Ersatzkönig zu sein.

Wie wär’s mal mit einer Ersatzqueen? Da fällt einem nicht nur die einstige DDR-Bürgerrechtlerin Marianne Birthler ein, die im Bundestag saß und zu den klugen Köpfen der Grünen gehört. Auch Jutta Allmendinger wäre eine würdige Kandidatin gewesen: Soziologieprofessorin an der LMU München, Harvard-Doktortitel, habilitiert an der FU Berlin, Quereinsteigerin mit viel Ahnung von Arbeitsmarkt und Wohlfahrtsstaat. Sie hat etliche interessante Beiträge verfasst.

Dass sie SPD-Mitglied ist, hätte auch zu Merkels Koalitionsmauschel-Plänen gepasst. Wäre sie Präsidentin geworden und Merkel würde Kanzlerin bleiben und von der Leyen Verteidigungsministerin, müsste nach der Bundestagswahl 2017 (Achtung: Satire!) in der dann einzig möglichen CDU-CSU-AfD-Koalition nur noch Frauke Petry Innenministerin werden, dann wäre die Republik endlich in Frauenhand!

Die Autorin ist Karriereberaterin und Trainerin. Ihr Buch „Weck die Chefin in Dir“ erschien im Ariston-Verlag.

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