Therapiesitzung: Die gesetzlichen Krankenkassen wollen die Situation für Betroffene verbessern.
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Therapiesitzung: Die gesetzlichen Krankenkassen wollen die Situation für Betroffene verbessern.

Gesundheit

Schneller in die Therapie

  • Tim Szent-Ivanyi
    vonTim Szent-Ivanyi
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Psychisch Kranke sollen künftig nicht mehr ewig auf einen Arzttermin warten müssen.

Die Zahl der Menschen mit psychischen Leiden wächst, doch viele Betroffene haben nach wie vor Schwierigkeiten, einen Termin für eine Psychotherapie zu bekommen. In den vergangenen Monaten sind in der gesetzlichen Krankenversicherung bereits einige Änderungen in Kraft getreten, um die Situation nachhaltig zu verbessern. Nun gibt es nach Informationen der FR eine weitere gute Nachricht für diejenigen, die dringend einen Behandlung benötigen.

Künftig müssen die Terminservicestellen der Kassenärzte auf Druck der Krankenkassen auch Termine für sogenannte probatorische Sitzungen beim Psychotherapeuten vermitteln. Voraussetzung dafür ist, dass ein Therapeut eine rasche Therapie empfohlen hat. Das hat jetzt das Bundesschiedsamt gegen den Willen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) entschieden. Auf die Erweiterung hatte der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen gedrängt. Da sich die Parteien nicht einigen konnten, musste die Schiedsstelle eingeschaltet werden.

Bereits seit 1. April diesen Jahres vermitteln die Terminservicestellen der regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen Behandlungstermine für ein Erstgespräch beim Psychotherapeuten („psychotherapeutische Sprechstunde“) und für eine Akutbehandlung. Das reicht für viele Betroffenen aber nicht, weil sie damit noch immer keinen Termin für die eigentliche Therapie haben. Die probatorischen Sitzungen – bezahlt werden bei Erwachsenen bis zu vier und bei Kindern bis zu sechs Stunden – gelten dagegen als Einstieg in eine Therapie. Sie dienen unter anderem zur weiteren Klärung des Krankheitsbildes und zur Festlegung des Therapieverfahrens. Außerdem soll dabei festgestellt werden, ob Patient und Behandler zueinander „passen“.

Stellt sich heraus, dass das nicht der Fall ist, sollen die Terminservicestellen einen weiteren Termin für eine probatorische Sitzung bei einem anderen Therapeuten vermitteln.

„Die Schiedsstelle hat die Patienteninteressen durchgesetzt, was mich sehr freut“, sagte der stellvertretende Chef des Kassen-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg der FR. „Ich erwarte, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen ihrem gesetzlichen Auftrag nachkommen und die Terminvermittlung auch bei dem jetzt neu hinzugekommenen Vermittlungsthema für unsere Versicherten reibungslos abläuft“, forderte er.

Die Terminservicestellen waren gegen den Willen der Kassenärzte per Gesetz eingerichtet worden. Sie haben den Auftrag, innerhalb einer Woche einen Termin bei einem (niedergelassenen) Facharzt oder einem Psychotherapeuten zu vermitteln. Zwischen dem Anruf des Patienten und dem Termin dürfen maximal vier Wochen liegen. Dabei besteht für den Patienten allerdings kein Anspruch auf einen bestimmten Arzt oder Therapeuten. Gelingt eine Terminvergabe nicht innerhalb der gesetzlichen Zeitspanne, muss die Servicestelle einen Termin in einem Krankenhaus vermitteln.

Noch vor einigen Jahren mussten Betroffene über zehn Wochen auf ein Erstgespräch beim Therapeuten warten. Das hat sich nach Einschätzung der Bundespsychotherapeutenkammer erheblich verbessert. Die Wartezeit auf einen Therapieplatz wird von der Kammer aber nach wie vor als unbefriedigend eingeschätzt. Gefordert wird, dass mehr Therapeuten zugelassen werden. Das lehnen die Kassen ab. Seit 2009 habe die Anzahl der Psychotherapeuten, die mit der gesetzlichen Versicherung abrechnen, um über 30 Prozent zugenommen, sagte von Stackelberg.

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