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Frischer Salat, frisches Gemüse: Praktisch alle Bürger legen Wert auf eine hohe Qualität der Lebensmittel.
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Frischer Salat, frisches Gemüse: Praktisch alle Bürger legen Wert auf eine hohe Qualität der Lebensmittel.

Ernährungsreport

Schnell und unkompliziert essen

  • VonStefan Sauer
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Immer weniger Deutsche kochen selbst – der Trend zu Tiefkühlpizza oder Tütensuppe setzt sich fort. Aber auch Qualität wird verlangt, sagt der Ernährungsreport.

Schnell soll es gehen, unkompliziert und mühelos. Am liebsten auf Knopfdruck würde sich eine wachsende Mehrheit der Menschen im Lande das tägliche Essen zubereiten. Einerseits. Andererseits legen praktisch alle Bürger größten Wert auf guten Geschmack, neun von zehn schätzen zudem eine hohe Qualität der Lebensmittel. Fast drei Viertel möchten Produkte mit regionaler Herkunft, 89 Prozent befürworten bessere Haltungsbedingungen für Nutztiere. Ach ja, und möglichst preiswert soll das Angebot bei alledem auch sein, finden sechs von zehn Verbrauchern.

Unter dem Strich wünschen sich die Deutschen alles auf einmal: die eierlegende Wollmilchsau vom Biobauernhof um die Ecke, zu Discountpreisen, wenn’s geht. Die Ergebnisse des Ernährungsreports 2017, für den das Forsa-Institut im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums Ende 2016 mehr als 1000 über 14 Jahre alte Bundesbürger befragt hat, sind also durchaus widersprüchlich.

Kochen? Nein Danke! Auf der einen Seite steht eine abnehmende Lust am Kochen. Der Anteil der Befragten, die tägliches Kochen zu Protokoll gaben, ging im Vergleich zu 2015 um zwei Punkte auf 39 Prozent zurück, doch auch der Anteil der Herdmuffel sank – um einen Punkt auf elf Prozent. Wenn gekocht wird, dann rasch: Fast drei Viertel der 19- bis 29-Jährigen geben an, für die Zubereitung der Speisen möglichst wenig Zeit aufwenden zu wollen. Über alle Altersgruppen hinweg sind es immerhin 55 Prozent.

Frauen sind noch immer deutlich aktiver im Haushalt – und so auch am Herd – als Männer. Einer OECD-Erhebung aus dem Jahr 2014 zufolge arbeiten Frauen in Deutschland durchschnittlich 160 Minuten im Haushalt pro Tag, während Männer auf nicht einmal 90 Minuten kommen. So oder so: Infolge der wachsenden Unlust am Kochen sind Fertig- und Tiefkühlgerichte weiter auf dem Vormarsch. 41 Prozent geben an, „gern mal“ auf eine Pizza aus der Truhe zurückzugreifen. In der Befragung 2015 waren es erst 32 Prozent gewesen.

Lecker? Ja bitte!

Das Essen muss schmecken. 99 Prozent der Befragten unterschreiben diese Aussage. 89 Prozent finden zudem, die Nahrung müsse gesund sein. Dabei führen Fleischgerichte die Liste der Leibspeisen an: 53 Prozent der Verbraucher nennen Kotelette, Steak und Co. als Lieblingsessen, weitere 13 Prozent Geflügelgerichte. Für 38 Prozent gibt es nichts Besseres als Nudeln und Pasta. Auch Gemüse (20 Prozent), Fisch (16), Suppen (15), Kartoffelspeisen (14) und Pizza (13) haben ihre Fans. Dabei ist den Menschen keineswegs gleichgültig, wie die Lebensmittel erzeugt werden. Am Wohl der Nutztiere ist fast allen gelegen. 87 Prozent der Befragten sprechen sich für eine bessere Tierhaltung aus, wobei sich vier von fünf Verbraucher auch informativere Angaben über die Aufzuchtbedingungen wünschen. Umweltschonende Produktionsmethoden und eine faire Bezahlung der Beschäftigten in der Landwirtschaft sind gut der Hälfte der Befragten wichtig. 88 Prozent wären bereit, etwa ein Drittel mehr für Fleisch aus guter Tierhaltung zu bezahlen. In der konkreten Fragestellung wurden im Schnitt 13,60 Euro pro Kilo angegeben, die man anstelle des „Normalpreises“ von zehn Euro aufzubringen bereit sei. Allerdings zeigt sich diese Zahlungsbereitschaft in der Realität meist nicht.

Einkauf ohne Aufwand Dem Wunsch nach möglichst regionaler Herkunft der Lebensmittel, den 73 Prozent der Befragten äußern, passt mit dem Einkaufsverhalten ebenfalls nur bedingt zusammen. Denn gerade kleine Anbieter mit eher regionalem Angebot verlieren Marktanteile: Im Bioladen kaufen nur noch sechs Prozent den Großteil ihrer Lebensmittel, 2015 waren es noch acht Prozent gewesen. Auf fünf Prozent halbiert hat sich der Anteil der Befragten, die vor allem direkt beim Bauern und in Hofläden einkaufen. Wochenmärkte kommen auf acht Prozent (minus sechs Punkte) und Lebensmittelfachgeschäfte auf 30 Prozent (minus vier Punkte).

Demgegenüber gelten Discounter mittlerweile für 43 Prozent als wichtigste Lebensmittelbezugsquelle. Ganz oben stehen Supermärkte mit einem Anteil von 62 Prozent. Damit einher geht die wachsende Bedeutung elektronischer Medien beim Einkauf: Gut die Hälfte der Verbraucher informiert sich mittlerweile im Internet über Angebote, ein Viertel nutzt zumindest gelegentlich das Smartphone während des Einkaufs. Dass dies in Hofläden und auf Wochenmärkten nicht funktioniert, liegt auf der Hand.

Konsequenzen Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) kündigte während der Präsentation des Ernährungsreports am Dienstag ein Maßnahmenbündel an, mit dem „steigende Erwartungen und Ansprüche an eine nachhaltige und verantwortungsvolle Lebensmittelproduktion“ erfüllt werden sollen. In Schulen und Kitas befürwortet Schmidt einheitliche Qualitätsstandards für das Mittagessen, zudem müsse Ernährungsbildung zu einem vollwertigen Unterrichtsfach wie Mathematik, Deutsch oder Englisch werden. Hierbei könne man die große Kochbegeisterung gerade junger Leute nutzen: In der Umfrage hatten die 14- bis 18-Jährigen das mit Abstand größte Kochinteresse unter allen Altersgruppen bekundet. Noch im Januar soll das neue Bundeszentrum für Ernährung einschließlich eines Nationalen Qualitätszentrums für Schulernährung die Arbeit aufnehmen.

Mit einem freiwilligen staatlichen Tierwohllabel, das in der zweiten Januarhälfte auf der Grünen Woche in Berlin vorgestellt wird, will Schmidt mehr Transparenz bei den Haltungsbedingungen schaffen. Außerdem soll das Mindesthaltbarkeitsdatum für Lebensmittel durch ein Verbrauchsverfallsdatum ersetzt werden. Damit hofft Schmidt, den Berg von 6,7 Millionen Tonnen Lebensmitteln, die in Deutschland jährlich auf dem Müll landen, abbauen zu können.

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