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Ein Eurofighter Typhoon fliegt über dem EADS-Werk in Manching.

EADS unter Verdacht

Schmiergeld bei Verkauf von Eurofightern

Der Rüstungskonzern EADS unter Verdacht: Über 100 Millionen Euro sollen geflossen sein, um Österreich den Kauf von 15 Eurofightern zu versüßen. EADS kooperiere mit den Behörden und will die Korruption nicht tolerieren.

Beim Verkauf von Eurofighter-Kampfflugzeugen an Österreich im vergangenen Jahrzehnt soll der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS einem Medienbericht zufolge dreistellige Millionenbeträge in dunkle Kanäle geleitet haben. Nach Ermittlungen der österreichischen Behörden gingen insgesamt 113,5 Millionen Euro mutmaßlicher Schmiergelder von EADS Deutschland an ein Netz aus Briefkastenfirmen. Das berichtet das Magazin Spiegel.

Gegen frühere und jetzige EADS-Manager werde unter anderem wegen des Verdachts der „gemeinschaftlichen Bestechung in Tateinheit mit Untreue in einem besonders schweren Falle“ ermittelt, heißt es in dem Bericht weiter.

„Kriminelle Vereinigung“

„Es besteht die Verdachtslage, dass EADS Deutschland versucht hat, über eine Konstruktion von verschiedenen Offshore-Gesellschaften Schmiergeldzahlungen an Unternehmen beziehungsweise Beamte zu leisten“, zitierte das Magazin aus einem Papier der Staatsanwaltschaft Wien. Die Behörde spricht demnach im Zusammenhang mit den angeblichen Schmiergeldzahlungen von einer „kriminellen Vereinigung“.

Die Süddeutsche Zeitung berichtete unter Berufung auf die Ermittlungsbehörden in Wien und München, dass bei dem Waffengeschäft von EADS mindestens 70 Millionen Euro geflossen seien. Der Großteil des Geldes sei über eine Firma in London auf Konten weiterer Gesellschaften in Malta, Liechtenstein, in der Schweiz, auf der Isle of Man und in Österreich gelandet. Die Staatsanwaltschaft München war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

EADS-Manager im Verdacht

Mit dem Geld sollen Entscheidungsträger in Österreich beim Verkauf von 15 Eurofightern zum Preis von 1,7 Milliarden Euro bestochen worden sein. Laut der Zeitung gibt es 13 Beschuldigte, darunter Lobbyisten, Vermittler und mehrere EADS-Manager der mittleren Ebene. Doch auch ein früherer Topmanager des Unternehmens sei in Verdacht geraten. Dem Spiegel zufolge wird gegen zwei damalige Bereichsvorstände ermittelt.

Bereits am Dienstag hatten Ermittler EADS-Büros in Deutschland und Österreich untersucht. Auch in anderen europäischen Ländern gehen die Behörden derzeit den Vorwürfen nach.

„Kein Platz für unethisches Verhalten“

Der Konzern selbst hatte die Ermittlungen bereits bestätigt, dabei aber keine Einzelheiten genannt. Ein Firmensprecher wollte sich auch zu den neuen Berichten am Sonntag nicht weiter äußern. „Wir kooperieren mit den Behörden“, sagte er lediglich.

EADS-Chef Thomas Enders hat seine Führungskräfte vor wenigen Tagen in einem Brief vor Korruption gewarnt. „Es gibt keinen Platz für betrügerisches oder unethisches Verhalten bei EADS“, hieß es in dem Schreiben. Gute Geschäftszahlen seien großartig, „aber nicht zu jedem Preis“. Bei EADS gebe es „null Toleranz“ für gesetzwidriges Verhalten, schrieb Enders.

Der Verkauf der Hubschrauber vor zehn Jahren hatte auch in Österreich hohe Wellen geschlagen. Schon kurz nach dem Geschäft, das die damalige Regierung unter Kanzler Wolfgang Schüssel von der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) zu verantworten hatte, kam der Verdacht auf, dass dabei Schmiergelder geflossen waren. (rtr/FR)

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